Im Rosengarten

11.12.2025

Was genau ist eigentlich „Heimat“? Dieser Frage möchte der Autor und Regisseur Leis Bagdach in seinem Regiedebüt IM ROSENGARTEN auf den Grund gehen.

Eigentlich befindet sich der Popstar Yak (Kostja Ullmann) auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch dem Berliner Rap-Star geht es alles andere als gut: Midlife-Crisis, Schreibblockade, Burnout, Drogenexzesse. Aber das passt alles wunderbar zur Biografie seiner Künstlerfigur FTHR, meint sein Manager. Dann erhält Yak einen Anruf aus Köln. Sein Vater liegt im Sterben. Der Vater, der vor 30 Jahren zurück nach Syrien gegangen ist, ihn und seine deutsche Mutter im Stich gelassen hat und sich nie wieder gemeldet hat. Völlig aufgewühlt schnappt sich Yak seinen alten Wagen und fährt nach Köln.

Dort liegt sein Vater im Koma und Yak erfährt, dass er eine 15-jährige Halbschwester hat, um die er sich kümmern soll. Das Problem: Latifa (Safinaz Sattar) spricht weder deutsch noch englisch, Yak hingegen kein arabisch. Widerwillig nimmt er Latifa mit, und die beiden begeben sich auf eine Odyssee durch Deutschland, die immer mehr zu einer Suche nach den eigenen Wurzeln wird…

IM ROSENGARTEN ist autobiographisch geprägt: Genau wie seine Mutter wurde Leis Bagdach in Köln geboren, der Vater ist Syrer. Schon als Kind musste er sich anhören, dass er ja deshalb auch automatisch ein Syrer sei, schließlich wäre das ja sein Vaterland. Lange vor dem Erstarken der rechtsextremen AfD galt für viele in Deutschland: „Nur wer hellhäutig ist und/oder blonde Haare und blaue Augen hat, darf dieses Land ‚Heimat‘ nennen“, so Bagdach über die Beweggründe für seinen Film. Doch was genau bedeutet der Begriff „Heimat“ eigentlich?

Für die Figur des Yak bedeutet die Suche danach vor allem eines: Zerrissenheit. Einerseits liebt er die hiesige Kultur und Natur, andererseits bedrückt ihn die Fremdenfeindlichkeit, und er möchte sie am liebsten ohne Rücksicht auf Verluste zerstören. Nicht umsonst hat er sich „fck the roots“ ins Gesicht tätowiert.

Auf der anderen Seite der neu hinzugekommene Familienzuwachs: Latifa befindet sich plötzlich in einem fremden Land, und ihre einzige Bezugsperson liegt im Koma. Während Yak anfangs alles daran setzt, seine Halbschwester einfach irgendwo abzugeben, erkennt er irgendwann in ihr einen Ausweg aus seinem Dilemma.

Das sind alles wunderbare Versatzstücke, mit denen Leis Bagdach hier arbeitet. Hinzu kommt noch der weit zurückliegende Selbstmord seiner Mutter, der immer wieder vor seinem geistigen Auge abläuft, eine alte Liebe, einstige Freunde und die Großeltern mütterlicherseits. Manchmal hat man das Gefühl, Bagdach hätte da ein wenig zu viel in die 100 Minuten packen wollten, andererseits begründen diese Punkte aber auch den Zustand, in dem seine Figur Yak steckt.

Es ist im Verlauf der gut anderthalb Stunden aber auch auf lange Strecken schwer, in der Geschichte etwas Positives zu entdecken, zumal Bagdach und sein Kameramann Andreas Bergmann das alles in sehr dunkle Bilder verpacken. Für meinen Geschmack oftmals sogar viel zu dunkel.

Aber man merkt IM ROSENGARTEN an, dass es sich um eine persönliche Geschichte handelt. Und Kostja Ullmann (was für eine großartige Besetzung!) und Safinaz Sattar füllen ihre Rollen glaubhaft mit Leben – oder was davon noch übrig ist. Und auch wenn die Schwere des Films manchmal unerträglich scheint, ist am Ende klar: Der Weg ist das Ziel.

Trailer

ab12

Originaltitel

Im Rosengarten (Deutschland 2024)

Länge

100 Minuten

Genre

Drama

Regie

Leis Bagdach

Drehbuch

Leis Bagdach

Kamera / Bildgestaltung

Andreas Bergmann

Darsteller

Kostja Ullmann, Safinaz Sattar, Verena Altenberger, Tom Lass, Ursula Werner, Husam Chadat, Petra Schmidt-Schaller, Nico Seyfrid Aka Nico K.I.Z, Bayan Layla

Verleih

Four Guys Film Distribution

Filmwebsite

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