Lingui (FFHH21)

FSK noch unbekannt OT: Lingui (Frankreich / Deutschland / Belgien / Tschad 2021)
Länge: 87 Minuten
Genre: Drama
Regie: Mahamat-Saleh Haroun
Drehbuch: Mahamat-Saleh Haroun
Darsteller: Achouackh Abakar, Rihane Khalil Alio

Es ist nur ein Zufall, dass zwei extrem wichtige Filme beim Festival in Hamburg das gleiche Thema behandeln: eine Abtreibung, die entweder aus religiösen oder gesetzlichen Gründen verboten ist oder war. Für „Das Ereignis“ erhielt Audrey Diwan in Venedig den Goldenen Löwen, LINGUI aus dem Tschad bekam den Hamburger Produzentenpreis in der Sektion „Internationale Kino-Koproduktionen“ überreicht. 

Mahamat-Saleh Haroun (Jahrgang 1961) lebt und arbeitet als Filmemacher im Tschad. Seine Regiearbeit „Bye Bye Africa“ war 1999 der erste Langfilm, der in diesem zentralafrikanischen Land realisiert wurde. In LINGUI erzählt er jetzt ein sehr dunkles Kapitel aus seiner Heimat, das wohl jeden Zuschauer erschüttern wird.

Die 15-jährige Maria lebt mit ihrer Mutter Amina in einem ärmlichen Vorort der Hauptstadt N’Djamena. Indem sie aus alten Autoreifen die Metalldrähte herausschneiden und daraus Körbe flechten, verdienen sie ihren kümmerlichen Lebensunterhalt. Die alleinerziehende Amina wurde nach einer ungewollten Schwangerschaft von ihrer Familie verstoßen, jetzt droht Maria nach einer Vergewaltigung ein ähnliches Schicksal. Beide Frauen sind sich schnell einig: Maria muss abtreiben – doch das ist im islamisch geprägten Tschad strengstens verboten und gleichzeitig ein moralisches Tabu. Lange wird nicht klar, wer der Vergewaltiger war, aber Maria wirft im Laufe des Films verstohlen oft einen Blick auf ein Motorrad vor dem Nachbargrundstück.

Der Imam versucht, die beiden Frauen von ihrem Entschluss abzubringen – sonst droht ihnen der Ausschluss aus der dörflichen Gemeinschaft. Ärzte können oder wollen ihnen nicht helfen. Die heimlich erhaltene Adresse einer Engelmacherin ist die letzte Rettung. Und diese Frau hilft auch beim zweiten düsteren Tabu: Aminas reicher Schwager will seine blutjunge Tochter beschneiden lassen und wirft bei der „Feier“ mit Geld um sich. Doch der Eingriff mit dem Messer ist nur vorgetäuscht.

In rauen, schmucklosen Bildern – oft mit der Handkamera gedreht – zeigt LINGUI, wie zwei mutige Frauen um ihr Recht auf Selbstbestimmung kämpfen und sich verzweifelt gegen Tradition und Religion wehren. Ein herzzerreißendes Drama aus einer fremden Welt!

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