Ich bin dein Mensch

Kinostart: 01.07.2021

ab12 OT: Ich bin dein Mensch (Deutschland 2021)
Länge: 108 Minuten
Genre: Drama
Regie: Maria Schrader
Drehbuch: Jan Schomburg, Maria Schrader
Darsteller: Maren Eggert, Dan Stevens, Sandra Hüller, Hans Löw, Wolfgang Hübsch, Annika Meier, Falilou Seck, Jürgen Tarrach, Henriette Richter-Röhl, Monika Oschek
Verleih: Majestic Filmverleih GmbH

Vor sieben Jahren gab es einen wunderbaren Film über einen Versuch, ob ein Mann mit einem weiblichen Roboter leben kann: „Ex Machina“ von Alex Garland mit Alicia Vikander, Domhnall Gleeson und Oscar Isaac. Die deutsche Schauspielerin Maria Schrader hat jetzt bei einem ähnlichem Thema in „Ich bin dein Mensch“ mit ihrer dritten Regiearbeit einen noch schöneren, herzerwärmenden Film über diese scheinbar „unmögliche“ Beziehung vorgelegt. Für diesen auf der Berlinale gezeigten Film erhielt Maren Eggert für ihre Hauptrolle den Silbernen Bären als beste Darstellerin. Völlig verdient!

Die Wissenschaftlerin Alma (Eggert), Expertin für sumerische Keilschrift, arbeitet im Berliner Pergamon-Museum. Um mehr Forschungsgeld an Land zu ziehen, erklärt sie sich bereit, an einem Experiment teilzunehmen. Angeleitet von einer undurchsichtigen Mitarbeiterin (Sandra Hüller) soll sie drei Wochen lang mit einem humanoiden Roboter namens Tom (Dan Stevens) zusammenleben, dessen Programmierung gezielt auf ihren Charakter und ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Geplant ist, sie in ihn verliebt zu machen, zumal sie sich vor kurzem von ihren Freund (Hans Löw) getrennt hatte. Trotz aller Vorbehalte darf Tom, ein Traum von einem Mann, bei ihr einziehen. Sein englischer Akzent soll bei ihr besondere Gefühle erzeugen, wie er ihr freimütig gesteht. Er isst nicht, er trinkt nicht, er schläft nicht – eigentlich der perfekte Mann. Doch die beziehungsunfähige Alma lässt ihn nicht an sich heran, zu tief sind ihre emotionalen Wunden.

Wie das Verhältnis der beiden sich langsam entfaltet, inszeniert Maria Schrader mit viel Intensität und großer Poesie. Und auch der Humor kommt nicht zu kurz – denn wer weiß schon, wie bizarr ein Roboter reagieren kann. Alma stellt Tom ihrem senilen Vater und auf Partys als Kollege aus England vor – doch wohl ist sie sich nicht in ihrer Haut. Bei einem nächtlichen Treffen im Museum kommen sich die beiden körperlich näher, und Alma hat den Sex ihres Lebens. Doch am Morgen danach schmeisst sie verstört Tom aus ihrer Wohnung.

Maria Schrader greift in ihrem mitreißenden Film tiefgreifende menschliche Fragen auf: Wie entstehen Beziehungen, wie kann man sie am Leben erhalten? Was erwarte ich vom Partner, was er von mir? Als Tom nach seinem Rauswurf wie vom Erdboden verschwunden ist, ahnt sie wo er ist. Als Jugendliche hatte sie bei einem Urlaub in Dänemark einen Jungen angehimmelt, der der junge Tom sein könnte. Vielleicht wurde er auch nach ihm erschaffen. Der Film lässt bewusst vieles offen. Am Ende reist Alma nach Norden. Auf der Fähre kommt sie zu der resignierenden Erkenntnis, dass menschliche Beziehungen keine Zukunft haben. Aber wer will schon mit einem Roboter zusammenleben, obwohl das möglicherweise besser funktionieren könnte? Trauriger Schluss eines grandiosen Films!

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