Whistle

07.05.2026

Nachdem der britische Filmemacher Corin Hardy zuletzt ein Spin-off von James Wans „Conjuring 2“ inszeniert hat, widmet sich der Genre-Experte mit WHISTLE nun dem Teenie-Horror – und kann sich dabei auf ein starkes Ensemble verlassen, angeführt von den Jungstars Dafne Keen („Deadpool & Wolverine”) und Sophie Nélisse („Yellowjackets”).

Es fängt mit einem Paukenschlag an: Bei einem Basketball-Match an der Pellington High steht der Spieler Mason Raymore (Stephen Kalyn), genannt „Horse“, plötzlich einem wesentlich älteren Mann in Flammen gegenüber, nicht wissend, dass es sein Ebenbild zum Zeitpunkt seines Todes ist. Die Mitschüler sehen das natürlich nicht. Nach dem Spiel geht „Horse“ auf mysteriöse Weise in Flammen auf und stirbt. Dann lernen wir Chrys Willet (Dafne Keen) kennen, die neu an der Schule ist. Im Spind des toten Topathleten findet das Gothic-Mädchen, das gerade eine schwere Zeit durchmacht, eine antike Pfeife.

Chrys, die optisch an Winona Ryder Ende der 1980er bis Anfang der 1990er erinnert, hat Drogen konsumiert und fühlt sich schuldig am Tod ihres Vaters. Sie ist nun bei der Verwandtschaft untergekommen – und hört im Jugendzimmer die Vinyl-Platten, die sie von ihrem Erzeuger geerbt hat. Regisseur Corin Hardy ist ein begeisterter Musikliebhaber und benutzt häufig Musik als Teil seines kreativen Prozesses. Die im kanadisch-irischen Horrorfilm WHISTLE eingesetzten Songs aus den Siebzigern, Achtzigern und Neunzigern sind exquisit selektiert – und haben als Punk, Rock, Electro, Goth und Indie einen wesentlich Einfluss auf die Atmosphäre des Films.

Auch Rel Taylor (Sky Yang), der Cousin von Chrys, ist ein typischer Außenseiter, der in seiner Welt aus Comics, Filmen und Musik versunken ist – und dem es der „Revenger“ besonders angetan hat. Nachdem sich Chrys mit dem tumben Vorzeige-Sportler Dean Jackson (Jhaleil Swaby) angelegt hat, müssen die drei gemeinsam mit der vermeintlich gemeinen High-School-Schönheit Grace Browning (Ali Skovbye) und der heißen Streberin Ellie Gains (Sophie Nélisse) bei Mr. Craven (Nick Frost) nachsitzen. Chrys bringt die schädelförmige Pfeife mit, die natürlich vom Lehrer konfisziert wird. Schnell ist im Internet die Bedeutung der aztekischen Inschrift übersetzt.

Noch ahnt aber niemand, welch grauenhafter Fluch auf der aztekischen Todes-Pfeife liegt. Das erfährt die Teenie-Clique erst von Mason „Horse“ Raymores Großmutter Ivy (Michelle Fairley), die diese vor langer Zeit auf einem Markt in Guatemala entdeckt hatte. In die Pfeife sei „Beschwöre deinen Tod“ eingraviert und jeder, der sie hört, wird bald darauf getötet. Ihr furchterregend-schriller Klang hat nun bereits den Tod von Mr. Craven herbeigeführt, der es mit dem Rauchen wohl übertrieben hat. Todesursache: Lungenkrebs. Ganz plötzlich. Und auch Grace hat bei einer Pool-Party in Anwesenheit der ganzen Clique den Tod heraufbeschworen.

