Obsession

Du sollst mich lieben

25.06.2026

„Sei vorsichtig, wen du dir wünscht…“ steht auf dem deutschen Kinoplakat zu OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN. Richtiger wäre „was“ statt „wen“. Curry Barker, ein Part des YouTube-Comedy-Duos „That’s a Bad Idea“ (zusammen mit seinem Nebendarsteller Cooper Tomlinson), liefert mit diesem Horrorfilm sein Kino-Regiedebüt – und beweist eindrücklich, dass YouTuber in diesem Genre gerade die Akzente setzen (siehe auch „Backrooms“ von Kane Parsons, der letzte Woche in Deutschland gestartet ist).

Der hoffnungslose Romantiker Bear (Michael Johnston) arbeitet in einem Musikgeschäft und ist über beide Ohren in seine Kollegin Nikki (Inde Navarrette) verliebt. Natürlich traut er sich nicht, ihr das zu gestehen. Sein bester Kumpel und Arbeitskollege Ian (Cooper Tomlinson) versucht, ihn mit Rat und Tat zu unterstützen. Das kann Bear nach dem plötzlichen Tod seiner geliebten Katze auch mehr als gebrauchen. In einem Kuriositäten-Shop findet Bear schließlich einen sog. „One-Wish-Willow”, den er einsetzt, nachdem er seine Angebetete am Ende einer Partynacht mit dem Auto nach Hause gebracht hat. Er zerbricht also die Wunschrute und spricht aus: „Nikki soll nichts mehr lieben auf der Welt als mich.“ Kurz bevor sie ihre Wohnung betritt, kommt Nikki also zum Auto zurück – und ist auf einmal total in Bear verschossen.

Was gleich auffällt: Filmemacher Curry Barker arbeitet mit langen Passagen ohne Schnitt oder Detailaufnahmen. Die Heimbringszene ist unheimlich intensiv und gibt bereits den Ton für OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN vor. Inde Navarrette (Fernsehserie „Tote Mädchen lügen nicht“) als Nikki und Michael Johnston (Fernsehserie „Teen Wolf“) als Bear zeigen hier schon ihr ganzes schauspielerisches Können, das wirklich ungewöhnlich ist für einen Horrorstreifen. Und Barker perfektioniert seinen Trademark-Move – extrem lange Einstellungen und Szenen. Das kommt gut an und wirkt nach!

Im Laufe der Jahre hat Barker herausgefunden, wie er die Kamera am liebsten einsetzt, um seine Geschichten wirkungsvoll zu erzählen:

Ich schneide nur, wenn es unbedingt nötig ist, und mag es nicht, zusätzliche Detaileinstellungen einzubauen. Es gibt nur einen Grund, warum ich einen Zwischenschnitt einfügen würde: Wenn eine Figur etwas betrachtet. Der gesamte Film ist aus der Perspektive von Bear erzählt.

Curry Barker

Was zunächst als Erfüllung eines Herzenswunsches anmutet, entwickelt sich schnell zu etwas Dunklem und Unheimlichem. Nikki verhält sich wirklich seltsam. Vor allem mag sie nicht alleine zu Hause bleiben. Wir sehen für uns Zuschauende schmerzhafte Einstellungen, in denen Nikki erstarrt und einnässt.

Mit OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN wollte ich eine Geschichte darüber erzählen, bis zu welchem Punkt die Besessenheit einer Person gegenüber einer anderen gehen kann. Ab wann ist das, was wir Liebe nennen, keine Liebe mehr? Und abgesehen davon: Was bedeutet das Wort „Liebe“ überhaupt?

Curry Barker, der nicht nur Regie geführt sondern auch das Drehbuch geschrieben hat

Durch eine Episode von „Die Simpsons“, die Barker als Inspiration diente, rückte diese Idee noch stärker in den Fokus: Darin kauft Bart eine Affenpfote, die Wünsche erfüllen kann – und richtet damit in der ganzen Stadt Unheil an. „Diese Kombination aus Besessenheit und einem Gegenstand, der Wünsche erfüllt, brachte mich auf die Idee für die Geschichte.“ Und Nikki ist wirklich besessen von Bear. So richtig freuen kann er sich also nicht. Vor allem: Ist das überhaupt noch Nikki? Sie ist schon ziemlich besitzergreifend: Während Bear versucht, zu schlafen, steht Nikki an der Wand und beobachtet ihn. Auch Kumpel Ian und seine Bekannte Sarah (Megan Lawless) bemerken die Verhaltensauffälligkeiten von Nikki.

