Stillwater – Gegen jeden Verdacht

Kinostart: 09.09.2021

ab12 OT: Stillwater (USA 2021)
Länge: 140 Minuten
Genre: Drama
Regie: Tom McCarthy
Drehbuch: Tom McCarthy, Thomas Bidegain
Darsteller: Matt Damon, Abigail Breslin, Camille Cottin, Lilou Siauvaud, Idir Azougli
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH

Einen realen Mordfall als Vorlage für einen spektakulären Action-Thriller zu nehmen und ihn so ganz anders sich entwickeln zu lassen, kann heikel werden. Doch Regisseur Tom McCarthy umschifft mit STILLWATER – GEGEN JEDEN VERDACHT alle Gefahren – der Film geht wegen seiner Intensität wohl jedem Zuschauer an die Nieren. Natürlich denken wir sofort an den sogenannten „Perugia-Mord“ von 2007, bei dem die US-Amerikanerin Amanda Knox (bekannt als „Der Engel mit den Eisaugen“) für die Tötung von Meredith Kercher zunächst 26 Jahre Haft erhielt, vier Jahre im Gefängnis saß und dann doch freigesprochen wurde.

McCarthy nutzt diesen Fall, um das Psychogramm eines Losers zu zeigen, der nirgendwo zu Hause ist – weder im heimischen Stillwater noch im fremden Marseille. Kein Geringerer als Matt Damon spielt diesen leicht unterbelichteten Südstaatler, einen maulfaulen, unterwürfigen Redneck, der ständig nur „Yes, Mam“ und „Yes, Sir“ sagt. Der Bohrarbeiter Bill Baker (Damon) aus dem potthässlichen Oklahoma-Kaff Stillwater hat seinen Job verloren und verdingt sich mehr schlecht als recht bei einer Entrümpelungsfirma. Er braucht dringend Geld für seine nächste Reise ins südfranzösische Marseille, wo seine Tochter Allison (Abigail Breslin) seit fünf Jahren wegen Mordes im Gefängnis sitzt. Sie hatte angeblich einem zwielichtigen Mann den Auftrag erteilt, ihre Freundin umzubringen, was sie vehement bestreitet. Aber dieser Mann ist seit fünf Jahren unauffindbar.

Im Hotel freundet sich Bill mit dem kleinen Mädchen Maya (Lilou Siauvaud) und seiner Mutter Virginie (Camille Cottin) an, die ihm bei den notwenigen Übersetzungen hilft. Mit Englisch kommt man nämlich in Marseille nicht weit. Maya entwickelt Zutrauen zu dem wortkargen Ami, und zwischen Virginie und Bill bahnt sich eine zarte Romanze an. Als Bill den wichtigen Zeugen tatsächlich findet, glaubt Allison an ihre Rettung. Doch die amerikanisch-französische Idylle ist jäh beendet, denn Bill lässt sich zu einer Verzweiflungstat hinreißen.

Eines muss man STILLWATER – GEGEN JEDEN VERDACHT vorwerfen: Mit seinen 140 Minuten ist er einfach zu lang. Und die Pointe – es geht um eine Halskette – ist ein Clou mit sehr langem Anlauf. Doch die Atmosphäre stimmt, Marseille kommt gut rüber, der Film überzeugt auch visuell. Die eigentliche Sensation ist aber Matt Damon: Diese Rolle als unsympathische Dumpfbacke hatte ihm wohl niemand zugetraut. Nur Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“) ist etwas unterfordert. Gutes Action-Kino mit psychologischem Unterton ist eher selten. Seien wir dankbar!

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