Die junge Filmemacherin Justine Bauer erzählt im Heimatdrama MILCH INS FEUER generationsübergreifend von Bäuerinnen in einem sterbenden Bauerndorf im Hohenlohischen (Baden-Württemberg), in Mundart und neben Schauspielerin Johanna Wokalek fast nur mit Laien besetzt.
Wir erleben in Justine Bauers Debütfilm MILCH INS FEUER einen nicht ganz unbeschwerten Sommer auf dem Land. Die Regisseurin und Drehbuchautorin schöpft dabei aus eigener Erfahrung (und hat sogar Familienmitglieder wie ihre Oma besetzt). Drei Generationen von Bäuerinnen leben zusammen unter einem Dach. Die Landwirtschaft steckt in einer Krise, die Milchpreise sind im Keller. Da ist es dann auch halb so wild, wenn ein Brand mit Milch statt Wasser gelöscht wird!
Jungbäuerin Katinka (Karolin Nothaker) würde den Hof ihrer Familie gerne weiterführen. Zusammen mit ihrer Mutter (Johanna Wokalek) und Großmutter (Lore Bauer) hält sie an Traditionen fest – und macht eine Ausbildung zur Landwirtin. In Alltagsepisoden werden Katinka, ihre Schwestern sowie Freundin Anna (Pauline Bullinger) bei der Arbeit auf dem Feld, beim Melken der Kühe, aber auch in ihrer Freizeit beim Baden im Fluss dokumentarisch-poetisch gezeigt (im gewöhnungsbedürftigen 4:3-Format).
Die Idylle auf dem Land ist aber trügerisch: Andere Bauernhöfe mussten bereits einem Neubaugebiet mit Eigenheimen weichen. Auch Katinkas Mutter Marlies ist desillusioniert und überlegt, in einem Supermarkt zu arbeiten. Der verzweifelte Nachbar (Martin Bauer) macht mit Protestaktionen auf den Verfall der Milchpreise aufmerksam. Und dann ist Anna auch noch ungewollt schwanger. In Mundart-Gesprächen bekommen wir so einen authentischen Einblick ins Krisengebiet rund um einen noch bewirtschafteten Bauernhof.
Ungewollte Schwangerschaften bei Mensch und Tier sind in MILCH INS FEUER ein zentrales Thema: neugeborene Katzen werden in einen Sack gesteckt, dann in eine Tonne, die in den Fluss gerollt wird. Die Männer spielen in diesem feministischen Heimatfilm eine eher untergeordnete Rolle. Am Ende wird sogar die Kastration eines Lamas bis ins letzte Detail genüsslich ausgekostet (der abgeschnittene Hoden wird schließlich vom Hof-Hund verspeist).
Justine Bauer, die für ihren Abschlussfilm an der Kunsthochschule für Medien Köln auf dem Filmfest München mit dem Förderpreis Neues Deutsches Kino im Bereich Produktion ausgezeichnet wurde, schafft es mit MILCH INS FEUER, dass Amateurdarstellerinnen neben echten Schauspieler:innen glänzen können, und zeigt das Landleben unspektakulär nah. Dabei gerät in diesem Hybrid aus Dokumentar- und Spielfilm leider der Erzählfluss etwas ins Stocken. Was aber in Erinnerung bleibt, sind die tollen naturalistischen Bilder von Pedro Carnicer und die nuancenreiche Filmmusik von Cris Derksen, die eigene Akzente setzt.
Milch ins Feuer (Deutschland 2024)
80 Minuten
Drama
Justine Bauer
Justine Bauer
Pedro Carnicer
Karolin Nothacker, Johanna Wokalek, Pauline Bullinger, Anne Nothacker, Sara Nothacker, Lore Bauer, Lorena Elser, Simon Steinhorst, Martin Bauer, Angelina Herrmann, Alexandra Balmer, Lisa Renner, Nathalie Hanisch
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