Interview mit Simon Pegg

Am 5. August haben Simon Pegg, Rosamund Pike und Peter Chelsom den Film HECTORS REISE ODER DIE SUCHE NACH DEM GLÜCK in Berlin vorgestellt. Wir haben die Gelegenheit genutzt, uns mit den beiden Schauspielern und dem Regisseur getroffen und mit ihnen über den Film gesprochen.

Herzlich Willkommen in Berlin!

Danke, es ist nett, wieder hier zu sein.

Freuen Sie sich, wieder in Berlin zu sein?

Ja, sehr sogar! Ich war bereits vor ein paar Monaten hier, um ein wenig vorbereitende Pressearbeit für den Film zu machen. Ich freue mich immer, nach Berlin zu kommen. Die Stadt ist nah und sie ist schön. Das klang vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich finde es großartig, in einem Teil der Welt zu leben, in der so viele schöne Städte so dicht beieinander liegen und wir es einfach haben, uns gegenseitig zu besuchen.

Haben Sie trotzdem noch die Zeit, die Stadt an einem solchen Interviewtag wie heute zu erkunden?

(flüstert) Nein. (lacht laut) Aber dafür habe ich einen unglaublichen Blick aus meinem Fenster. Ich kann die Elefanten des Zoos von dort sehen. Das ist wirklich erstaunlich. Das letzte Mal habe ich Elefanten gesehen, als wir in Afrika gedreht haben. Ich hätte nicht erwartet, dass sich dieses Erlebnis in Berlin wiederholen würde.

Bleiben Sie denn jetzt auf diesem Kontinent? Tom Cruise startet ja in Kürze die Dreharbeiten zu Mission Impossible 5 in Wien. Sind Sie dann auch mit dabei?

Ja, Ende August geht es los.

Gibt es dazu vielleicht schon irgendetwas Interessantes zu erzählen?

Ich weiß leider noch überhaupt nichts darüber. Ich habe das Script noch nicht gesehen und weiß wirklich überhaupt nichts über die Story. Ich weiß nur, dass wir in Wien starten und ich dort noch nie gewesen bin. Daher bin ich schon sehr aufgeregt.

Aber warum nehmen Sie eine Rolle an, wenn Sie überhaupt nichts darüber wissen?

Das nennt sich „vertragliche Verpflichtung“. Als ich für den ersten Teil unterschrieben, habe ich für eine Vielzahl von weiteren Teilen unterschrieben. Ich bin darüber aber sehr froh und freue mich auf die Zusammenarbeit mit Christopher McQuarrie (dem Regisseur). Ich liebe es zudem, mit Tom Cruise zu arbeiten und außerdem bedeuten diese großen Filme auch immer jede Menge Spaß. Ich weiß, was mich dort erwartet, also gehe ich nicht vollkommen blind in die Dreharbeiten. Und ein Teil der Verinbarung zum vierten Teil war es eben, einen fünften zu drehen. Ich habe da keine Wahl.

Sie sind inzwischen in so viele Franchises involviert, wie z.B. Mission Impossible, Star Trek. Wie finden Sie trotzdem die Zeit, einen Film wie diesen zu drehen?

Man macht es einfach. Filme wie Star Trek oder Mission Impossible passieren einmal in drei oder vier Jahren und dazwischen ist jede Menge Zeit. Man muss seine Zeit nur vernünftig planen. Für jeden großen Film versuche ich eine Handvoll kleinerer Filme zu drehen, die dann persönlicher und ernster sind. Wobei „ernst“ vielleicht der falsche Begriff ist – vielleicht vielmehr weniger von der Unterhaltung angetrieben und nachdenklicher.

Hat denn die Produktionsfirma eines Blockbusters das Recht zu bestimmen, wann Sie wo zu sein haben?

Ja, das haben sie. Das ist im gewissen Sinne der Preis, den man dafür bezahlt. Aber es ist kein teurer Preis, denn ich mag es genauso, einen Blockbuster zu drehen, wie einen kleinen Film. Es ist nur eine andere Art der Freude. Also ja, Paramount hat das Recht, den Ort und die Zeit des Drehs zu bestimmen. Bislang ist das aber auch noch nie mit einem anderen Film kollidiert. Aber irgendwann wird es das vielleicht einmal.

Sehen Sie sich selbst als eine glückliche Person und falls ja, war es eine lange Reise bis dorthin?

