Kinostart: 30.09.2021

ab12 OT: Nö (Deutschland 2021)
Länge: 120 Minuten
Genre: Komödie
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch: Anna Brüggemann, Dietrich Brüggemann
Darsteller: Anna Brüggemann, Alexander Khuon, Isolde Barth, Hanns Zischler, Petra Schmidt-Schaller, Mark Waschke
Verleih: Filmperlen Filmverleih

Auf eines muss man sich bei Regisseur Dietrich Brüggemann einstellen: Schnitte im Film sind nicht sein Ding! In seiner herrlich erfrischenden Komödie NÖ erzählt er die Liebesgeschichte der Schauspielerin Dina (Anna Brüggemann) und des Arztes Michael (Alexander Khuon). Über einen Zeitraum von sieben Jahre zeigt er die Beziehung der beiden mit ihren Höhen und Tiefen in 15 Situationen – jeweils ungeschnitten. Auf diesen Kunstgriff muss man sich einlassen, dann hat man seinen Spaß. Und es gibt viel zu lachen! 

Dietrich Brüggemann und seine Schwester Anna haben bei ihrem genialen Drehbuch viel Platz für Skurrilitäten gelassen. In manchen surrealistischen Szenen glaubt man sich in einen Film von Luis Bunuel versetzt. Hier haben zwei Geschwister die Möglichkeiten des Kinos voll ausgeschöpft! Und sie lassen dem Zuschauer viel Spielraum. In einigen Szenen sind Dina und Michael nur Nebenfiguren, in anderen taucht nur einer der beiden auf. Meine Lieblingsszene: Bei einer Schiffsfahrt nach Helgoland doziert Michaels arroganter Vater (Hanns Zischler) im Bordrestaurant über Gott und die Welt – doch wir starren nur auf einen Glasbehälter mit Bonbons, der sich wegen des starken Seegangs auf der Theke von links nach rechts bewegt und von rechts nach links. Der Film ist voll von diesen kleinen urkomischen Details.

Michael bereitet einen Patienten (Rüdiger Vogler) auf eine schwierige OP vor. Mit offenem Bauch und anscheinend ohne Narkose fängt dieser plötzlich an zu reden. Das könnte wirklich aus einem Bunuel-Klassiker à la „Der andalusische Hund“ stammen. Hier verbeugt sich Brüggemann offensichtlich vor Wim Wenders: Rüdiger Vogler und Hanns Zischler waren die beiden Helden aus „Im Lauf der Zeit“.

Irgendwann bröckelt die Beziehung von Dina und Michael. Er will die Trennung, doch sie sagt „Nö“. Das hätte einer der besten Filme des Jahres werden können, doch Dietrich und Anna Brüggemann begingen einen entscheidenden Fehler: Sie haben ihr Konzept und ihren Stil nicht durchgehalten. Im letzten Drittel bleibt der Humor auf der Strecke. Man meint, hier will jemand Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ noch einmal drehen. Dieser Schlenker ins Ernste schadet dem Film. Sorry!

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