Kill the Jockey

18.09.2025

Gleich vorweg: Wer weiß, was ein Möbiusband ist und wer die genial-vertrackten Erzählungen des argentinischen Autors Julio Cortázar (1914-1984) kennt, wird sich in der absurden Tragikomödie KILL THE JOCKEY von Luis Ortega sofort zu Hause fühlen. Alle anderen werden erst einmal irritiert den Kopf schütteln. Was ist das denn?

Ein Möbiusband bezeichnet eine Fläche, die nur eine Kante und eine Seite hat – man kann also nicht zwischen unten und oben oder zwischen innen und außen unterscheiden. Und genauso verloren fühlt man sich in diesem surrealistischen Albtraum des argentinischen Regisseurs Luis Ortega. In KILL THE JOCKEY kann man sich auf nichts verlassen – sogar auf eine nacherzählbare Handlung muss man verzichten. Was hilft: sich in der Unlogik des Geschehens einfach treiben zu lassen.

Immerhin eines ist klar: Der Film spielt im Pferdesport- und Mafia-Milieu von Buenos Aires. Der einstige Jockey-Star Remo Manfredini (Nahuel Pérez Biscayart) ist nach den vielen Drogenexzessen und Wettbetrug-Verstrickungen nur noch ein Schatten seiner selbst. Seine Freundin Abril (Úrsula Corberó), auch Jockey, befindet sich dagegen im Aufwind, ist aber zwischen ihrer Karriere und ihrer Schwangerschaft von Remo hin- und hergerissen.

Da Remo bei der Mafia hohe Schulden hat, zwingt ihn deren Boss Sirena (Daniel Giménez Cacho) zu einem letzten Auftritt: Er soll ein millionenschweres Pferd, frisch aus Japan importiert, bei einem wichtigen Rennen reiten. Zu dumm, dass in Japan die Pferde auf den Rennbahnen anders herum laufen. Und so biegt das Edelross falsch ab und verunglückt tödlich. Der schwerverletzte Remo landet im Krankenhaus – muss aber erfahren, dass ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt ist. So flieht er und versteckt sich in einer Absteige als Transvestit. Unterdessen hat Abril ihre lesbische Ader entdeckt und vergnügt sich mit Ana (Mariana di Girolamo). Dass am Ende dann auch noch das Phänomen der Wiedergeburt thematisiert wird, überrascht wohl niemanden mehr…

Alle fünf Minuten kippt die Handlung – eine Situation ist absurder als die vorige. Wie in „Emilia Pérez“ (2024) von Jacques Audiard, einem Highlight des vergangenen Jahres, wird viel getanzt. Der hemmungslose Stilmix aus allen Genres, der knallbunte 1970er-Jahre-Look und die Verbeugung vor der Anarchie einer Slapstick-Komödie à la Buster Keaton machen KILL THE JOCKEY zu etwas ganz Besonderem.

Nur eines zählt: Man muss sich auf diesen aberwitzigen, durchgeknallten Spaß ohne Vorbehalte einlassen!

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

El Jockey (Argentinien / Mexiko / Spanien / Dänemark / USA 2024)

Länge

97 Minuten

Genre

Drama / Komödie / Krimi

Regie

Luis Ortega

Drehbuch

Luis Ortega, Fabian Casas, Rodolfo Palacios

Kamera / Bildgestaltung

Timo Salminen

Darsteller

Nahuel Pérez Biscayart, Ursula Corberó, Daniel Gimenez Cacho, Daniel Fanego, Osmar Núñez, Roberto Carnaghi, Luis Ziembrowski, Mariana Di Girolamo

Verleih

MFA+ FilmDistribution e.K.

Filmwebsite

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