Tove (NFL 2021)

FSK noch unbekannt OT: Tove (Finnland 2020)
Länge: 109 Minuten
Genre: Drama / Biographie
Regie: Zaida Bergroth
Drehbuch: Eeva Putro
Darsteller: Alma Pöysti, Krista Kosonen, Shanti Roney, Joanna Haartti, Robert Enckell, Kajsa Ernst
Verleih: Salzgeber & Co. Medien GmbH

Ihre gezeichneten Figuren, die Mumins, kennt vermutlich jeder. Doch wer war die Frau hinter den Comic-Strips? Dieser Frage versucht die finnische Regisseurin Zaida Bergroth in ihrem Film TOVE näherzukommen. 

Tove Jansson (Alma Pöysti) ist vermutlich die bekannteste Autorin und Zeichnerin Finnlands. Wir lernen sie kennen, als sie im Helsinki der Nachkriegszeit ihre erste eigene Wohnung bezieht – ohne Strom und mit zugigem Fenster. Doch die junge Frau befindet sich in einer Sinneskrise: Hin- und hergerissen zwischen ihrer Rolle als Geliebte des linken Politikers Atos (Shanti Roney) und der freizügigen Theaterregisseurin Vivica (Krista Kosonen), zu der sie sich mehr und mehr hingezogen fühlt, versucht sie sich als Malerin und politische Karikaturistin zu verwirklichen. Doch es sind ihre nebenbei gezeichneten Mumin-Geschichten über die Abenteuer der nilpferdartigen Trollwesen, mit denen sie reich und berühmt wird. 

Gleich zu Beginn tanzt Tove durch die Szenerie. Wild. Ungestüm. Ganz so, als könne ihr die Welt nichts anhaben. Wie authentisch diese Szene ist, sehen wir später im Abspann, als die Regisseurin Zaida Bergroth alte, private Filmaufnahmen einstreut. Die finnische Theaterschauspielerin Alma Pöysti ist in der Rolle der Alma eine wahre Offenbarung. Nicht nur, dass sie der echten Tove Janssen (1914-2001) verblüffend ähnlich sieht, nein sie füllt die Rolle mit so viel Herzblut, dass es eine Freude ist, ihr zuzusehen. 

Doch leider hat Bergroth ihren Film recht konventionell inszeniert. Stellenweise wirkt es wie ein simples Abhaken diverser Stationen. Natürlich darf der fast schon erwartbare Kommentar „Das ist keine Kunst“ zu ihren Mumins-Zeichnungen im Kunstunterricht nicht fehlen. Vielleicht ist aber auch das Leben der Künstlerin nicht so aufregend gewesen, als dass es sich händeringend als Biopic anbieten würde. Zwar war sie recht freizügig und in ihrer Bisexualität ihrer Zeit weit voraus, aber das macht nun mal noch keine gute Geschichte aus. Und so bleibt TOVE zwar ein durchaus sehenswerter Film, allerdings verschwindet er auch sehr schnell wieder aus dem Gedächtnis.

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