Für diese Art Kino gibt es in der deutschen Sprache einen wunderbaren Begriff: „kauzig!“ Mit seiner mehr als skurrilen Komödie SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN begeisterte Regisseur Julian Radlmaier das Publikum beim Filmfest Hamburg. Leider nicht mich!
Der Film spielt im südlichen Harzvorland in Sangerhausen, Kreisstadt des Landkreises Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt und ist in vier Abschnitte eingeteilt. Und es geht jedes Mal um einen blauen Stein…
Zu Beginn reibt sich der Zuschauer verdutzt die Augen: Bin ich aus Versehen auf der Freilichtbühne einer Laientheatergruppe gelandet? In den 1790er-Jahren arbeitet die junge Lotte (Paula Schindler) als Dienerin auf einem Schloss und muss unter anderem die Exkremente des Dichters Novalis entsorgen. Als sie heimlich in den Aufzeichnungen von Novalis liest und eine „Blaue Blume“ beschrieben findet, denkt sie tiefer über ihr Leben nach. Kurz darauf findet sie einen blauen Stein und verliebt sich in einen Steineschlucker, der sich für die Französische Revolution begeistert…
Dann springt der Film in die Gegenwart, und wir lernen Ursula (Clara Schwinning) kennen. Um sich über Wasser zu halten, putzt sie morgens in einem Möbelfachgeschäft und serviert danach in einem Café Rosentorten an mitunter unverschämte Touristen. Sie freundet sich mit der Folklore-Musikerin Zulima (Henriette Confurius) an, der sie einen blauen Stein schenkt – den diese aber achtlos wegwirft…
Im dritten Teil treffen wir auf Neda (Maral Keshavarz), eine iranische Youtuberin mit gebrochenem Arm, die nach Deutschland geflohen ist und als Travel-Influencerin für Billigreiseziele in Deutschland arbeitet. Zufällig begegnet sie ihrer alten iranischen Bekannten Marjam (Ghazal Shojaei), die inzwischen als Straßenkehrerin in Sangerhausen lebt. Was nun folgt, ist ein (gefühlt) zehn Minuten langer Dialog auf Farsi. Absurder geht’s kaum! Später kommt Neda mit dem mongolisch-stämmigen Fremdenführer Sung-Nam (Kyung-Taek Lie) ins Gespräch, der Sehenswürdigkeiten der Region in einem Autobus zeigen möchte.
Im vierten Teil schließt sich dann der Kreis – und alle Episoden vereinen sich auf vertrackte Weise. Plötzlich erscheint der Geist von Lotte, die sich als Vorfahrin von Ursula entpuppt. Das letzte „Wort“ hat der blaue Stein…
SEHNSUCHT IN SANGERHAUSEN ist ein Sammelsurium durchgeknallter Episoden, die – seien wir ehrlich – niemanden interessieren. Auch wer diese Art verstaubten deutschen Humors aus der Provinz mag, tut sich hier schwer. Immerhin: Bei der Vorführung im Hamburger Passage-Kino war auf der Bühne kein Platz mehr frei: Fast alle Darsteller und Crewmitglieder waren da!
Sehnsucht in Sangerhausen (Deutschland 2025)
90 Minuten
Tragikomödie
Julian Radlmaier
Julian Radlmaier
Faraz Fesharaki
Clara Schwinning, Maral Keshavarz, Paula Schindler, Henriette Confurius, Ghazal Shojaei, Kyung-Taek Lie, Buksori Lie, Jérémie Galiana, Marlene Hauser, Luise von Stein, Andreas Döhler, Leonard Scheicher, Jakob Schmidt, Valerie Neuenfels
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