Momo

02.10.2025

Knapp vier Jahrzehnte nach der ersten Verfilmung hat sich Regisseur Christian Ditter des Kinderbuchklassikers MOMO von Michael Ende erneut angenommen. Das Ergebnis schwankt irgendwo zwischen „stark“ und „“ohjemine“…

In den Ruinen eines römischen Amphitheaters lebt das Waisenmädchen Momo (Alexa Goodall). Momo hat immer ein offenes Ohr für alle Menschen in der Nachbarschaft, doch am liebsten ist sie mit ihrem besten Freund Gino (Araloyin Oshunremi) unterwegs. Als ein internationaler Tech-Konzern beginnt, allen Menschen ihre Zeit zu stehlen, sind plötzlich alle zu beschäftigt, um mit Momo zu reden – sogar Gino, was Momo verzweifeln lässt. Dann taucht jedoch eine geheimnisvolle Schildkröte auf, die sie direkt zu Meister Hora (Martin Freeman) führt, dem Hüter der Zeit. Gemeinsam nehmen sie es mit mächtigen Zeitdieben auf – doch wird ihr Plan funktionieren?

1986 erschien die erste MOMO-Verfilmung in den Kinos und machte die erst elfjährige Radost Bokel über Nacht zum Star. Bis heute zählt das von Johannes Schaaf inszenierte Werk zu den besten Kinderbuch-Adaptionen. 39 Jahre später ist nun Christian Ditter („Vorstadtkrokodile“, „Love, Rosie“) an der Reihe und verpasst dem Klassiker von Michael Ende ein zeitgemäßes Update. Die grauen Herren gehören nun einem Tech-Unternehmen an, das den Menschen futuristische Armbänder verkauft, an denen sie ablesen können, ob sie gerade Zeit unnütz verbrauchen oder effektiv sind. Ein wenig erinnert das an „In Time“ mit Amanda Seyfried und Justin Timberlake, aber das sei dem Film verziehen.

Eine wahre Entdeckung ist die Britin Alexa Goodall, die die aufgeweckte Momo mit einem solch intensiven Spiel zum Leben erweckt, dass man sich ihrer Präsenz nur schwer entziehen kann. Doch leider tut sie sich schwer, gegen das unausgegorene Drehbuch anzukämpfen. Dabei hat Christian Ditter, der neben der Regie auch das Drehbuch verfasst hat, vorweg schon mal vieles richtig gemacht. Angelegt als internationale Produktion konnte man neben Alexa Goodall etliche große Namen verpflichten: Martin Freeman, Claes Bang oder Kim Bodnia adeln den Film allein schon durch ihre Mitwirkung.

Auch die Schauwerte sind eindrucksvoll. Gedreht wurde hauptsächlich in Kroation und dort im alterwürdigen Amphitheater von Pula, dem wichigsten Wahrzeichen der Stadt. Der Bau fiel in die Regierungszeit der römischen Kaiser Augustus, Claudius und zuletzt Vespasian, dessen Sohn und Nachfolger Titus im Jahr 81 nach Christus das sechstgrößte Amphitheater der Antike eröffnen konnte. Bis zu 23.000 Menschen verfolgten dort Gladiatorenkämpfe, Tierhetzen und nachgestellte Seeschlachten. In diesem 133 Meter langen und bis zu 32 Meter hohen Amphitheater bewegt sich die Kamera von Christian Rein auf atemberaubenden Pfaden und lässt uns so tief in das Gebäude und somit auch in die Geschichte eintauchen.

All das hätte ein eindrucksvoller Film werden können, der den Stoff von Michael Ende einer neuen Generation nahebringt. Doch trotzdem wirkt MOMO vollkommen durchwachsen. Szenen von immensem Schauwert werden abgelöst von extrem hölzern wirkenden Darbietungen, und so manches Mal wurde ich den Eindruck nicht los, dass Ditter eigentlich noch viel mehr erzählen wollte, der Film am Ende aber unbedingt auf fernsehtaugliche 90 Minuten gestrafft werden musste.

Am Ende bleibt das Kinoerlebnis mittelprächtig. Mit viel Luft nach oben, aber auch verdammt guten Ansätzen bietet MOMO leider nur Durchschnitt. Und das ist unfassbar schade.

Trailer

ab6

Originaltitel

Momo (Deutschland 2025)

Länge

92 Minuten

Genre

Abenteuer / Familie / Fantasy

Regie

Christian Ditter

Drehbuch

Christian Ditter, basierend auf dem gleichnamigen Bestseller von Michael Ende

Kamera / Bildgestaltung

Christian Rein

Darsteller

Alexa Goodall, Martin Freeman, Araloyin Oshunremi, Kim Bodnia, Claes Bang, Laura Haddock, Jennifer Amaka Pettersson, David Schütter

Verleih

Constantin Film Verleih GmbH

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