Hannes

Kinostart: 25.11.2021

ab12 OT: Hannes (Deutschland 2020)
Länge: 91 Minuten
Genre: Drama
Regie: Hans Steinbichler
Drehbuch: Dominikus Steinbichler
Darsteller: Leonard Scheicher, Johannes Nussbaum, Hannelore Elsner, Heiner Lauterbach, Gabriela Maria Schmeide, Verena Altenberger, Lisa Vicari, Jeanette Hain, Roland Schreglmann, Klaus Steinbacher, Nicki von Tempelhoff, Michael Kranz
Verleih: Studiocanal GmbH

Es hätte so ein schöner Film über Freundschaft, Vertrauen und Verlust werden können – doch stattdessen setzt HANNES komplett auf unglaubwürdige Charaktere und hakt ein Klischee nach dem anderen ab. Ein Ärgernis. 

Moritz (Leonard Scheicher) und Hannes (Johannes Nussbaum) sind seit jeher die besten Freunde. Unzertrennlich, obwohl sie eigentlich ungleicher nicht sein könnten. Moritz ist eher der Träumer, der eigentlich immer in irgendwelchen Schwierigkeiten steckt, wohingegen Hannes, der Draufgänger, sein Leben scheinbar vollends im Griff hat. Doch dann geschieht auf einer gemeinsamen Motorradtour das Unfassbare: Hannes verunglückt, fällt ins Koma, und niemand weiß, ob er daraus jemals wieder aufwachen wird. Doch Moritz, von Schuldgefühlen geplagt, weil Hannes auf seinem defekten Bike saß, glaubt fest daran und entschließt sich, bis dahin das Leben von Hannes für ihn weiterzuleben. Er übernimmt seinen Job in einem Pflegeheim und verbringt jede freie Minute an Hannes Krankenbett… 

Eigentlich beginnt der Film recht vielversprechend. Nach einer kurzen Einführung geschieht der fatale Unfall. Als Zuschauer sehen wir, wie Hannes hinter Moritz ins Straucheln gerät und mit dem Motorrad fällt. Moritz vernimmt jedoch nur das Ausbleiben des Motorengeräuschs und ahnt bereits Schreckliches. Diese Sekunden des Nichtwissens, unfähig den Kopf zu drehen und sich Gewissheit zu verschaffen, zählt definitiv zu den besten Szenen des Films. Schrödingers Katze lässt grüßen. 

Doch ab diesem Zeitpunkt geht es bergab. Was folgt sind eindimensionale Figuren, deren Handlungen sich immer wieder überhaupt nicht aus der Situation ergeben. So wirken sie fremd, ja fast schon unglaubwürdig. Das stört im weiteren Verlauf immer mehr, bis es irgendwann unerträglich wird. 

Hinzu kommt der Freundeskreis der beiden Jungs, die irgendwie seltsam und merkwürdig wirken. Ob das an eventuell mangelnder Schauspielerfahrung liegt, lässt sich leider nicht wirklich sagen. In jedem Fall sorgt diese Gruppe für die seltsamsten Szenen des Films. 

Ansonsten hakt der Film munter diverse Klischees ab, wie Gabriela Maria Schmeide (eine der wenigen guten Darsteller im Film) als Nonne, die auch dem Rauchen nicht abgeneigt ist oder Hannelore Elsner in einer ihrer letzten Rollen. Warum sie unbedingt die verwirrte alte Dame spielen wollte, die sich mehr als merkwürdig verhält, ist mir schleierhaft.

Ich versuche eigentlich immer zu vermeiden, einen Film als „schlecht“ zu bezeichnen, weil ich glaube, dass es immer irgendjemanden gibt, der hier sein ganzes Herzblut reingesteckt hat. Daher versuche ich immer zu eruieren, ob ein Film beispielsweise vielleicht einfach nicht meinem Humorempfinden entspricht, oder ob er schlichtweg handwerkliche Fehler aufweist. In diesem Fall waren es aber einfach 91 Minuten, über die ich mich im Nachhinein wirklich geärgert habe. 

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