Asiatische Kampfkunst und die „Ewige Stadt“ sind nicht unbedingt die naheliegensten Dinge, die man miteinander assoziieren würde, aber KUNG FU IN ROME zeigt, dass sich beides auf wundersame Art und Weise verbinden lässt.
Mei (Yaxi Liu) wurde als zweites Kind einer armen chinesischen Familie geboren. Aufgrund der Ein-Kind-Politik Chinas musste sie ihre gesamte Kindheit im Verborgenen verbringen. Um die hohe Geldstrafe zu bezahlen, die notwendig war, um Mei zu einer legalen Bürgerin zu machen, zog ihre ältere Schwester nach Italien, um zu arbeiten. Doch jetzt ist ihre Schwester spurlos verschwunden, und so reist die temperamentvolle Mei nach Rom, um sie zu finden – ohne auch nur einen Hauch italienisch zu sprechen, geschweige denn zu verstehen.
Meis Suche führt sie schnell in die zwielichtige Unterwelt von Prostitutionsringen und Menschenhandel im lebendigen, multiethnischen Einwandererviertel Piazza Vittorio, wo das organisierte Verbrechen das Sagen hat. Dort erfährt sie, dass ihre Schwester angeblich mit einem älteren römischen Liebhaber durchgebrannt ist. Widerwillig verbündet sie sich mit dessen vulgärem, engstirnigen Sohn Marcello (Enrico Borello), dem Koch und Besitzer des letzten italienisch geführten Lokals im Viertel. Über das Essen finden diese zwei unterschiedlichen Seelen letztendlich doch zueinander, indem sie die Küchen ihrer beider Länder teilen und vereinen.
Gemeinsam stürzen sie sich mit jeder Menge Action in die Suche nach ihrer Schwester und seinem Vater. Schon bald wird daraus eine regelrechte Rachemission, die beide zwingt, sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen…
Vom „deutschen“ Titel KUNG FU IN ROME sollte man sich keinesfalls irritieren lassen und zwar in doppelter Hinsicht: Auch wenn dieser nach einem drittklassigen B-Movie klingt, sind die Action-Sequenzen mehr als sehenswert und extrem hochwertig. Wer jetzt aber denkt, dass sich die Protagonisten hier von morgens bis abends durch die Stadt kämpfen, liegt leider auch falsch. Denn Regisseur Gabriele Mainetti, der zusammen mit Stefano Bises und Davide Serino auch das Drehbuch verfasst hat, verlässt sich nicht allein darauf. Er gibt der Geschichte auch genügend Zeit, um hier und dort einmal zur Ruhe zu kommen und die Figuren mehr und mehr zu erden – schließlich haben Mei und Marcello auch noch eine Sprachbarriere zu überwinden.
Für die Macher war es wichtig, nicht nur die klassischen Elemente zweier Kulturen zusammenzubringen, sondern mit KUNG FU IN ROME auch einen anderen Blick auf das Thema Immigration zu bieten. Meist geschieht das nämlich aus der Perspektive westlicher Schuldgefühle, wobei die Geschichten nur selten die nötige Komplexität behalten, um Minderheiten gerecht darzustellen. Das ist Gabriele Mainetti und seinem Team tatsächlich gelungen, ohne gleich den erhobenen Zeigefinger auszupacken.
Aber auch die Kampfszenen sind von Kameramann Paolo Carnera sensationell in Szene gesetzt und müssen sich vor keinem Blockbuster mit einem Vielfachen des Budgets verstecken. Das macht KUNG FU IN ROME gleich in der Eingangssequenz klar.
KUNG FU IN ROME gelingt es tatsächlich, zwei grundverschiedene Kulturen miteinander zu verschmelzen, ohne dass es verkrampft wirkt. Zwar verliert der Film im Laufe seiner stolzen 139 Minuten immer mal wieder an Fahrt – in der Summe kommt dabei aber ein starkes Werk heraus, das zu Recht im Juni die Fantasy Filmfest Nights eröffnet hat und jetzt endlich auch regulär in unsere Kinos kommt.
La città proibita (Italien 2024)
139 Minuten
Action
Gabriele Mainetti
Stefano Bises, Gabriele Mainetti, Davide Serino
Paolo Carnera
Yaxi Liu, Enrico Borello, Sabrina Ferilli, Marco Giallini, Luca Zingaretti, Shanshan Chunyu
DCM Film Distribution GmbH