Bei manchen Remakes oder Fortsetzungen muss man sich unweigerlich fragen, ob der Humor heute überhaupt noch zeitgemäß ist. STROMBERG – WIEDER ALLES WIE IMMER geht da direkt auf Konfrontationskurs und macht die Frage gleich zur Handlung…
Zwanzig Jahre ist es her, als das Fernsehpublikum Deutschlands schlimmsten Chef Bernd Stromberg (Christoph Maria Herbst) kennenlernte. Und zehn Jahre nach dem letzten Kinofilm kommt nun das gesamte Team der Capitol Versicherung in einem TV-Special zusammen, um auf die wilde Zeit zurückzublicken – moderiert von Matthias Opdenhövel. In der Zwischenzeit hat sich einiges verändert. Berthold Heisterkamp (Bjarne Mädel), von allen immer nur „Ernie“ gennant, ist inzwischen Life-Coach, setzt sich gegen Mobbing ein und hat darüber sogar ein Buch geschrieben. Tanja (Diana Staehly) und Ulf Steinke (Oliver Wnuk) sind immer noch verheiratet und arbeiten bei der Capitol – allerdings hat es Tanja inzwischen zur Bereichsleiterin geschafft, während Ulf sich immer noch um dieselben Abläufe kümmert. Jennifer Schirrmann (Milena Dreissig) hingegen hat den Absprung geschafft und unterstützt inzwischen ihren Influencer-Freund Julian (László Branko Breiding) bei der Jagd nach immer mehr Followern. Und Bernd Stromberg? Der ist inzwischen bei einer Agentur gelandet, von der man gar nicht so recht weiß, was sie eigentlich macht – und noch viel weniger, welche Rolle Stromberg dort spielt.
Kurz vor der Aufzeichnung der Wiedersehensshow baut sich vor der Halle eine Gruppe Protestierender auf, die lauthals fordern, Stromberg und seinen sexistischen Sprüchen keine Bühne mehr zu bieten. Direkt daneben formiert sich eine Gruppe Hardcore-Fans in Form von Stromberg-Doppelgängern, die nahezu jeden Spruch der Serie nachplappern können. Und während Fans und Protestgruppen die TV-Aufzeichnung immer mehr verzögern, sind die einstigen Stars gezwungen, sich mit sich selbst und der Situation um sie herum auseinanderzusetzen. Dabei brechen immer mehr alte Wunden und Streitereien auf. Und die Show rückt mehr und mehr in die Ferne…
Ob „Die nackte Kanone“ oder „Das Kanu des Manitu“ – immer häufiger gab es in letzter Zeit Neuauflagen bekannter Filme, bei denen man sich unweigerlich die Frage stellte, ob sie überhaupt noch in die heutige Zeit passen. Dass man gewisse Gags heute nicht mehr bringen kann, ist ja schlichtweg der Tatsache geschuldet, dass wir versuchen, etwas respektvoller miteinander umzugehen (auch wenn das nicht in allen Bereichen des Lebens klappt). Ralf Hussmann, der sowohl das Drehbuch zu STROMBERG – WIEDER ALLES WIE IMMER geschrieben hat, als auch das der gesamten Serie, hat da eine ziemlich cleverere Idee aus dem Hut gezogen: Warum nicht genau dieses Thema aufgreifen und zum zentralen Handlungsstrang machen? Und so konfrontiert er das fiktive Ex-Team der Capitol Versicherung mit den Auswirkungen ihrer Sprüche und Handlungen. Während Stromberg zu Beginn gleich sagt, dass er „sich ja auch weiter entwickelt hat“, wird im Laufe der Handlung immer mehr klar, wie sehr es ihn schmerzt, die üblichen Sprüche herunterzuschlucken. Und wenn Berthold Heisterkamp wieder und wieder betont, dass ihn die Hänseleien nicht mehr stören, sieht man den Vulkan förmlich in seinem Gesicht brodeln.
Also haben Hussmann und Regisseur Arne Feldhusen alles richtig gemacht? Könnte man denken, wenn da nicht immer wieder diese kleinen Stiche von der Seite wären, die das Ganze „wir sind jetzt politisch korrekt“ konterkarieren und an der Glaubwürdigkeit kratzen. Auch das ewige Wiederholen von Gags – seien es die nervigen Doppelgänger oder Ernies Buch – machen STROMBERG – WIEDER ALLES WIE IMMER nicht unbedingt besser.
Enttäuscht sein werden aber auch die Stromberg-Fans, die die übliche Büro-Atmosphäre erwarten und damit ihr Sprüche-Repertoire für die nächste Arbeitswoche auffrischen möchten, denn STROMBERG – WIEDER ALLES WIE IMMER spielt tatsächlich zu 99 Prozent eben nicht im Büro. Das ist entweder gut oder schlecht – je nachdem, wen man fragt.
In der Summe kommt STROMBERG – WIEDER ALLES WIE IMMER mit einer verdammt guten Idee um die Ecke, nur die Umsetzung lässt noch genügend Luft nach oben. Ob der Film nun zu einer neuen TV-Staffel führt, wird sich vermutlich an den Kinokassen entscheiden. Christoph Maria Herbst hat schon mal angedeutet, der Idee nicht gänzlich abgeneigt zu sein…
Stromberg: Wieder alles wie immer (Deutschland 2025)
100 Minuten
Komödie
Arne Feldhusen
Ralf Husmann
Christoph Maria Herbst, Bjarne Mädel, Oliver Wnuk, Diana Staehly, Milena Dreissig, László Branko Breiding, Matthias Opdenhövel
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