Der Mauretanier

Kinostart: 10.06.2021

ab12 OT: The Mauritanian (Großbritannien 2021)
Länge: 129 Minuten
Genre: Drama
Regie: Kevin Macdonald
Drehbuch: M.B. Traven, Rory Haines, Sohrab Noshirvani
Darsteller: Tahar Rahim, Jodie Foster, Benedict Cumberbatch, Shailene Woodley, Zachary Levi, Adam Rothenberg, Corey Johnson, Stevel Marc, Denis Ménochet, Alaa Safim, Adam Neill, David Fynn, Saamer Usmani, Justine Mitchell, Matthew Marsh
Verleih: Tobis Film GmbH & Co. KG

Filme über den US-Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba laufen bei Europäern offene Türen ein. Wie kann ein westlicher Staat, der Gerechtigkeit und Glück (!) in seiner Verfassung verankert hat, Menschen ohne Gerichtsurteil jahrelang gefangen halten? Und die Welt schaut dabei zu. In seinem packenden Politdrama „Der Mauretanier – (K)eine Frage der Gerechtigkeit“ hat der Schotte Kevin MacDonald den wahren Fall von Mohamedou Ouid Slahi aufgegriffen, der mehr als 14 Jahre illegal einsaß. 

Der französische Filmstar Tahar Rahim („Ein Prophet“) spielt den Mauretanier Mohamedou Ouid Slahi, der zwei Monate nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 nach einer Familienfeier auf Befehl der US-Regierung verschleppt wird und in Guantanamo landet, wo er monatelang gefoltert wird. Die erfahrene US-Anwältin Nancy Hollander (Jodie Foster) und ihre junge Kollegin Teri Duncan (Shailene Woodley) nehmen sich des scheinbar hoffnungslosen Falles an und fliegen nach Kuba, wo sie einen zutiefst verstörten Gefangenen vorfinden, der sein Englisch mittels TV-Serien gelernt hat. Hollanders Gegenspieler ist der Militärstaatsanwalt Stuart Couch (Benedict Cumberbatch), der von seinen Vorgesetzten den unmissverständlichen Auftrag erhalten hat, die Todesstrafe zu beantragen. Doch die Beweise sind mau – und das Geständnis wurde durch Folter erzwungen.

Regisseur Kevin MacDonald („The Last King of Scotland“) hat die bekannten Muster des Polit-Thrillers benutzt, um ein packendes Drama zu inszenieren. Das wirkt auf den ersten Blick ziemlich konventionell, doch allmählich werden in den 130 Minuten die Widerhaken sichtbar. Die Szenen mit dem Mauretanier und seinen zynischen Wärtern hat MacDonald konsequent im fast quadratischen Format gedreht – deshalb wirken die Folter-Sequenzen so authentisch, dass sie kaum zu ertragen sind. Die weisshaarige Jodie Foster, die für ihre Hauptrolle (!) den Golden Globe für die beste Nebenrolle gewann, spielt die Anwältin mit verbissener Miene, die lange nicht an die Unschuld ihres Mandanten glaubt und fast den ganzen Film mit geschwärzten Akten zu kämpfen hat. Wie in den Polit-Filmen von Costa-Gavras ist das Ende natürlich vorhersehbar, und das Schlussplädoyer von Mohamedou Ouid Slahi wirkt leicht pathetisch. Das trübt aber nicht den positiven Eindruck. Der Film ist wichtig!

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Filmplakat

Neustarts am 10.06.2021

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