Dass es in den 1960er-Jahren in Norditalien politisch eher ungemütlich war, ist heute längst vergessen. Doch genau darum geht es im Familiendrama ZWEITLAND von Michael Kofler: um die Südtiroler Separatistenbewegung, die die ganze Nation an den Rand des Abgrunds brachte.
Der deutschsprachige Bauernsohn Paul (Thomas Prenn) leidet darunter, dass ihm bei der Arbeitssuche immer wieder Italienischstämmige Einwohner vorgezogen werden. Er träumt davon, Maler zu werden und endlich die enge Heimat verlassen zu können. Noch lebt er auf dem abgelegenen Bauernhof seines Bruders Anton (Laurence Rupp) und dessen Frau Anna (Aenne Schwarz).
Als Paul die Zusage für ein Studium an der Kunstakademie Machen erhält, wähnt er sich am Ziel. Doch dann ereignet sich die sogenannte „Feuernacht“: In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 werden in Südtirol 37 Strommasten gesprengt. Dabei kam ein italienischer Straßenarbeiter ums Leben, als er einem Blindgänger zu nahe kam. Verantwortlich für die Anschläge war der „Befreiungsausschuss Südtirol“, der mit terroristischen Mitteln für einen eigenen Staat kämpfte.
Anton wird von der Polizei als Separatist verdächtigt und flieht in die Berge. Er gesteht seinem jüngeren Bruder die Beteiligung an der Tat und bittet ihn, sich um Anna und ihrem kleinen Sohn zu kümmern. Doch Anton wird im Versteck aufgespürt, verhaftet und im Gefängnis gefoltert. Pauls Träume sind geplatzt…
In seinem Spielfilmdebüt hat Regisseur und Drehbuchautor Michael Kofler ein großes Thema, das ein bisschen an die Geschichte von Kain und Abel erinnert, zwar eindringlich, aber auch irritierend zurückhaltend umgesetzt. Denn die politische Ebene gerät bei ihm schnell in Vergessenheit. So konzentriert er sich vor allem auf die zwischenmenschlichen Beziehungen – ZWEITLAND ist mehr Kammerspiel als Politdrama.
Paul reibt sich in der Rolle als Ersatzvater und -ehemann auf, und Anna, die als Eingeheiratete von den Einheimischen nie akzeptiert wurde, zweifelt allmählich an den Beweggründen ihres Mannes und beginnt, sich zunehmend gegen die patriarchalen Strukturen ihres Umfelds zu wehren. Sie wird zur selbstständigen Frau – für die damalige Zeit in der Südtiroler Provinz fast schon ein Skandal.
Trotz guter Ansätze und großartiger Schauspielerleistungen bleibt von ZWEITLAND am Ende nur ein Gefühl von schwerfälliger Blut-und-Boden-Mentalität.
Zweitland (Deutschland/ Italien / Österreich 2025)
113 Minuten
Drama
Michael Kofler
Michael Kofler
Felix Wiedemann, BSC
Thomas Prenn, Aenne Schwarz, Laurence Rupp, Francesco Acquaroli, Andrea Fuorto
Weltkino Filmverleih GmbH