The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart

Kinostart: 24.12.2020

ab6 OT: The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart (USA 2020)
Länge: 111 Minuten
Genre: Dokumentation
Regie: Frank Marshall
Drehbuch: Frank Marshall
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH
Veröffentlichung: 21.12.2020

Viele Pop- und Rock-Gruppen werden über Nacht berühmt und halten über Jahre ihr Top-Level, bis die Mitglieder das Ende der Band verkünden – bekannte Beispiele sind die „Beatles“ und „ABBA“. Wie der Zufall es will, dauerten beide Karrieren jeweils genau acht Jahre (1962-1970, beziehungsweise 1974-1982). Andere, wie die „Rolling Stones“, sind gefühlt immer schon da, ohne dass sie sich ständig genötigt fühlen, Neues zu bieten. 

Eine Gruppe sticht besonders hervor: Zweimal war die Band weltberühmt, und zweimal erfolgte ein brutaler Absturz. Natürlich ist die Rede von der britisch-australischen Band „The Bee Gees“. Was lag näher, als über die wechselhafte Geschichte der drei Brüder Barry, Maurice und Robin Gibb einen spannenden Dokumentarfilm zu drehen. Regisseur und Produzent Frank Marshall wühlte sich für „The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart“ durch Unmengen von Dokumentar-Material, um hinter das Geheimnis der Brüder und ihrer Musik zu gelangen. Herausgekommen ist eine visuelle und akustische Parforcejagd – von den Anfängen in den 1950er-Jahren bis zum Krebstod von Robin Gibb im Jahr 2012.

Marshall hatte das Glück, in Miami mit dem einzigen überlebenden Bruder, Barry Gibb (Jahrgang 1946), ein längeres Interview zu führen. Natürlich ist es seine Sicht der Dinge, die wir erfahren – die Brüder können nicht mehr reagieren. Der jüngste, Andy, der nur kurz offiziell zur Band gehörte, starb schon 1988 an einem durch Drogensucht hervorgerufenen Herzversagen, Maurice 2003 nach Komplikationen nach einer Darmoperation.

Barry und die (zweieiigen) Zwillinge Maurice und Robin (Jahrgang 1949) wurden auf der britischen Isle of Man geboren. Ihre musikalisch interessierten Eltern hatten Großes mit ihnen vor – die ersten Aufnahmen zeigen drei unbeschwerte Kinder bei frühen Auftritten. Ende der 1950er-Jahre wanderte die Familie nach Australien aus, und die Brüder wurden dort eine ziemlich populäre Teenie-Band. Nach ihrem ersten Hit „Spicks And Specks“ kehrte man nach England zurück – der Rest ist Geschichte. Robert Stigwood nahm die Brüder unter seine Fittiche und besorgte einen Gitarristen (Vince Melouney) und einen Schlagzeuger (Colin Petersen). Gleich die erste LP „Bee Gees’ First“ war ein voller Erfolg – einschließlich des genialen Songs „New York Mining Disaster 1941“. Die ungewöhnliche Mischung aus überladenem Schwulst, eingängiger Melodik und perfektem Harmoniegesang traf den Nerv der Zeit. Zu jedem der Songs gibt es reichlich visuelles Material – und das alles vor dem Videoclip-Zeitalter. Wer genau hinsieht, erkennt sogar Ausschnitte aus der Sendung „Beat-Club“ von Radio Bremen.

Doch nach vier LPs und vielen Hits war Schluss. Nach der – größenwahnsinnig als Doppelalbum veröffentlichten – LP „Odessa“ war 1969 die Luft raus. Robin verließ die Band, Barry und Maurice fielen in ein tiefes Loch. Hier setzen die Interviews mit ehemaligen Bandmitgliedern und Musikexperten wie Noel Gallagher und Chris Martin ein. Was genau ist damals passiert? Haben die Brüder den neuen Trend verschlafen? Nach Jahren des eher erfolglosen Dahinwurschstelns schlägt die große Stunde von Eric Clapton. Grinsend erzählt er von seiner Idee, die „Bee Gees“ nach Miami zu locken. Und genau dort entwickeln sie in einem Tonstudio mit einem neuen Schlagzeuger den Disco-Sound, der um die Welt gehen wird. Diese Entwicklung wird minutiös nachgezeichnet – ein Höhepunkt des Films. John Travolta und Barry Gibbs Falsett-Gesang – wer erinnert sich nicht?

Doch auch die Disco-Ära war irgendwann zu Ende – und die „Bee Gees“ standen wieder mal mit leeren Händen da. Und hier setzt mein einziger Kritikpunkt an. Wie sie aus der Nummer wieder herauskamen, und mit „You Win Again“ noch einen Megahit landeten, zeigt der Film nicht einmal in Ansätzen. Schade!

Frank Marshalls Film ist ehrlich genug, Zoff und Streitereien der Brüder nicht auszusparen. Am Ende blickt der über 70-Jährige Barry Gibb am Ufer seiner Florida-Villa auf ein bewegtes Leben zurück und fällt ein überraschendes Fazit: „Vielleicht waren wir doch nur eines der besten Songschreiber-Teams aller Zeiten?“ Nach mehr als 1000 Songs, 20 Nummer-Eins-Hits und 220 Millionen verkaufter Platten. Ein Dokumentarfilm – nicht nur für „Bee Gees“-Fans!

Streaming Premiere

Am 21. Dezember 2020 erscheint die Dokumentation „The Bee Gees: How can You Mend a Broken Heart“ als Streaming-Premiere auf allen gängigen Plattformen in Deutschland, darunter Amazon Prime, Apple TV, Google Play und Sky Store.

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