Home

Kinostart: 29.07.2021

ab12 OT: Home (Deutschland / Niederlande 2020)
Länge: 100 Minuten
Genre: Drama
Regie: Franka Potente
Drehbuch: Franka Potente
Darsteller: Jake McLaughlin, Kathy Bates, Aisling Franciosi, Derek Richardson, James Jordan, Lil Rel Howery, Stephen Root
Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

Bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert steht Franka Potente als Schauspielerin vor der Kamera, aber erst jetzt (wenn man von einem Kurzfilm 2006 absieht) zieht es sie hinter die Kamera. Mit HOME liefert sie ein starkes, atmosphärisch extrem dichtes Regiedebüt, das noch lange nachhallt. 

17 Jahre hat Marvin (Jake McLaughlin) im Gefängnis verbracht, jetzt kehrt er in seine Heimatstadt Newhall zurück. Nichts scheint sich verändert zu haben: Seine kranke Mutter (Kathy Bates) lebt immer noch im selben heruntergekommenen Haus seiner Kindheit, und auch alle anderen Bewohner scheinen irgendwie auf der Stelle zu treten. Schnell merkt er, dass die Bewohner des Örtchens seine Tat auch nach all den Jahren nicht vergessen haben. Besonders der Flintow-Clan begegnet ihm mit unverhohlenem Hass. Aber Marvin ist bereit, sich den Konsequenzen seiner Tat zu stellen, und so langsam beginnt er, das Vertrauen der jungen Delta Flintow (Aisling Franciosi) zu gewinnen.

Potente findet genau die richtigen Bilder für ihre Geschichte. Monochrome, kalte Farben unterstreichen die Hoffnungslosigkeit der Menschen in Newhall. Jeder hat hier sein Päckchen zu tragen und ist entweder im Hamsterrad gefangen oder hat sich bereits selbst aufgegeben. Der Hass, der Marvin entgegenschlägt, ist allgegenwärtig und schreckt selbst vor Orten wie der Kirche nicht zurück. Niemand scheint hier auf die Idee zu kommen, einen Neuanfang zu wagen oder auch nur ein klein wenig auszubrechen. Denn der Weg dorthin würde bedeuten, sich mit den eigenen Schwächen und Fehlern auseinanderzusetzen. Nein, dann packen wir doch lieber den eigenen Hass aus und stürzen uns auf die Anderen.

Jake McLaughlin ist in der Rolle des Marvin eine absolute Traumbesetzung. Wie er dem gebrochenen Mann Leben einhaucht, der sich selbst in einer Schlägerei nicht aus der Ruhe bringen lässt, ist beeindruckend. Diese Figur scheint so gar nicht zu der zu passen, die er offenbar vor 17 Jahren war. In jedem Blick, jeder Geste ist zu erkennen, wie sehr er sich zusammenreißt, um bloß das Richtige zu tun. 

Für welche Tat Marvin 17 Jahre im Knast verbracht hat, wird erst im Laufe des Films klar. Geschickt legt Potente einige Fährten, die den Zuschauer zum Denken anregen. Hat er die Tat wirklich begangen? War es vielleicht Notwehr? Oder war alles vielleicht sogar vollkommen anders? Die Gedanken kreisen immer wieder um diese Fragen, bis irgendwann klar wird, dass das völlig irrelevant ist. Es spielt schlichtweg keine Rolle, und so verweigert sich der Film auch einer konkreten Aussage. Es geht schließlich einzig und allein um das Thema Vergebung und Mitgefühl. Denn nur wer in der Lage ist, zu vergeben, bekommt die Möglichkeit, hinter die Fassade eines Menschen zu blicken – und damit vielleicht so etwas wie die Chance auf ein besseres Leben. Ein unfassbar starker Film!

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