Kein Weg zurück

11.12.2025

Wie weit würdest Du gehen, um dein eigenes Kind zu retten? Diese Frage stellt sich die dänische Regisseurin Charlotte Sieling in ihrem Film KEIN WEG ZURÜCK.

Der Ex-Soldat Christian (Nikolaj Lie Kaas) ist auf dem Weg nach Syrien. Doch dieses Mal steckt dahinter kein militärischer Auftrag, nein, Christian ist in gänzlich eigener Mission unterwegs. Sein Sohn Adam (Albert Rudbeck Lindhardt) hat sich dem Islamischen Staat angeschlossen und Christian ist fest entschlossen, ihn zurück nach Dänemark zu holen. Doch wie findet man seinen Sohn in einem fremden Kriegsgebiet? Und noch viel wichtiger: Wie überzeugt man ihn davon, dass das, was er dort macht, ein Fehler ist?

Die dänische Regisseurin Charlotte Sieling (Die Königin des Nordens) schmeißt uns direkt ins Geschehen. Keine Vorgeschichte, keine Erklärungen. Erst im Laufe des Films bekommen wir einzelne Fragmente dessen zugestoßen, was vorher geschehen ist. Und so fiebern wir mit der Hauptfigur mit, ob es ihm überhaupt gelingen wird, so tief ins Kriegsgebiet vorstoßen zu können oder ob er bereits vorher enttarnt wird. Doch Christian (kaum wiederzukennen: Nikolaj Lie Kaas) hat sich offensichtlich gut vorbereitet.

Dänemark war, pro Kopf gerechnet, das Land mit der höchsten Anzahl an europäischen Teilnehmern am syrischen Bürgerkrieg. Viele junge dänische Männer ließen sich von Propaganda verführen und machten sich auf in einen Krieg, der immer brutaler wurde. Viele verloren ihr Leben in Kämpfen oder bei Selbstmordattentaten. Das brachte die Regisseurin Charlotte Sieling zu der Frage, ob ein Vater das Recht hat, über den Glauben seines Sohnes zu entscheiden. „Kinder sollen erwachsen werden, sich von ihren Eltern lösen und unabhängige Menschen werden. Erwachsene sollten ihre Kinder frei lassen, und selbst wenn sie ihre Kinder nicht verstehen, sollten sie sie akzeptieren. Aber wo ziehen wir die Grenze für das, was wir akzeptieren sollten? Oder respektieren?“, so Sieling über ihren Film.

Gedreht wurde KEIN WEG ZURÜCK in Jordanien, was im Film täuschend echt wirkt und die Authentizität der Geschichte unterstreicht. Zwar wirken einige Dialoge etwas hölzern, aber Vergleiche mit der Realität wird hier vermutlich sowieso niemand anstellen. Nikolaj Lie Kaas, hierzulande vor allem bekannt durch die dänische Filmreihe des Dezernat Q (Erbarmen, Schändung, Erlösung, Verachtung), habe ich seine Entschlossenheit jedenfalls größtenteils abgenommen.

Ich hätte mir gewünscht, dass der Film ein wenig mehr darauf eingeht, warum der Sohn sich überhaupt dazu entschlossen hat, in den Krieg zu ziehen. Dass der Vater in dessen Jugend absent war, reicht mir hier nicht wirklich als Erklärung.

Letztendlich stellt sich KEIN WEG ZURÜCK die Frage, wie wir etwas akzeptieren können, was wir überhaupt nicht verstehen können. Das macht er zwar äußerst eindrucksvoll, lässt den Zuschauer jedoch am Ende fragend zurück.

Trailer

ab16

Originaltitel

Vejen hjem (Dänemark 2024)

Länge

97 Minuten

Genre

Drama / Thriller

Regie

Charlotte Sieling

Drehbuch

Jesper Fink, Nagieb Khaja

Kamera / Bildgestaltung

Camilla Hjelm

Darsteller

Nikolaj Lie Kaas, Albert Rudbeck Lindhardt, Arian Kashef, Besir Zeciri, Harki Bhambra

Verleih

24 Bilder Film GmbH

Filmwebsite

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