Kuessipan (FFHH20)

FSK noch unbekannt OT: Kuessipan (Kanada 2019)
Länge: 117 Minuten
Genre: Drama
Regie: Myriam Verreault
Drehbuch: Naomi Fontaine, Myriam Verreault
Darsteller: Sharon Ishpatao Fontaine, Yamie Grégoire, Étienne Galloy, Cédrick Ambroise, Mike Innu Papu Mckenzie, Brigitte Poupart

Das Leben der Innu spielt im frankokanadischen Kino eine zentrale Rolle. Nicht wenige Regisseurinnen und Regisseure geben den Ureinwohnern Kanadas seit Jahren eine eigene Stimme. „Kuessipan“ von Myriam Verreault ist ein besonders lohnendes Beispiel. Das Innu-Wort bedeutet übersetzt so viel wie „Du bist dran“. Das anrührende Coming-of-age-Drama erzählt das Leben der pummeligen Mikuan (Sharon Ishpatao Fontaine) und Shaniss (Yamie Grégoire), die seit ihrer Kindheit beste Freundinnen sind. Beide wohnen mit ihren Familien in einem abgelegenen Innu-Reservat am Nordufer des Sankt-Lorenz-Stroms. In der Pubertät spüren sie ihre unterschiedlichen Lebensentwürfe. Mikuan entdeckt ihre künstlerische Ader, verliebt sich in einen Weißen und will raus aus ihrem Kaff. Shaniss wird früh geschwängert und landet bei einem sie prügelnden Ehemann.

Der fast ausschließlich mit Laien gedrehte Film verzaubert durch seinen natürlichen Charme und den liebevollen Blick auf eine uns fremde Welt. Man spürt die Sympathie, die die Regisseurin für ihre Charaktere empfindet. Am Ende reist Mikuan zum Studieren in den Süden, und Shaniss trennt sich nach langem Kampf von ihrem Mann. Eine kleine Geschichte, zart und poetisch umgesetzt.

Trailer

Comments Closed

Kommentare sind geschlossen.

Filmplakat

Weitere Beiträge in dieser Kategorie

Filmfest Hamburg 2020 – Das iranische Kino

Seit Jahren bildet das iranische Kino einen besonderen Schwerpunkt beim Filmfest Hamburg. Gerade die unbequemen und regimekritischen Regisseure haben in Hamburg seit langem eine künstlerische Heimat gefunden – so erhielt Jafar Panahi 2018 den Douglas-Sirk-Preis, den er nicht persönlich überreicht bekam, da er sein Land nicht verlassen durfte. Das Gleiche gilt für den diesjährigen Berlinale-Sieger Weiterlesen

Quo vadis, Aida? (FFHH20)

Mit ihrem Regiedebüt „Esmas Geheimnis“ gewann die bosnische Regisseurin 2006 den Goldenen Bären auf der Berlinale. In ihrem neuen, erschütternden Film „Quo vadis, Aida?“ rekonstruiert sie das Massaker von Srebrenica (Juli 1995). Die Brutalität der Serben, die Ohnmacht der UN-Truppen unter niederländischer Führung – all das erleben wir hautnah mit.

Gagarine (FFHH20)

Sozialkritische Filme aus den Slum-Vororten von Paris – aus der sogenannten Banlieue – zählen seit Jahren zum festen Bestandteil des französischen Kinos. „Gagarine“ gehört in dieses Genre – doch der Film ist ganz anders.

First Cow (FFHH20)

Im ungewöhnlichen, fast quadratischen Format aus den Anfängen des Kinos erzählt die Regisseurin eine spröde Geschichte aus Oregon um 1820. Der Koch Cookie (John Magaro) hat sich frustriert von einer Gruppe Pelztierjäger getrennt und sich in der Nähe eines Forts an der Grenze zu Indianergebieten niedergelassen. Dort lernt er den chinesisch-stämmigen King-Lu (Orion Lee) kennen. Weiterlesen

Filmfest Hamburg 2020 – Gegenwartskino im Fokus

Die neue Reihe „Gegenwartskino im Fokus“ beim Filmfest Hamburg war gleich im ersten Jahr 2019 ein voller Erfolg. Die Französin Céline Sciamma und der Filipino Lav Diaz waren vor einem Jahr gleich mit jeweils drei Filmen in Hamburg vertreten und persönlich anwesend. Aus bekannten Gründen konnten diesmal die US-Amerikanerin Kelly Reichardt und der Chilene Pablo Weiterlesen

Sohn-Mutter (FFHH20)

Wie soll man sich entscheiden, wenn der Staat und die den Staat beherrschende Religion dem Menschen scheinbar keine Wahl lässt? Die junge Witwe Leila, Mutter des zwölfjährigen Amir und eines Säuglings, arbeitet in einer Teheraner Kabelfabrik. Seit Kazem, der Busfahrer der Firma, ein Auge auf Leila geworfen hat, hat sie keine ruhige Minute mehr. Sie Weiterlesen

Sound of Metal (FFHH20)

Der Schlagzeuger Ruben (Riz Ahmed) und seine Freundin Lou (Olivia Cooke), die ins Mikrofon schreit und ihrer Gitarre nur Rückkopplungen entlockt, touren mit ihrem Wohnmobil als Post-Punk-Noise-Duo durch die US-amerikanische Provinz. Als nach einem Hörsturz Ruben die komplette Taubheit droht, ist erst eimal Schluss mit der Karriere. Lou verschafft Ruben einen Platz in einer Taubstummen-Community Weiterlesen

The Cloud in Her Room (FFHH20)

Dank Jens Geiger, der seit Jahren den „Asia Express“ beim Filmfest Hamburg kompetent betreut, ist das asiatische Kino immer ein besonderer Schwerpunkt in der Hansestadt. Die Reihe überraschte diesmal mit dem Debüt „The Cloud in Her Room“ der Chinesin Zheng Lu Xinyuan. Muzi, eine junge Frau, kehrt nach Jahren zurück in ihre Heimatstadt Hangzhou, um Weiterlesen

Genus, Pan (FFHH20)

Vor einem Jahr war der Filipino Lav Diaz persönlich in Hamburg, um drei seiner (sehr langen) Filme vorzustellen. Diesmal war sein für seine Verhältnisse „kurzer“ Film „Genus Pan“ zu begutachten. In 146 Minuten erzählt der Regisseur eine eher einfache Parabel über Gewalt, Aberglaube und animalische Triebe. Ist der Mensch am Ende doch „nur“ ein Tier?