Small World

Kinostart: 16.09.2021

FSK noch unbekannt OT: Small World (Polen 2021)
Länge: 117 Minuten
Genre: Thriller
Regie: Patryk Vega
Drehbuch: Olaf Olszewski, Patryk Vega
Darsteller: Piotr Adamczyk, Enrique Arce, Jim Conway, Andris Keiss, Julia Wieniawa-Narkiewicz, Aleksey Serebryakov, Piotr Stramowski, Sally Day, Katie Glaister, Anastasiya Mikulchina, Montserrat Roig de Puig, Julia Wieniawa-Narkiewicz, Jessica Sara Witenko, Marieta Zukowska
Verleih: Kinostar Filmverleih GmbH

Mit seinem Film SMALL WORLD möchte der polnische Regisseur Patryk Vega für einen „Aufschrei“ sorgen. Das gelingt ihm durchaus, allein schon weil es hier um den weltweiten Kinderhandel geht. Doch leider verzettelt er sich irgendwann so dermaßen, dass es beinahe schon ärgerlich wird. 

In Polen wird die vierjährige Ola entführt. Schnell findet die Mutter heraus, dass die russische Mafia dahintersteckt, wird jedoch bei der Verfolgung ihrer Tochter vom Polizisten Robert Goc (Piotr Adamczyk) angehalten. Da die Entführer entkommen können, fühlt sich Goc schuldig und macht sich fortan auf die Suche nach dem Mädchen. 

Zeitsprung. Etliche Jahre später führt plötzlich eine Spur nach Russland, als dort ein Pädophiler enttarnt wird, der mit fünf Mädchen zusammenlebt. Doch Goc kommt wieder zu spät; der Mann verkauft die Kinder an eine kriminelle Gruppe aus Moldawien. 

Erneuter Zeitsprung. Nach diversen Jahren führt ein totes Mädchen Robert Goc nach Großbritannien. Dort findet er einen Fotografen und ein geheimnisvolles junges Mädchen namens Candy, die ihm unverhohlen ihre sexuellen Dienste anbietet. Noch bevor er herausfinden kann, dass Candy in Wahrheit die gesuchte Ola ist, entkommt das Mädchen, und der Fotograf wird mit Hilfe einer einflussreichen Künstlerin freigelassen. 

Noch ein Zeitsprung. Dieses Mal findet Robert das Mädchen in Thailand, wo es ein Verhältnis mit dem Mann hat, der es in Großbritannien gekauft hat. Allerdings will Ola nicht zurück in ihre Heimat, doch das ändert sich, als sie schwanger wird und sich weigert, das Kind abzutreiben. Endlich gelingt es Robert, Ola zu ihrer Mutter zurückzubringen. Doch für ihn ist das Thema damit noch nicht abgeschlossen: Er schwört auf Rache…

Dass das Thema ein ernstes ist, darüber brauchen wir sicherlich nicht zu diskutieren. Regisseur Patryk Vega zeigt uns deutlich, wie weit das Netzwerk der Kinderhändler weltweit reicht und warum eine Spur verdammt schnell wieder kalt werden kann. Das erschüttert, und wer dabei im Kinosaal ruhig auf seinem Platz sitzen bleibt, ist sicherlich in der Minderheit. Je weiter der Film jedoch fortschreitet, desto mehr verliert sich Vega in seiner Geschichte. Dass der Polizist vielleicht selbst pädophil sein könnte, wie es ihm seine Gegner immer wieder versuchen weiszumachen, ist ein vollkommen unnötiges Handlungselement. Immerhin kann man dem Film positiv vorhalten, die Gewalt an den Kindern niemals zu zeigen. Einige Aussagen, die von den Kinderschändern getätigt werden, stoßen aber dennoch extrem hart auf und sorgen für reichlich Unwohlsein beim Zuschauer.

Wenn der Polizist dann aber noch wie ein Amokläufer die Teilnehmer einer bizarren Maskerade erschießt, bei der kleine Kinder für okkulte Rituale benutzt werden, dann hat der Regisseur den Bogen endgültig überspannt. Das ist verdammt schade, denn die Eindringlichkeit des eigentlichen Themas hat diese Brutalität überhaupt nicht verdient. Dies hätte ein wichtiger Film gegen den weltweiten Kinderhandel werden können, ja vielleicht sogar ein Aufschrei, aber leider arbeitet der Regisseur an seinem wichtigen Thema komplett vorbei. Was bleibt ist ein schockierter Zuschauer, dem es sicherlich schwerfällt, das gerade Gesehene irgendwie einzuordnen. 

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