Ja, ich bezeichne mich durchaus als einen glücklichen Menschen. Es war eine 44-jährige Reise. Es ist ein Zeitpunkt in unserem Leben, an dem wir alle zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt ankommen – mache von uns nie uns und manche sehr früh. Es geht darum, herauszufinden, welchen Platz man im Universum oder in der Welt einnimmt. Um weniger spirituell oder pragmatisch zu klingen: Es geht darum, herauszufinden, wer Du bist und was das alles für Dich bedeutet. Wenn Du irgendwann ein tieferes Verständnis dafür hast, was das ist, ermöglicht es es Dir, auch sonst im Leben glücklich zu sein. Es gibt viele Dinge, die Dich kurzfristig glücklich machen können, ob nun Musik hören, shoppen gehen oder essen, aber so lange Du nicht im Innern grundlegend glücklich bist, dann machen Dich solche Dinge nicht wirklich glücklich. Uns werden immer wieder schnelle Lösungen angeboten, glücklich zu werden nach dem Motto „Iss dies“, „trink das“, „sei so“ oder „gehe dorthin“. Aber das ist nicht der Fall, so lange man nicht auf einer tieferen Ebene glücklich ist.

Was macht Sie auf die Schnelle glücklich?

Snowboarding. Aber auch mit meiner Familien Zeit verbringen zu können. Obwohl das mehr die tiefere Ebene betrifft. Zu den Dingen, die mich kurzzeitig glücklich machen, zählt in jedem Fall Sport.

Hat Tom Cruise Ihnen nicht sogar Ihr erstes Snowboard geschenkt?

Nein, er hat mir EIN Snowboard geschenkt, aber das war nicht mein erstes.

Dürfen Sie denn überhaupt noch snowboarden gehen?

Nein, nicht wenn ich arbeite, natürlich aus Versicherungsgründen.

Was macht Sie denn unglücklich?

Kein Snowboard fahren zu dürfen aus versicherungstechnischen Gründen. (lacht) Aber auch Inaktivität. Ich liebe es, zu arbeiten und aktiv zu sein. Von den Dingen abgehalten zu werden, die mein Glücklichsein steigern – das macht mich unglücklich. Das ist zwar sehr offensichlich, aber es stimmt.

Vielleicht aber auch das Schauen der Nachrichten?

Im Moment auf jeden Fall! Schrecklich! Ich hasse es, so viele Menschen zu sehen, die in die Auswirkungen des Glaubens und der Ziele von kleinen Gruppen hineingezogen werden. Das ist irrsinnig! In unserer gesamten Geschichte werden wir immer wieder dazu gedrängt, für die Bedürfnisse solch kleiner Gruppen bezahlen zu müssen. Verbissene Menschen mit agressiven Zielen, die nur dann glücklich sind, wenn sie das Laben anderer zerstören können. Schrecklich. Ich wünschte, wir hätten das überwunden, aber dem ist leider nicht so.

Haben Sie durch den Film irgendetwas über Glück erfahren, dass Sie vorher noch nicht kannten?

Es hat vielmehr meine Sichtweise auf einige Dinge geändert. Dinge, die wir womöglich alle kennen, wenn auch vielleicht nur unterbewusst. Die Aussage, dass Unglück zu vermeiden nicht der Weg ist zum Glück, ist für mich auch der wichtigste Spruch, der im Film genannt wird. Das ist das, was uns der Film wirklich sagen will. Es ist wichtig, jede Facette unseres emotionalen Spektrums anzunehmen. Um zu wissen, was Glück bedeutet, muss man Angst kennen oder einsam sein. All das ist wichtig um die wahre Bedeutung von Glück zu verstehen. Ansonsten kann man wahres Glück nicht erfassen.

Ich habe Menschen in verschiedenen Ländern in purer Verzweiflung gesehen, wie z.B. die Bewohner in den Vororten von Südafrika, Soweto und den Townships von Brazzaville, die täglich von der Hand in den Mund leben, die mehr überleben als zu leben, aber die dennoch ein ehrlicheres Verständnis von Glück haben, als die Menschen, die in der Überflussgesellschaft leben, die weniger glücklich sind, obwohl sie mehr haben. Das klingt vielleicht sehr reduziert und es ist einfach gesagt, dass man glücklicher ist, je weniger man hat, aber man kann darüber streiten. Aber wenn man ein Leben führt, das auf dem Überleben basiert, dann hat man ein klareres Verständnis von Glück, denn man erkennt es, wenn es zu einem kommt.

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