The Virtuoso

Kinostart: 26.08.2021

ab16 OT: The Virtuoso (USA 2021)
Länge: 110 Minuten
Genre: Thriller
Regie: Nick Stagliano
Drehbuch: James Wolf, Nick Stagliano
Darsteller: Anthony Hopkins, Anson Mount, Abbie Cornish, Eddie Marsan, David Morse, Richard Brake
Verleih: Kinostar Filmverleih GmbH

Auch für Regisseur Nick Stagliano ist der Neo-Noir-Thriller „Der eiskalte Engel“ (1967) von Jean-Pierre Melville offensichtlich das Maß aller Dinge. Der düstere, extrem stilisierte Film über einen von Alain Delon gespielten Auftragskiller, der an seinem Job verzweifelt, ist der Prototyp dieses Action-Genres. In Staglianos THE VIRTUOSO ist praktisch jede Szene eine Verbeugung vor diesem französischem Meisterwerk – doch das tut dem Film nicht gut: Auch eine Kopie sollte ein gewisses Qualitäts-Level haben. Aber THE VIRTUOSO fehlt alles! 

Der namenlose Virtuose (Anson Mount) ist seit Jahren ein erfolgreicher Auftragskiller – eiskalt, souverän und ohne Fehler. Bei seinem jüngsten Einsatz passiert ihm leider ein Missgeschick: Eine junge unbeteiligte Mutter kommt durch einen dummen Zufall ums Leben. Sein Auftraggeber und sogenannter „Mentor“ (der zweifache Oscar-Preisträger Anthony Hopkins, dessen Melodram THE FATHER auch heute anläuft) tut dies mit dem zynisches Begriff vom „Kollateralschaden“ ab – doch dem Virtuosen ist dies nicht genug. So übernimmt der von Selbstzweifeln geplagte Mann nur widerwillig einen neuen Job: Die von ihm zu tötende Person hält sich an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Zeit in einem abgelegenen Diner in der Provinz auf. Mehr weiß er nicht!

Was folgt, ist ein undurchsichtiges Puzzle aus den winterlichen Mittelgebirgen des US-amerikanischen Ostens. Wer ist das potenzielle Opfer: die schöne Kellnerin (Abbie Cornish), der stille Einzelgänger (Eddie Marsan), der lokale Deputy (David Morse) oder der draufgängerische Handsome Johnnie (Richard Brake)?

Dieser Verzicht auf Namen erinnert schon fast an Kafka – doch das rettet den Film nicht. Die gewollte Stilisierung ist in diesem Fall nur leere Behauptung. Stagliano schafft es nicht, seinen Thriller mit Leben zu füllen. „Blutarm“ ist in diesem Fall zugegeben ein Paradoxon, aber es trifft genau den Kern des Krimis. Hier ist alles Attitüde! Auch der große zehnminütige Monolog des Mentors auf dem Friedhof, in dem er dem Virtuosen erklärt, warum er mit dessen Vater befreundet war und warum er seinen jetzigen Beruf ausübt, verpufft völlig. Nur wegen dieser Szene hatte Anthony Hopkins die (Neben-)Rolle angenommen. Doch zu welchem Preis?

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