Zweigstelle

09.10.2025

Deutschland ist bekannt für seine ausufernde Bürokratie – warum sollte das im Jenseits anders sein? Diese Frage hat sich offenbar Autor und Regisseur Julius Grimm gefragt und daraus die schwarze Komödie ZWEIGSTELLE gemacht…

In der Beziehung von Resi (Sarah Mahita) und Philipp (David Ali Rashed) läuft es nicht mehr besonders gut. Eine Trennung scheint da der letzte Ausweg zu sein, da ist sich auch Resis beste Freundin Sophie (Nhung Hong) sicher. Doch dann kommt Philipp mit einer Krebserkrankung um die Ecke, und an ein Ende der Beziehung ist erst einmal nicht (mehr) zu denken. Drei Jahre später ist Philipp tot, und Resi klaut sich einen Teil seiner Asche, um ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen, diese in den Alpen zu verstreuen. Doch so weit kommen die Freund:innen gar nicht. Sie verunglücken mit dem Auto tödlich und landen im Jenseits.

Weißes Licht? Wolken? Himmel? Nichts davon finden die Freunde auf der anderen Seite wieder. Stattdessen landen sie in einer Art bayerischer Jenseits-Behörde, wo sie erst einmal eine Nummer ziehen müssen. Doch bevor über das weitere Schicksal entschieden wird, müssen die Freunde erst einmal die Irrungen und Wirrungen der Bürokratie durchlaufen. Als jedoch festgestellt wird, dass der Gruppe jeglicher Glauben fehlt, ist die Aufregung groß. So einen Fall hat es offenbar noch nicht gegeben. Was zum Teufel passiert überhaupt mit Menschen, die zu Lebzeiten an wirklich gar nichts geglaubt haben?

Ja, man muss diese Art von Humor mögen, sonst ist man bei diesem Film sehr schnell fehl am Platze – ganz so wie unsere Protagonisten. Aber wenn man sich auf krude Gags und kabarettistisches Schauspiel einlässt, dann macht ZWEIGSTELLE tatsächlich richtig Spaß. Hinzu kommt Julius Grimms feines Gespür für absurde Situation, das mit dem in blasse Pastelltöne getauchte Szenenbild eine perfekte Symbiose eingeht. Als wäre das noch nicht genug, lässt Grimm immer wieder die Italo-Schlager-Band „Roy Bianco und die Abbruntai Boys“ in skurrilen Musikeinspielungen auftreten. Zwar sitzt hier nicht jede Pointe, aber das ist bei der hohen Gagdichte auch nicht verwunderlich.

Die einzelnen Figuren werden von der riesigen Darsteller-Riege ganz unterschiedlich mit Leben gefüllt, doch Rainer Bock hält als Hausmeister und ruhender Pol die ganze Truppe wunderbar zusammen.

Auch wenn ZWEIGSTELLE an einigen Stellen ein wenig die Luft ausgeht, bleibt am Ende eine solide, typisch bayerische Komödie übrig, die wunderbar unterhält.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Zweigstelle (Deutschland 2025)

Länge

99 Minuten

Genre

Komödie

Regie

Julius Grimm

Drehbuch

Julius Grimm

Kamera / Bildgestaltung

Lea Dähne

Darsteller

Sarah Mahita, Nhung Hong, David Ali Rashed, Beritan Balci, Julian Gutmann, Rainer Bock, Luise Kinseher, Johanna Bittenbinder, Maximilian Schafroth, Simon Pearce, Michael A. Grimm, Rick Kavanian, Florian Brückner, Sina Wilke, Teresa Rizos, Frederic Linkemann, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys

Verleih

Weltkino Filmverleih GmbH

Filmwebsite

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