Proxima – Die Astronautin

Kinostart: 24.06.2021

ab6 OT: Proxima (Frankreich / Deutschland 2019)
Länge: 107 Minuten
Genre: Drama
Regie: Alice Winocour
Drehbuch: Alice Winocour, Jean-Stéphane Bron
Darsteller: Eva Green, Zélie Boulant-Lemesle, Lars Eidinger, Matt Dillon, Sandra Hüller, Aleksey Fateev
Verleih: Koch Films GmbH

Wie schafft man es, als alleinerziehende Mutter einer jungen Tochter Beruf und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen? Für dieses allzu menschliche Problem findet die französische Regisseurin Alice Winocour in „Proxima – Die Astronautin“ ein eindringliches Beispiel. Die ehrgeizige Französin Sarah Loreau (Eva Green) hat sich gegen unzählige Mitbewerber durchgesetzt, um bei der Weltraummission „Proxima“ dabei sein zu dürfen – als erste Frau auf dem Weg zum Mars. Im ESA-Trainingszentrum in Köln unterzieht sie sich einem mörderischen Programm, wobei sie ihrem Körper unglaubliche Strapazen zumutet. Immer wieder stellt sie sich die Frage: Warum tue ich das mir und meiner Tochter Stella (Zélie Boulant-Lemesle) an? Darf ich sie allein zurücklassen, ohne zu wissen, ob wir uns je wiedersehen? Notgedrungen überlässt sie Stella deren Vater und Sarahs Ex-Freund Thomas (Lars Eidinger), Astrophysiker in Darmstadt.

In Köln lernt Sarah den US-Astronauten Mike (Matt Dillon) kennen, der sie arrogant abblitzen lässt – im Kosmonauten-Zentrum Star City bei Moskau später auch noch den Russen Anton (Aleksey Fateev), den Dritten bei der Mission. Die Psychologin Wendy Hauer (Sandra Hüller) versucht derweil, Stella auf die schmerzliche Trennung vorzubereiten. Als dann endlich im kasachischen Baikonur die Rakete abhebt, hockt Stella Huckepack auf den Schultern ihres Vaters und winkt ihrer Mutter zu. So viel Feel-Good-Stimmung kann auch nach hinten losgehen.

Eva Green spielt sich körperlich die Seele aus dem Leib – doch sie kann den entscheidenden Fehler des Films nicht überdecken. Die eigentliche Problematik wird nie durchdiskutiert: Sarah ist von Anfang an zur Mars-Mission bereit – ohne ihre Beziehung zu Stella ernsthaft zu hinterfragen. Lars Eidinger, Matt Dillon und Sandra Hüller liefern schablonenhafte Figuren ab – vor allem Dillon spielt mit angezogener Handbremse. Dass am Ende die beiden Machos im Raumschiff ihre Kollegin akzeptieren, wirft nur ein fragwürdiges Licht auf den nicht überzeugenden Film. Beim Abspann gönnt uns Alice Winocour eine Spur von Sozialkitsch: Man sieht eine schier endlose Reihe von Fotografien von Astronautinnen und Kosmonautinnen, die in den vergangenen Jahrzehnten als junge Mütter heil und erfolgreich zur Erde zurückgekehrt sind.

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Filmplakat

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