The Nest – Alles zu haben ist nicht genug

Kinostart: 08.07.2021

ab12 OT: The Nest (Großbritannien 2020)
Länge: 107 Minuten
Genre: Drama
Regie: Sean Durkin
Drehbuch: Sean Durkin
Darsteller: Jude Law, Carrie Coon, Charlie Shotwell, Oona Roche, Adeel Akhtar, Michael Culkin, Anne Reid
Verleih: Ascot Elite Filmverleih GmbH

Was konnte damals in der Reagan-Ära Mitte der 1980er-Jahre alles schiefgehen? Im zweiten Film „The Nest – Alles zu haben ist nicht genug“ des Kanadiers Sean Durkin, dessen brillantes Debüt „Martha Marcy May Marlene“ wir alle noch in guter Erinnerung haben, spielt Jude Law den von Ehrgeiz zerfressenen Unternehmer und ehemaligen Rohstoffmakler Rory O’Hara, der mit seiner Frau Allison (Carrie Coon) und seinen zwei Kindern in einer US-amerikanischen Vorstadt ein geruhsames, scheinbar sorgloses Leben führt. Doch der Schein trügt, Rory ist finanziell am Ende. Ihn zieht es 1986 wieder in seine alte Heimat England, und er überredet seinen alten Chef Arthur Davis (Michael Culkin), ihn in London wieder einzustellen. Völlig größenwahnsinnig pachtet er ein entlegenes, jahrhundertealtes, viel zu großes Landgut mit einer Wiese für Allisons geliebte Pferde. Seine Familie kann sich kaum mit dem zerfallenden Gebäude anfreunden, doch Rorys Enthusiasmus reisst alle mit. Noch!

Durkin hat sein mitreißendes Wirtschafts-Drama wie einen Psychothriller angelegt. Wir beobachten einen oberflächlichen Schaumschläger, dessen maßlose Gier ihn in den Abgrund stürzen lässt – und seine Familie bleibt dabei nicht verschont. Schlüsselszene des Films ist ein Empfang in London, bei dem Arthur Davis erklärt, warum Rory wieder für ihn arbeitet. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Allison geglaubt, ihr Mann ist auf Bitten Davis’ nach London zurückgekehrt – jetzt muss sie erfahren, dass Rory geradezu darum gebettelt hatte, zurückzukommen. Während des Monologs von Arthur Davis ist die Kamera minutenlang auf das Gesicht von Allison gerichtet. Man sieht, wir ihr Gesicht langsam in sich zusammenfällt und ihr entgleitet. Sie muss erkennen, dass ihr Mann sie seit Jahren gnadenlos belogen hat. Eine grandiose Leistung der leider kaum bekannten US-Amerikanerin Carrie Coon.

Schon allein wegen dieser Sequenz möchten wir „The Nest“ nicht missen. Der Film ist eine bitterböse Abrechnung über eine schreckliche Zeit, als Ronald Reagan und Margaret Thatcher das Sagen hatten.

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