Sommer 85

Kinostart: 08.07.2021

ab12 OT: Été 85 (Frankreich 2021)
Länge: 101 Minuten
Genre: Drama
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon, nach dem Roman "Tanz auf meinem Grab" von Aidan Chambers
Darsteller: Félix Lefebvre, Benjamin Voisin, Philippine Velge, Valeria Bruni-Tedeschi, Melvil Poupaud, Isabelle Nanty, Laurent Fernandez, Aurore Broutin, Yoann Zimmer, Bruno Lochet, Antoine Simony
Verleih: Wild Bunch Germany GmbH

Den britischen Roman „Tanz auf meinem Grab“ von Aidan Chambers wollte der französische Regisseur François Ozon („8 Frauen“, „Frantz“) schon sein Leben lang verfilmen. Nach 35 Jahren hat es jetzt endlich geklappt. Die Handlung verlegte er von der englischen Südküste in die Normandie – also praktisch gegenüber. Im malerischen Ort Le Treport entwickelt sich eine romantische Sommerliebe zwischen zwei männlichen Teenagern. 

1985: Der 16-jährige Alexis (Félix Lefebvre) verbringt mit seinen Eltern einen unbeschwerten Sommer an der See. Von einem Freund leiht er sich dessen Segeljolle aus. Er döst ein, und eine plötzliche Bö lässt das Boot kentern. Im richtigen Moment kommt der 18-jährige David (Benjamin Voisin) mit seiner Yacht vorbei und rettet Alexis. Er nimmt den Erschöpften mit nach Hause, wo dessen resolute Mutter (Valeria Bruni-Tedeschi) ihn in die Badewanne steckt – nicht ohne zuvor seine Anatomie zu bewundern. Die beiden Jungen kommen sich näher, verlieben sich und schlafen miteinander. Davids Mutter scheint nichts dagegen zu haben.

Ozon erzählt diese Sommerliebe als Rückblende – denn bald wird klar: Einer der Jungen hat diesen Sommer nicht überlebt, und der andere landet vor Gericht. Was genau passiert ist, bleibt lange im Dunkeln – doch Ozon benutzt nur Suspense-Motive, ohne einen Thriller zu drehen. Seine Handschrift ist von Anfang an zu spüren. Manche Filmexperten halten ihn ja für eine Wiedergeburt von François Truffaut – nicht zu Unrecht. Ozon hat einen federleichten Film mit ernsten Zwischentönen gedreht: zart, poetisch und tieftraurig. Ein passender Film für das Jahr 2021: Wann ist die Pandemie endlich zu Ende? 

Trailer

Comments Closed

Kommentare sind geschlossen.

Filmplakat

Neustarts am 08.07.2021

Und täglich grüßt die Liebe

Wieder einmal kommt mit UND TÄGLICH GRÜSST DIE LIEBE ein Groundhog-Day-Film um die Ecke. Was damit gemeint ist? Nun, zuerst einmal hat der Film „Und täglich grüßt das Murmeltier“ (im Original „Groundhog Day“) das Genre eingeläutet, in dem die Protagonisten einen Tag immer und immer wieder aufs Neue erleben, verdammt dazu, irgendetwas in ihrem Leben Weiterlesen

Das Mädchen und die Spinne

Die Schweizer Zwillinge Ramon und Silvan Zürcher lieben die Reduktion. 2013 feierte das Paar mit „Das merkwürdige Kätzchen“ einen großen Erfolg bei der Berlinale – jetzt haben die Brüder mit „Das Mädchen und die Spinne“ den zweiten Tel ihrer Trilogie über menschliches Zusammensein vorgelegt.

Black Widow

Lange hat es gedauert, bis Scarlett Johanssons BLACK WIDOW ihren eigenen Kinofilm bekommen hat. Während Captain America, Iron Man, Hulk und Thor bereits mehrfach in ihren eigenen Marvel-Abenteuern antreten durften, war dies der schwarzen Witwe bislang nicht vergönnt. Um so schöner ist es, dass ihr Film jetzt auf ganzer Linie überzeugen kann.  

Die Croods – Alles auf Anfang

Acht Jahre nach dem Überraschungshit DIE CROODS kehren wir in dien Steinzeit zurück, doch vom Charme des Originals ist leider überhaupt nichts geblieben. Ob es daran liegt, dass es den Verleih 20th Century Fox nicht mehr gibt und Dreamworks seine Filme inzwischen über Universal Pictures vertreibt?

The Little Things

Bei der Polizeiarbeit sind „die kleinen Dinge“ wichtig – das will uns der Thriller „The Little Things“ vermitteln. Nach seinem eigenen, fast 30 Jahre alten Drehbuch hat Regisseur John Lee Hancock einen Film ganz im Stil von David Finchers „Sieben“ gedreht: einer Mischung aus Buddy-Movie und Serienkiller-Drama.

The Nest – Alles zu haben ist nicht genug

Was konnte damals in der Reagan-Ära Mitte der 1980er-Jahre alles schiefgehen? Im zweiten Film „The Nest – Alles zu haben ist nicht genug“ des Kanadiers Sean Durkin, dessen brillantes Debüt „Martha Marcy May Marlene“ wir alle noch in guter Erinnerung haben, spielt Jude Law den von Ehrgeiz zerfressenen Unternehmer und ehemaligen Rohstoffmakler Rory O’Hara, der Weiterlesen

Bad Luck Banging or Loony Porn

Was ist bei der diesjährigen Berlinale-Jury schief gelaufen, ausgerechnet dem rumänischen Film „Bad Luck Banging or Loony Porn“ von Radu Jude den Goldenen Bären zu verleihen? Radu Jude liebt das sperrige Kino – er will provozieren.