Curry Barker stand erstmals als Teil eines Comedy-Duos im Rampenlicht. An seiner Seite: Cooper Tomlinson, einer seiner Stars aus OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN. Unter dem Namen „That’s a Bad Idea“ eroberte sich das Duo mit auf YouTube veröffentlichten Sketchen eine treue Fangemeinde. Vor einigen Jahren nahm Barkers Karriere dank des erfolgreichen Doppelschlags aus „The Chair“ und „Milk & Serial“ eine neue Wendung. Zunächst erzielte der von Barker inszenierte Kurzfilm „The Chair“ mehr als neun Millionen Aufrufe auf YouTube. Der Found-Footage-Horrorthriller „Milk & Serial“, bei dem Barker Regie führte und selbst mitspielte und Tomlinson die Hauptrolle übernahm, folgte wenig später. Auch dieser Film entwickelte sich zum viralen Hit und hinterließ großen Eindruck in Hollywood.

Das geflügelte Wort „be careful what you wish for“ wird in OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN geschickt in Szene gesetzt. Als seine Bekannte Sarah sich Bear annähert, weil sie wohl mehr für ihn empfindet, greift Nikki beherzt durch und setzt damit schaurige Horrorakzente. Hammerhart! Die Jump-Scares sitzen bei Barker, weil er sie effektiv und vor allem durchaus überraschend einsetzt. Was kann Bear also unternehmen, um die wirkliche Nikki unter dem selbst kreierten Monster wieder zum Vorschein zu bringen? Denn die Fixierung auf Bear nimmt wirklich grausame Züge an. Lässt sich der verstörende Albtraum irgendwie umkehren?

Curry Barker schafft es in OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN, eine seltsame, unangenehme Atmosphäre zu erzeugen, was auch daran liegt, wie er zusammen mit Kameramann Taylor Clemons („Forbidden Fruit“) Räume und Unschärfe nutzt. Die beiden sind definitiv eine Klasse für sich! Doch auch die Filmmusik von Rock Burwell („Clawfoot“), dem Sohn von Carter Burwell, unterstützt den fiesen Grundton dieses Psycho-Horrorfilms. Und Inde Navarrette ist wirklich eine absolute Schauspiel-Entdeckung: Sie jagt uns einen Schauer nach dem anderen über den Rücken – allein durch ihr eindrückliches Spiel: von manisch bis hin zu überfordert.

OBSESSION – DU SOLLST MICH LIEBEN feierte 2025 auf dem Toronto International Film Festival Premiere und war dort in der Sektion „Midnight Madness“ nominiert. Weiterhin wurde der Film 2025 beim Sitges Film Festival im Rahmen der „Official Fantastic Competition“ mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. Und hierzulande lief der Horrorstreifen beim Fantasy Filmfest im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights. Den Produktionskosten in Höhe von 750.000 US-Dollar stehen mittlerweile weltweite Einnahmen aus Kinovorführungen von 287,2 Millionen US-Dollar gegenüber. Ein echter Indie-Horror-Hit also! So etwas gelang bisher nur dem Found-Footage-Knüller „The Blair Witch Project“ Ende der 1990er.

Trailer

ab16

Originaltitel

Obsession (USA 2026)

Länge

109 Minuten

Genre

Horror

Regie

Curry Barker

Drehbuch

Curry Barker

Kamera / Bildgestaltung

Tylor Clemems

Darsteller

Michael Johnston, Inde Navarrette, Cooper Tomlinson, Megan Lawless, Haley Fitzgerald, Darin Toonder, Andy Richter, Anthony Pavone, Chloe Breen

Verleih

Universal Pictures International Germany GmbH

Filmwebsite

» zur Filmwebsite

Weitere Neustarts am 25.06.2026