Die Teenager versuchen also verzweifelt, dem Geheimnis der Pfeife weiter auf die Spur zu kommen und ihrem eigenen Tod zu entkommen. Wer hier sofort an die „Final Destination“-Reihe denkt, liegt natürlich nicht falsch. Aber bei WHISTLE ist eine schicke Pfeife der Ausgangspunkt allen Übels. „Ich wusste, dass wir etwas ganz Besonderes schaffen mussten“, erläutert Filmemacher Hardy. Er ließ seine Konzeptkünstler Entwürfe erstellen und diskutierte mit Szenenbildnerin Jennifer Spence sowie Requisiteur Antonio Germinario die Gestaltung der Pfeife. Spence kam nach Toronto, nachdem sie umfangreiche Recherchen zu Todespfeifen durchgeführt hatte. „Wir versuchten, uns an den Idealen der Maya-Zeichnungen zu orientieren. Ich wollte auch ein besonderes Behältnis für die Pfeife entwerfen, weil ich fand, dass sie eine interessante Form besaß.“

Die schwer traumatisierte Chrys nähert sich zudem Ellie an, die in einem Krankenhaus arbeitet und an Diabetes leidet (was natürlich im Laufe der Handlung von WHISTLE in einer Reminiszenz an „Flatliners“ an Bedeutung gewinnt). Der Jungendpastor Noah Haggerty (Percy Hynes White), der nebenbei Drogen dealt, wird schließlich auch noch in die Todesdeals einbezogen. Regisseur Hardy blättert zudem nach und nach geschickt die dunkle Hintergrundgeschichte von Chrys auf, die in voller Gänze übrigens Chrysanthemum heißt (nach den im Herbst blühenden Chrysanthemen). Und Rel, der unsterblich in die Schulschönheit Grace verliebt ist, macht als tragischer „Revenger“ eine gute Figur. Der Comic-Aspekt ergänzt sinnvoll den Look des Horrorfilms. Und auf einem Jahrmarkt kommt es schließlich zum nächsten Showdown mit dem Tod.

Regisseur Hardy begann seine Karriere als ‘Monster-Macher‘ für Spezialeffekte im Schuppen seiner Eltern. Inspiriert von Ray Harryhausen und Horrorfilmen der Siebziger- und Achtzigerjahre drehte er mit Schulfreunden eine Reihe von Super-8-Filmen. Dem Genre blieb er bis heute treu.

WHISTLE entstand nach einem Drehbuch von Owen Egerton (das auf seiner eigenen Kurzgeschichte beruht) und ist durch und durch solide: Teenie-Horror-Fans dürfen sich auf gelungene Kills, einen sehr guten Soundtrack mit nostalgischer Note und wirklich gute Jungstars freuen. Insbesondere Sophie Nélisse („Die Bücherdiebin“) und Dafne Keen, der gleich mit ihrer ersten Kinorolle als Logans Tochter Laura in James Mangolds „Logan: The Wolverine“ der Durchbruch gelang, überzeugen vollends mit einem durchaus vielschichtigen Spiel.

Regisseur Corin Hardy behandelt das Thema Tod zwar nicht tiefschürfend, aber durchaus der Geschichte dienlich. Nachdem WHISTLE bereits im April 2026 im Rahmen des Fantasy Filmfest gezeigt wurde, steht nun auch der bundesweite Kinostart an. Die Frage „Kannst du sie hören?“ sei also gestattet. Der schrille Klang der Pfeife erklingt übrigens am Ende des Abspanns nochmal – bleibt also im Kino sitzen. Der kurzweilige Horrorspaß wird vermutlich fortgesetzt.

Trailer

ab16

Originaltitel

Whistle (Kanada 2025)

Länge

101 Minuten

Genre

Horror

Regie

Corin Hardy

Drehbuch

Owen Egerton

Kamera / Bildgestaltung

Björn Charpentier, SBC

Darsteller

Dafne Keen, Sophie Nélisse, Percy Hynes White, Nick Frost, Ali Skovbye, Sky Yang, Jhaleil Swaby, Mika Amonsen, Michelle Fairley, Stephen Kalyn, Conrad Coates, Lanette Ware, Christine Sahely, Dina Pino

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Filmwebsite

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