Um 2:17 Uhr nachts verlassen 17 Schüler einer Schulklasse ihr Zuhause und verschwinden in der Dunkelheit. Doch wie kam es dazu? Das versucht der Autor und Regisseur Zach Cregger mit seinem Horror-Epos WEAPONS – DIE STUNDE DES VERSCHWINDENS aufzudecken…
Es ist 17 Minuten nach zwei, als auf unerklärliche Weise alle Kinder einer Schulklasse ihr Zuhause verlassen und in der Tiefe der Nacht verschwinden. Nur ihr Schüler Alex (Cary Christopher) sitzt am nächsten Morgen als Einziger im Klassenraum der Grundschullehrerin Justine Grandy (Julia Garner). Natürlich versetzt das die US-Kleinstadt Maybrook in Angst und Schrecken. Warum sind die Kinder verschwunden? Wo befinden sie sich jetzt? Wer oder was ist dafür verantwortlich? Fragen über Fragen – doch noch kennt niemand die Antwort…
Vor drei Jahren überraschte der Autor und Regisseur Zach Cregger mit seinem Film „Barbarian“ (bei uns nur auf Disney+ veröffentlicht) die Liebhaber des Horror-Genres. Jetzt legt er mit WEAPONS – DIE STUNDE DES VERSCHWINDENS den Nachfolger vor – und überzeugt aufs Neue. Dabei ist es gar nicht mal die Geschichte, die überzeugt, sondern die Art und Weise, wie Cregger sie erzählt. Als wir in die Handlung einsteigen, liegt das Verschwinden der Kinder bereits in der Vergangenheit. Unterteilt in sechs Kapitel fokussiert sich die Geschichte jeweils auf eine beteiligte Person. So folgen wir im ersten Teil der von Julia Garner grandios gespielten Grundschullehrerin Justine. Von der Gemeinde angefeindet und als Hexe tituliert versucht sie wie alle anderen, die Geschehnisse zu verstehen.
Im nächsten Kapitel wechselt die Handlung dann zum Bauunternehmer Archer Graff (Josh Brolin), dessen Sohn zu den vermissten Kindern gehört und der eigene Nachforschungen anstellt. Auch die Sichtweisen des Polizisten Paul (Alden Ehrenreich), mit dem Justine eine Affäre hat, sowie des Schulleiters Andrew (Benedict Wong) werden tiefer beleuchtet. Alle bewegen sich entlang einer gemeinsamen Zeitlinie, wobei sich Teile davon immer mal wieder überschneiden und dem Zuschauer beispielsweise durch eine geänderte Kameraposition neue Hinweise liefern.
Mit jedem Kapitel fügt Cregger seiner Geschichte mehr Puzzleteile hinzu. Er klärt auf und gibt vermeintlich harmlosen Akzenten der vorhergehenden Kapitel eine (neue) Bedeutung. Langsam aber sicher kommen wir dem großen Geheimnis näher. Cregger verzichtet sogar darauf, uns mit genreüblichen falschen Fährten in die Irre zu leiten. Trotzdem bleibt die Spannung über die gesamte Lauflänge von gut zwei Stunden erhalten, was für sich allein schon eine Kunst ist.
Auch wenn sich die ersten zwei Drittel eher weniger wie ein Horrorfilm anfühlen, dreht Cregger zum Ende hin die Gewalt noch einmal so richtig auf. Einige Szenen sind sicherlich nichts für zartbesaitete Zuschauer, doch wenn die Geschichte letztendlich in einem kathartischen Finale mündet, dann ist eines klar: In WEAPONS – DIE STUNDE DES VERSCHWINDENS steckt so viel mehr, als man auf einen Blick erfassen kann. Denn einige der aufkommenden Rätsel lassen sich nur lösen, wenn man als Zuschauer über das Gesehene hinausdenkt. Ich persönlich bin ein großer Freund von Regisseuren, die ihrem Publikum vertrauen und nicht alles auf einem Silbertablett servieren.
Abgerundet wird das Kinoerlebnis durch die eindrucksvollen Bilder des Kameramanns Larkin Seiple, der die Stimmung des Films passend mit langen Kamerafahrten untermalt und den Zuschauer so zu einem heimlichen Beobachter macht. Bei uns in Hamburg war WEAPONS – DIE STUNDE DES VERSCHWINDENS zudem der erste Film, der den Journalisten in einem Saal mit sich bewegenden D-Box-Sitzen gezeigt wurde, die mit der Handlung, Dynamik und Atmosphäre auf der Leinwand abgestimmt sind. Von einer minimalen, äußerst subtilen Neigung bei Kamerafahrten bis hin zu intensivem Gerüttel bei Kampfszenen war das tatsächlich ein vollkommen neues Filmerlebnis, das ich so nicht erwartet hätte.
Eines ist nach den 129 Minuten klar: WEAPONS – DIE STUNDE DES VERSCHWINDENS überzeugt auf allen Ebenen und ist ein Film, bei dem eine einzige Sichtung bei weitem nicht ausreicht, um alle Aspekte in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Was für ein unfassbar starkes Werk!
Weapons (USA 2025)
129 Minuten
Horror / Thriller
Zach Cregger
Zach Cregger
Larkin Seiple
Josh Brolin, Julia Garner, Alden Ehrenreich, Austin Abrams, Cary Christopher, Benedict Wong, Amy Madigan
Warner Bros. Entertainment GmbH