Reflection In a Dead Diamond

09.10.2025

Ein alter Mann am Strand beobachtet eine junge Frau auf einer Liege, sprudelnde Kohlensäure in einem Glas, ein Meer aus kleinen, glitzernden Diamanten – mit diesen Momentaufnahmen beginnt einer der ungewöhnlichsten Filme des Jahres. Der Agententhriller REFLECTION IN A DEAD DIAMOND von Hélène Cattet und Bruno Forzani evoziert auf faszinierende Weise eines der wichtigsten Genres der 1960er- und 1970er-Jahre: den italienischen „Giallo“.

Das Wort „giallo“ (Italienisch: gelb) bezog sich ursprünglich auf den gelben Einband der einheimischen Krimi-Groschenromane. Das daraus entwickelte Film-Genre – mit den Hauptvertretern Mario Bava und Dario Argento – zeichnete sich vor allem durch seine aggressive, blutige Ästhetik aus. Die französischen Regisseure Hélène Cattet & Bruno Forzani, die auch für das Drehbuch zuständig waren, haben dieses Genre mit einem raffinierten Ansatz auf eine Metaebene gehoben – als ob Nouvelle-Vague-Altmeister Jean-Luc Godard (gestorben 2022) seine Hand mit im Spiel gehabt hätte. Der hatte zu Beginn seiner Karriere gleich mehrere Genres auf ganz eigene Weise hinterfragt: das Musical („Eine Frau ist eine Frau“), das Melodram („Die Verachtung“), den Science-Fiction-Film („Alphaville“) und eben auch den Actionthriller („Außer Atem“, „Pierrot le fou“).

REFLECTION IN A DEAD DIAMOND ist inszeniert wie ein filmisches Puzzle, bevölkert von archetypischen Gestalten. Wir sind gefordert, diese Puzzleteile, die wie surrealistische Albträume an unserem innerenn Auge vorbeifliegen, im Kopf zusammenzusetzen. Der alte Mann in den 70ern, John Diman (Fabio Testi), sitzt zu Beginn vor seinem Hotel an der Côte d’Azur und macht sich Gedanken um einen Hotelgast, der spurlos verschwunden ist. Da setzen seine Erinnerungen ein. Vor Jahrzehnten war John (jetzt: Yannick Renier) ein erfolgreicher Geheimagent. Damals wurde seine Partnerin (Céline Camara) vom Maler Markus Strand (Koen De Bouw), den er eigentlich beschützen sollte, getötet. Und welche Rollen spielen die mörderische, ganz in schwarzes Leder gekleidete Diebin Serpentik (Thi Mai Nguyen) und eine geheimnisvolle Schöne (Maria de Medeiros)?

Wir Zuschauer tauchen hier ein in eine Welt der Träume, in der die Logik außer Kraft gesetzt ist. Und diesem Sog kann sich niemand entziehen. Als dann auch noch die Arie „Ebben? N‘andrò lontana“ aus der Oper „La Wally“ von Alfredo Catalani erklingt, entdecken wir einen weiteren Bezugspunkt: „Diva“ (1981) von Jean-Jacques Beineix, ein Meilenstein der filmischen Postmoderne.

REFLECTION IN A DEAD DIAMOND ist ein Fest für Cineasten! Doch wer einfach nur Spaß im Kino haben will, ist hier genau richtig. Mit allen Sinnen genießen!

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab16

Originaltitel

Reflection In a Dead Diamond (Italien / Luxemburg / Belgien / Frankreich 2025)

Länge

91 Minuten

Genre

Action / Thriller

Regie

Hélène Cattet, Bruno Forzani

Drehbuch

Hélène Cattet, Bruno Forzani

Kamera / Bildgestaltung

Manu Dacosse

Darsteller

Fabio Testi, Yannick Renier, Koen De Bouw, Thi May Nguyen, Maria de Medeiros, Céline Camara, Kezia Quental, Sylvia Camarda, Sophie Mousel, Hervé Sogne, Manon Bleuchot

Verleih

Plaion Pictures GmbH

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