Horst Schlämmer sucht das Glück

26.03.2026

HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK, doch leider findet Hape Kerkelings Paradefigur nur Banalitäten und Momente des Fremdschams.

Horst Schlämmer hat die Nase gestrichen voll. Aber sowas von voll. Steigende Preise, schlechte Stimmung – und jetzt soll wurde aus seiner Stammkneipe auch noch ein Waschsalon. Es reicht! Also begibt sich der stellvertretende Chefredakteur vom Grevenbroicher Tagblatt auf eine Reise quer durch Deutschland, um herauszufinden, wie man wieder glücklich wird. Von Süddeutschland bis Sylt, von Berlin bis Büsum – per Anhalter, Krabbenkutter oder Schienenersatzverkehr: Horst Schlämmer trifft auf die unterschiedlichsten Menschen, fragt knallhart nach und kommt dem Glück trotzdem nicht so recht auf die Spur…

Schon seit meiner Kindheit bin ich ein großer Fan von Hape Kerkeling. Von „Hannilein“ über „Total Normal“ bis hin zu seinem Streich als Königin Beatrix – immer stand Kerkeling in meinen Augen für albernen Humor, bei dem aber zwischen den Zeilen etwas tiefgründigeres entdecken konnte. Bereits im Januar kehrte Kerkeling aus dem Ruhestand zurück, konnte mit „Extrawurst“ aber bereits nicht so richtig überzeugen. Im Nachhinein muss ich jedoch zugeben, dass der Film zumindest eine gewisse Sozialkritik mitschwingen ließ.

Das ist bei HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK nun leider wirklich nicht der Fall. Zwar zeigt uns der Film, dass das Glück an sich etwas sehr subjektives ist, aber hey, wem ist das nicht bewusst? Doch warum muss man dazu den bayerischen Ministerpräsidenten und Selbstdarsteller Markus Söder befragen? Oder den umstrittenen und ewig gestrigen Kölner Kardinal Woelki, der sich im Missbrauchs-Skandal der Kirche wahrlich nicht von seiner besten Seite gezeigt hat – um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Aber auch Szenen mit der ansonsten großartigen Meltem Kaplan („Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush“) als Schaffnerin der Bahn, die sich im weiteren Verlauf als Domina entpuppt, taugen mehr zum Fremdschämen als zum Lachen. Was haben sich Drehbuchautor Claudius Pläging und Regisseur Sven Unterwaldt nur dabei gedacht?

Dass sich das Thema aber überhaupt nicht für einen 93 Minuten langen Film eignet, zeigt sich anhand der eingestreuten „Filmschnipsel“ der Lieblingsschauspielerin von Horst Schlämmer: Gabi Wampel (Tahnee Schaffarczyk). Immer wieder erinnert sich Schlämmer an die schönen Stunden, die er vor dem Fernseher mit „seiner“ Gabi verbracht hat. Ob Formate wie „Kommissarin Sittich“, „Ferien am Fichtelsee“, „Kreuzfahrt unter Palmen“ oder „Familie zu verschenken“ – allesamt Parodien der schlimmsten und seichtesten TV-Unterhaltung der letzten 60 Jahre. Und auch wenn es quasi die Schlämmersche Antwort auf die Frage nach dem Glück ist – irgendwann wird auch dieser Teil des Films mehr als nur nervig. So etwas funktioniert vielleicht dezent dosiert in einer wöchentlichen Comedy-Show, komprimiert auf 93 Minuten ist das aber nur noch eine einzige Qual. Und hier dient es überwiegend dazu, die Spielfreude Kerkelings zu unterstreichen, schließlich tritt er in jedem dieser Ausschnitte in einer anderen Rolle auf.

Viel schlimmer fällt aber ins Gewicht, dass HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK die Bissigkeit des bisherigen Kerkling-Werks fehlt. Ansatzpunkt für eine echte Gesellschaftskritik hätte es an vielen Stellen gegeben, doch die lässt der Film lautlos verpuffen. Stattdessen macht die Figur des Horst Schlämmer einfach weiter mit ihren teils frauenverachtenden Witzen. Die werden zwar aus dem Off von der Kamerafrau kritisiert, dabei bleibt es dann aber auch. Ganz im Gegensatz zur Figur des Bernd Stromberg, die in „Stromberg – Wieder alles wie immer“ tatsächlich ausgezählt und vorgeführt wird – zumindest in Grenzen.

Einen winzig kleinen Lichtblick offenbart HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK dann aber doch noch: Wenn irgendwann Horst Schlämmer auf den echten Hape Kerkeling trifft, dann wird man als Zuschauer Zeuge einer gewissen Art von Selbstironie – davon hätte der Film viel mehr gebraucht.

Nein, HORST SCHLÄMMER SUCHT DAS GLÜCK ist definitiv nicht der Befreiungsschlag, den das deutsche Comedy-Kino dringend benötigt. Er ist vielmehr der kreative Tiefpunkt auf der Beerdigungsfeier des deutschen Humors.

Trailer

ab6

Originaltitel

Horst Schlämmer sucht das Glück (Deutschland 2026)

Länge

93 Minuten

Genre

Komödie

Regie

Sven Unterwaldt

Drehbuch

Claudius Pläging

Kamera / Bildgestaltung

Stephan Schuh

Darsteller

Hape Kerkeling, Tahnee Schaffarczyk, Meltem Kaptan, Laura Thomas, Jördis Triebel, Eva Habermann, Norbert Heisterkamp, Patrick Joswig, Peter Trabner, Victoria Fleer, Kerstin Thielemann, Christian Hockenbrink, Lisa-Maria Sommerfeld, Ulrich Bähnk, Jochen Busse, Torsten Hammann, Christian Rudolf, Pegan van Pelt, Ann-Cathrin Sudhoff, Vito Sack, Akeem van Flodrop

Verleih

Leonine Distribution GmbH

Filmwebsite

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