La Civil (FFHH21)

FSK noch unbekannt OT: La Civil (Belgien / Mexiko / Rumänien 2021)
Länge: 145 Minuten
Genre: Polit-Thriller
Regie: Teodora Ana Mihai
Drehbuch: Teodora Ana Mihai, Habacuc Antonio De Rosario
Darsteller: Arcelia Ramirez, Alvaro Guerrero, Ayélen Muzo, Jorge A. Jimenez

Wie kommt eine rumänische Regisseurin dazu, in Mexiko einen typisch mittelamerikanischen Polit-Thriller zu drehen? In der „Veto!“-Reihe beim Filmfest Hamburg wurde LA CIVIL von Teodora Ana Mihai von der Jury als „Bester politischer Film“ ausgezeichnet. (Ich hätte den Preis eher dem ukrainischen Film „Spiegelung“ gegeben, aber sei’s drum!) Auch LA CIVIL verdient die Ehrung! 

Die alleinerziehende Mutter Cielo (Arcelia Ramirez) bereitet für sich und und ihre bildschöne Tochter Laura ein üppiges Frühstück zu. Ihr Ex-Mann hat längst eine Jüngere. Doch Laura kommt abends nicht nach Hause. Am nächsten Morgen wird die fahrende Cielo in der mexikanischen Kleinstadt von einem aggressiven SUV brutal geschnitten. Ein grinsender Milchbubi verkündet ihr: „Laura wurde entführt. Zahle einfach das Lösegeld, dann kommt deine Tochter frei.“ Gemeinsam mit ihren Ex-Mann kann sie sie den größten Teil der Forderung auftreiben – doch Laura bleibt verschwunden. Da die Polizei keine Hilfe ist, verbündet sich Cielo mit dem den Alltag beherrschenden Militär. Sie taucht ein in eine für sie fremde Welt von Folter und Mord.

Mexiko ist seit Jahrzehnten das Land mit den meisten Kapitalverbrechen weltweit. Wie kann man dort überleben? Um das Leben ihrer Tochter zu retten, fasst Cielo einen bitteren Entschluss. Sie lässt sich mit dem verhassten „Feind“ ein und akzeptiert die allgegenwärtige Gewalt. Einmal legt sie sogar selbst Hand an und tötet einen Gangster. Wollen wir das wirklich sehen? Dieser Selbstjustiz-Exzess ist wohl für jeden im Kinosaal extrem schmerzhaft.

In LA CIVIL geht eine mutige Mutter an ihre Grenzen. Sie zeigt Zivilcourage – mit allen (auch) negativen Konsequenzen. Wir müssen Cielo nicht mögen, aber wir verstehen ihre Entscheidung. Fragwürdig oder wichtig? Dieser Film lässt niemanden kalt!

Trailer

Comments Closed

Kommentare sind geschlossen.

Filmplakat

Weitere Beiträge in dieser Kategorie

Große Freiheit

Albert Wiederspiel, der Leiter des Filmfestes Hamburg, hatte ganz bewusst ein Zeichen gesetzt, das diesjährige Festival mit dem aufwühlenden Drama GROSSE FREIHEIT von Sebastian Meise zu eröffnen. In Zeiten, wo bestimmte gesellschaftliche Gruppen immer noch (!) gnadenlos ausgegrenzt werden, ist der Film ein visuelles und politisches Mahnmal für menschliche Selbstbestimmung. Weiterlesen

Niemand ist bei den Kälbern (FFHH21)

In ihrem zweiten Spielfilm NIEMAND IST BEI DEN KÄLBERN entführt uns Sabrina Sarabi in die Welt der ländlichen Provinz und erzählt mit einer unfassbar starken Saskia Rosendahl von einer jungen Frau, die ausbrechen will – aber nicht weiß, wohin.  Weiterlesen

France (FFHH21)

Nichts weniger als eine aberwitzige Mediensatire schwebte dem französischen Regisseur Bruno Dumont vor, als er FRANCE in Angriff nahm. Mit absurdem Witz stellt er hier die Auswüchse der weltweiten TV-Landschaft bloß – samt der Unsitte der „Fake News“. Als Hauptdarstellerin glänzt Léa Seydoux, die gleich mit drei Filmen in Hamburg vertreten war.  Weiterlesen

Lingui (FFHH21)

Es ist nur ein Zufall, dass zwei extrem wichtige Filme beim Festival in Hamburg das gleiche Thema behandeln: eine Abtreibung, die entweder aus religiösen oder gesetzlichen Gründen verboten ist oder war. Für „Das Ereignis“ erhielt Audrey Diwan in Venedig den Goldenen Löwen, LINGUI aus dem Tschad bekam den Hamburger Produzentenpreis in der Sektion „Internationale Kino-Koproduktionen“ […] Weiterlesen

Die Geschichte meiner Frau

Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedi ist keine Unbekannte. Für „Mein 20. Jahrhundert“ erhielt sie 1989 in Cannes die „Camera d’Or“ für den besten Debütfilm, für „Körper und Seele“ bei der Berlinale 2017 den Goldenen Bären. Mit DIE GESCHICHTE MEINER FRAU hat sie einen der – in ihren Augen – wichtigsten ungarischen Romane des 20. Jahrhunderts […] Weiterlesen

Wo in Paris die Sonne aufgeht (FFHH21)

Mit WO IN PARIS DIE SONNE AUFGEHT legt der französische Regisseur Jacques Audiard wieder einmal ein kleines Meisterwerk vor – und damit den perfekten Abschlussfilm des Filmfests Hamburg.  Weiterlesen

A Tale of Love and Desire (FFHH21)

Die tunesische Regisseurin Leyla Bouzid dreht in A TALE OF LOVE AND DESIRE die übliche Geschichte einfach um. Beide Protagonisten kommen aus Nordafrika und landen in einer Banlieue in der Nähe von Paris. Der 18-jährige Ahmed ist ein islamisch geprägter, tief in seinen arabischen Wurzeln beheimateter junger Mann. Die aufgeweckte Tunesierin Farah ist so ganz […] Weiterlesen

Die Rache ist mein, alle anderen zahlen bar (FFHH21)

Der Goldene Leopard beim diesjährigen Filmfestival von Locarno war eine Überraschung. Die Jury hatte viel Mut bewiesen, diesem extremen Film aus Indonesien den Hauptpreis zu geben. Manchen meiner Kollegen war DIE RACHE IST MEIN, ALLE ANDEREN ZAHLEN BAR von Edwin (ein Mann ohne Nachname!) zu schrill und zu schräg. Doch ein Merkmal ist seit einigen […] Weiterlesen

Mirakel (FFHH21)

Möglicherweise geht dieser Film in die Geschichte ein! Wann erlebt es ein Kinozuschauer schon mal, dass die entscheidenden Pointe nur ein paar Sekunden (!) dauert? Wer in diesem Moment kurz die Augen geschlossen hatte, verpasst den Höhepunkt! Hier in MIRAKEL hat der rumänische Regisseur Bogdan George Apetri viel gewagt – und alles gewonnen! Der nur […] Weiterlesen