Nur für einen Tag

02.10.2025

Die Filmfestspiele von Cannes mit einem Spielfilmdebüt zu eröffnen – so geschehen am 13. Mai -, war sicherlich eine Überraschung. Im Nachhinein war es wohl nicht die beste Wahl. Jetzt kommt die melancholische Komödie NUR FÜR EINEN TAG von Amélie Bonnin auch in unsere Kinos.

Der deutsche Titel führt in die Irre, denn der Verleih hat bei der Übersetzung ein entscheidendes Wort des französischen Originals weggelassen: „weggehen“. Denn genau darum geht es: Eine Frau verlässt Paris – angeblich nur für einen Tag.

Cécile (Juliette Armanet) hat durch ihren Sieg bei der Reality-Kochshow „Top Chef“ frankreichweite Bekanntheit erlangt. Jetzt wollen sie und ihr Lebensgefährte Sofiane (Tewfik Jallab) ein eigenes Gourmetrestaurant in Paris eröffnen – schon in zwei Wochen. Was fehlt, ist ein sogenanntes „Signature Dish“, eine besondere kulinarische Kreation als Alleinstellungsmerkmal, um potenzielle Kunden anzulocken.

Da erreicht Cécile eine Nachricht vom dritten Herzinfarkt ihres Vaters Gérard (François Rollin). Kurz entschlossen reist sie zurück in das verschlafene Provinznest ihrer Kindheit. Dort betreiben ihre Eltern direkt an der Schnellstraße eine Fernfahrerkneipe nebst Hotel. Die kulinarische Auswahl ist da wohl eher bescheiden. Am Trucker-Imbiss angekommen, muss Cécile feststellen, dass sich ihr Vater selbst aus dem Krankenhaus entlassen hat und schon wieder in der Küche steht, während ihre Mutter FanFan (Dominique Blanc) den Rest zu managen versucht.

Also heißt es für die Tochter wohl oder übel: mit anpacken. Paris kann warten. Zu allem Überfluss ist sie schwanger, was sie erst kurz vor der Abfahrt auf der Toilette diagnostiziert hatte. Zu dumm: Weder sie noch ihr Freund wollen ein Kind. Und dann macht sich ihre Jugendliebe Raphaël (Bastien Bouillon) an sie ran und lädt sie zu einem Besäufnis mit alten Freunden ein. Schließlich taucht auch noch Sofiane auf. Das Chaos ist perfekt…

Das klingt nach einer turbulenten, typisch französischen Komödie. Dazu benutzt die Regisseurin Amélie Bonnin auch noch ein Stilmittel, das wir vor allem aus den 1960er-Jahre-Filmen von Jacques Demy („Die Regenschirme von Cherbourg“) her kennen: Die Dialoge werden in NUR FÜR EINEN TAG meist gesungen! Das gibt dem Film einen nostalgischen Charme, aber eben auch einen Hauch von Seichtheit. Die auftretenden Probleme werden hier eher „zersungen“ als gelöst. Für diese Art Kino gibt es im Deutschen ein wunderbares Wort: „nett“!

Trailer

ab12

Originaltitel

Partir Un Jour (Frankreich 2024)

Länge

97 Minuten

Genre

Traigkomödie

Regie

Amélie Bonnin

Drehbuch

Amélie Bonnin

Darsteller

Juliette Armanet, Bastien Bouillon, François Rollin, Tewfik Jallab, Dominique Blanc

Verleih

Wild Bunch Germany GmbH

Filmwebsite

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