Maria Reiche: Das Geheimnis der Nazca-Linien

25.09.2025

Eine Frau, eine Wüste und Linien im Sand – mehr braucht es nicht für einen gelungenen Film. MARIA REICHE: DAS GEHEIMNIS DER NAZCA-LINIEN von Damien Dorsaz erzählt die Geschichte einer Deutschen, die mithalf, eines der größten Rätsel der Menschheitsgeschichte der Weltöffentlichkeit zugänglich zu machen.

Peru in den 1930er-Jahren: Während sich in Europa der Faschismus ausbreitet, arbeitet die junge Dresdnerin Maria Reiche (Devrim Lingnau Islamoğlu) als Mathematiklehrerin in der Hauptstadt Lima. Die Wohnung teilt sie mit ihrer Partnerin Amy (Olivia Ross), einer US-Amerikanerin, die ein gut besuchtes Caféhaus betreibt – Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und Journalisten. Dort wird die eher scheue Maria vom französischen Archäologen Paul D’Harcourt (Guillaume Gallienne) angesprochen, der sie bittet, die deutschen Aufzeichnungen des Südamerika-Forschers Max Uhle zu übersetzen. D’Harcourt arbeitet in der Nähe von Nazca um Süden Perus und vermutet Hinweise auf alte Bewässerungssysteme rund um die Ruinen von Cahuáchi.

Da sie nur als Aushilfslehrerin arbeitet, ist sie dankbar für die Abwechslung und macht sich todesmutig auf die lange Reise in einem klapprigen Bus. Doch die Hektik und der Zynismus in D’Harcourts Team stoßen sie ab. Bei einem Ausflug zu den alten Brunnenanlagen wird ihr erstmals der weite Himmel über der Wüste bewusst – ein Anblick, der sie tief berührt. Als sie mit D’Harcourt auf einem Hügel bei Cahuáchi steht, entdecken sie plötzlich merkwürdige Linien im Sand. Der Archäologe hält sie für Prozessionswege und ist wenig interessiert, weitere Untersuchungen anzustellen. Doch Maria lassen diese Linien nicht los.

Zurück in Lima stößt sie in der Bibliothek auf Aufzeichnungen des Konquistadors Francisco Pizarro, in denen er die Linien erwähnt. Kurzerhand verabschiedet sich Maria auf unbestimmte Zeit von Amy und macht sich mit leichtem Gepäck auf ins Abenteuer. Von einer Bauernfamilie, die am Rande der Wüste lebt, erhält sie die Erlaubnis, nebenan unter dem Schatten eines Baumes zu zelten. Jeden Morgen macht sie sich zu Fuß auf in die Wüste und beginnt, mit Kompass und Kamera die Linien zu kartieren.

Nach und nach erkennt sie die Umrisse von Kolibris, Affen, Spinnen – riesige Bilder, in die Erde gescharrt wurden. Doch wann? Und warum? Unerwartet kommt Amy zu Besuch, und beide Frauen verbringen Tage des Glücks. Doch für Amy sind die Ausflüge in die Hitze zu strapaziös – und sie reist wieder ab. Als der mächtige Großgrundbesitzer Montoya (Javier Valdés) in der Wüste riesige Baumwollfelder anlegen lässt, sieht Maria das Liniensystem in Gefahr. Doch auch bei ihrem Besuch auf Montoyas Hazienda lässt sich der arrogante Reiche nicht umstimmen: „Das Land gehört mir.“ Doch dann hält Maria im peruanischen Parlament eine flammende Rede…

In seinem Regiedebüt findet Damien Dorsaz eindrucksvolle Bilder, die lange nachwirken. Er und sein Kameramann Gilles Porte zeigen eine mutige Frau in einer unwirtlichen Umgebung. Trotz brütender Hitze und Einsamkeit lässt sich diese Pionierin nicht von ihrem Ziel abbringen, das Rätsel der Linien zu lösen. Und Devrim Lingnau Islamoğlu, 1998 als Tochter eines türkischen Vaters und einer deutschen Mutter in Mannheim geboren, spielt diese tapfere Frau mit beispielloser Souveränität. Eine Entdeckung!

Doch was ist des Rätsels Lösung? Als Maria Reiche bei der Sommersonnenwende den Himmel und die Linien in Bezug setzt, glaubt sie, einen gigantischen astronomischen Kalender entdeckt zu haben. Die heutige Wissenschaft geht davon aus, dass die Linien, die zwischen 200 v. Chr. und 600 n. Chr, angelegt wurden, Fruchtbarkeitsrituale symbolisieren. Dagegen ist Erich von Däniken fest davon überzeugt, diese seien riesige Landebahnen für außerirdische Raumschiffe…

P. S. Seit 1994 gehören die Nazca-Linien zum UNESCO-Welterbe. Übrigens: Regisseur Damien Dorsaz hatte in den 1990er-Jahren Maria Reiche noch persönlich kennengelernt.

Trailer

ab6

Originaltitel

Lady Nazca (Frankreich / Deutschland 2025)

Länge

99 Minuten

Genre

Abenteuer / Biographie / Drama

Regie

Damien Dorsaz

Drehbuch

Damien Dorsaz, Fadette Drouard

Kamera / Bildgestaltung

Gilles Porte

Darsteller

Devrim Lingnau Islamoğlu, Guillaume Gallienne, Olivia Ross, Marina Pumachapi, Javier Valdéz, François Vallaeys, Victor Prada

Verleih

Tobis Film GmbH & Co. KG

Filmwebsite

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