43 (!) Jahre nach dem ersten Teil liefert Joachim Rønning mit TRON: ARES eine weitere Fortsetzung des Computerspiel-Universums. Doch nach knapp zwei Stunden bleibt nicht mehr davon übrig als ein Ausflug ins Rotlichtviertel…
Als Julian Dillinger (Evan Peters), ein ambitionierter Programmierer, Enkel des verstorbenen Tech-Pioniers Edward Dillinger und Tochter von Edwards Erbin und Nachfolgerin Elizabeth Dillinger (Gillian Anderson) verkündet, er habe einen Weg gefunden, Programme aus dem digitalen Universum in die reale Welt zu holen, verschweigt er seinen Aktionären ein wesentliches Detail. Die per Laser-3D-Drucker generierten Programm-Instanzen können sich nur 29 Minuten am Leben halten, bevor sie in ihre molekularen Bestandteile zerfallen. Abhilfe soll ein sogenannter Permanence-Code schaffen, den der ursprüngliche Entwickler Kevin Flynn (Jeff Bridges) einst in der digitalen Welt versteckt hatte. Daher schickt Dillinger das Master Control Programm (Jared Leto) in die echte Welt, um genau diesen Code aufzuspüren.
Doch auch Eve Kim (Greta Lee), eine der weltbesten Programmierer:innen und gleichzeitig CEO des einst von Kevin Flynn gegründeten Tech-Konzerns „Encom“, ist auf der Suche nach dem Permanence-Code. Doch im Gegensatz zu Dillinger möchte sie ihn nicht für kriegsführende Kampfsoldaten nutzen, sondern für Forschungszwecke und damit das Vermächtnis ihrer an Krebs verstorbenen Schwester fortsetzen.
Jagen sich Kim und Master Control anfangs noch gegenseitig, beginnt Master Control aufgrund seiner künstlichen Intelligenz mehr und mehr seinen Einsatz zu hinterfragen. Er verbündet sich mit Kim, und die beiden kämpfen nicht nur um ihr Überleben, sondern für eine Welt, in der Technologie und Menschheit Hand in Hand gehen. Doch Dillinger ist nicht bereit aufzugeben und schickt Athena (Jodie Turner-Smith) hinterher, die als Mitglied einer Elite-Spezialeinheit ausschließlich ihrer Programmierung folgt, Befehle niemals hinterfragt und aufgrund ihrer Kraft und ihrer Entschlossenheit nahezu unbesiegbar ist…
Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass „Tron“ 1982 in den Kinos für Furore sorgte. Die Darsteller wurden in Schwarz-Weiß aufgenommen und die Konturen im Anschluss Bild für Bild zum Leuchten gebracht. Ein unglaublicher Aufwand, der mit den technischen Mitteln der heutigen Zeit nicht mal einen Bruchteil der Zeit benötigt. Doch der Film war seiner Zeit voraus, und nicht wenige stellten sich die Frage, ob denn so unsere Zukunft aussehen würde. 2010 folgte dann mit „Tron: Legacy“ die Fortsetzung, die zwar nur mäßig erfolgreich war, von Kritikern und Publikum aber dennoch für die Gestaltung und den Soundtrack gelobt wurde. Und jetzt folgt eben TRON: ARES.
Klar, TRON: ARES sieht bombastisch aus – das war es dann aber auch schon. Leider. Denn Regisseur Joachim Rønning und Drehbuchautor Jesse Wigutow konzentrieren sich einzig und allein auf die Schauwerte und vernachlässigen Story und Figurenzeichnung komplett. Die minimale Handlung schlängelt sich durch in Rot getauchte digitale Sets, in denen es einzig und allein um Verfolgungsjagden geht, die hier und dort durch Kämpfe unterbrochen werden. Das alles wirkt so seelenlos, dass man sich als Zuschauer bereits nach einer halben Stunde das Ende herbeisehnt.
Rønning verzichtet zudem beinahe komplett auf ruhige Szenen, in denen die Figuren einmal zur Ruhe kommen können. Damit fehlt ihnen der Raum zur Entwicklung, wodurch die Charaktere eindimensional bleiben. Gerade dem von Jared Leto gespielten Master Control Programm entgleitet damit die emotionale Grundlage, so dass sein Sinneswandel allenfalls als Andeutung wahrgenommen werden kann. Das ist verschenktes Potenzial im Übermaß.
Die treibenden Beats des Soundtracks, komplett komponiert und eingespielt von den „Nine Inch Nails“, passt zwar perfekt zum Film, durch ihn wirkt TRON: ARES aber auch wie ein überlanges Musikvideo. Als Krönung klaut der Film aber auch noch ungeniert bei Tarantinos „Kill Bill“, in dem er Jared Leto mit Jeff Bridges in einer Szene darüber philosophieren lässt, welchen Einfluss „Depeche Mode“ auf die Musikkultur der 1980er-Jahre gehabt haben.
Ich hätte TRON: ARES wirklich gerne gemocht. Science-Fiction ist normalerweise absolut mein Ding, aber hier fühlte ich mich wirklich 119 Minuten lang gelangweilt. Schade.
Tron: Ares (USA 2025)
119 Minuten
Science-Fiction / Action
Joachim Rønning
esse Wigutow
David DiGilio, Jesse Wigutow, basierend auf den Figuren von Steven Lisberger & Bonnie MacBird
Jeff Cronenweth
Jared Leto, Greta Lee, Evan Peters, Hasan Minhaj, Jodie Turner-Smith, Arturo Castro, Cameron Monaghan, Gillian Anderson, Jeff Bridges
Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH