Mit seinem Regiedebüt HOW TO BE NORMAL – UND DER VERSUCH, SICH SELBST ZU VERSTEHEN liefert Regisseur Florian Pochlatko einen liebenswert verstörenden Blick auf ein junges Leben nach der Psychiatrie.
Irgendetwas stimmt nicht mit ihrer Welt. Oder vielleicht sogar mit Pia (Luisa-Céline Gaffron) selbst? Frisch aus der Psychiatrie entlassen zieht die junge Frau wieder bei Ihren Eltern ein und trifft dort auf eine Mischung aus Hilflosigkeit, Alltagsritualen und Zumutungen. Ihr Vater drängt sie zur Arbeit, ihre Therapeutin pocht auf „mehr Teilhabe“, und ihre Mutter verliert sich in der Fürsorge. Und Pia? Die entgleitet mehr und mehr der Wirklichkeit…
Auf der diesjährigen Berlinale war HOW TO BE NORMAL – UND DER VERSUCH, SICH SELBST ZU VERSTEHEN für mich einer der letzten Filme in einer langen Reihe von Sichtungen. Die Festivalmüdigkeit setzte verstärkt ein, und so manches Mal stand ich vor oder während eines Films vor der Entscheidung, ob es an diesem Punkt vielleicht besser sei, einfach abzubrechen. Nicht weil ein Film nicht gut war, sondern weil ich ihm schlichtweg nicht die Aufmerksamkeit geben konnte, die er verdienen würde. Doch in diesem Fall war es anders. Der Film zog mich sofort in seinen Bann und ließ mich bis zum Ende nicht mehr los. Doch all das, was da auf der großen Leinwand passiert ist, war so komplex und überwältigend, dass es mir im Nachhinein schwer fällt, das alles in einem schlüssigen Text zusammenfassen zu können.
Aber vielleicht muss man das auch gar nicht. Denn HOW TO BE NORMAL hält sich auch nicht an gängige Konventionen. Immer wieder ändert Regisseur und Drehbuchautor Florian Pochlatko den Stil und lässt das bisher Erzählte hinter sich. Im ersten Moment war das verwirrend, doch auf diese Art und Weise gelingt es dem Film, die psychiatrische Diagnose der Protagonistin für den Zuschauer greifbar und erlebbar zu machen. Das weckt Erinnerungen an Filme wie „The Father“ mit Anthony Hopkins oder „Fight Club“ mit Edward Norton und Brad Pitt, wobei letzterer hier sogar in Form eines Tattoos referenziert wird.
Natürlich hätte diese auf den ersten Blick auch als zügellos zu bezeichnende Herangehensweise auch nach hinten losgehen können, doch irgendwie gelingt es Pochlatko, die einzelnen Versatzstücke zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzufügen. Zudem mag ich es persönlich besonders gerne, wenn Filmemacher sich ganz auf ihre Vision verlassen und nicht davor zurückschrecken, damit vielleicht den einen oder anderen Zuschauer zu vergraulen. Davor ziehe ich immer wieder meinen Hut.
HOW TO BE NORMAL ist zudem gespickt mit Filmzitaten, schließlich ist die Hauptfigur selbst ein großer Filmfan. Doch um all diese Anspielungen zu erfassen, reicht eine einzige Sichtung allein bei Weitem nicht aus. Daher belasse ich es an dieser Stelle mit einer beherzten Empfehlung an alle Filmnerds, diese Puzzleteile zu entdecken. Und an alle, die sich in der Filmwelt nicht so perfekt auskennen: Das macht überhaupt nichts, denn HOW TO BE NORMAL funktioniert auch ohne fundiertes Filmwissen und macht dabei mindestens genauso viel Spaß!
How to Be Normal (Österreich 2025)
103 Minuten
Drama
Florian Pochlatko
Florian Pochlatko
Adrian Bidron
Luisa-Céline Gaffron, Elke Winkens, Cornelius Obonya, Felix Pöchhacker, David Scheid, Lion Thomas Tatzber
W-film Distribution