Goodbye Julia

Bei jedem Filmfest erlebt man ungeahnte Entdeckungen. So auch beim Filmfest Hamburg 2023! Das sudanesische Melodram GOODBYE JULIA von Mohamed Kordofani zählte in meinen Augen zu den Höhepunkten der zehn Tage. Hier hat es ein Regisseur in seinem intensiven Spielfilmdebüt verstanden, das Private mit dem Politischen zu verbinden. Das gelingt nicht jedem!

Die gutsituierte Mona (Eiman Yousif) lebt mit ihrem Mann in einer Villa in der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Aus religiösen Gründen hatte er ihr verboten, ihren Beruf als Sängerin weiterhin auszuüben. Bei einem ihrer heimlichen Ausflüge zu einem Jazzkonzert fährt sie aus Unachtsamkeit einen kleinen Jungen an. Aus Panik flieht sie vom Unfallort, wird aber dabei vom Vater des Jungen entdeckt, der sie bis zu ihrem Haus verfolgt. Dort erschießt Monas Mann den angeblichen Angreifer – wird aber wegen vermeintlicher Notwehr freigesprochen, ohne die Hintergründe zu kennen.

Doch Mona wird mit ihrer Schuld nicht fertig und knüpft Kontakt zur Witwe Julia (Siran Riak) und derem Sohn, der beim Zusammenstoß nur leicht verletzt worden war. Sie bietet Julia einen Job als Hausangestellte an, und ist bereit, dem Jungen einen Platz in einer Privatschule zu bezahlen. Die Pointe: Mona zählt zur islamisch geprägten Oberschicht – Julia ist Flüchtling aus dem christlichen Südsudan. Dieser Religionskonflikt zieht sich durch den ganzen Film.

Die besondere Beziehung der beiden Frauen ist Monas Mann ein Dorn im Auge, da er die Zusammenhänge nicht begreift. Am Ende spaltet sich der Südsudan bei einer Abstimmung vom Nordsudan ab – und wird selbstständig. (Ist aber immer noch eines der ärmsten Länder der Welt.)

Was uns alle zu Tränen rührt: Julia hatte ziemlich früh die Zusammenhänge begriffen, aber den Mund gehalten. GOODBYE JULIA ist ein einfühlsames Porträt über zwei engagierte Frauen mit zwei völlig verschiedenen Lebensentwürfen.

Ein großer Film über Schuld, Freundschaft, Vergebung, Religion und Politik. Wie schön, dass wir GOODBYE JULIA beim Filmfest Hamburg sehen durften.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
FSK noch unbekannt

Originaltitel

Goodbye Julia (Sudan 2023)

Länge

120 Minuten

Genre

Drama

Regie

Mohamed Kordofani

Drehbuch

Mohamed Kordofani

Darsteller

Ger Duany, Siran Riak, Nazar Gomaa, Eiman Yousif

Verleih

Cinemalovers e.V.

Filmwebsite

» zur Filmwebsite

Weitere Beiträge in dieser Kategorie

FFHH | 2023 | Kritik
overview

King’s Land

 Dänemark / Schweden / Norwegen / Deitschland 2023 |  128 Minuten |  Drama / Historie
FFHH | 2023 | Kritik
overview

Irdische Verse

 Iran 2023 |  77 Minuten |  Komödie / Drama
FFHH | 2023 | Kritik
overview

La Chimera

 Italien 2023 |  133 Minuten |  Komödie / Tragikomödie / Drama
FFHH | 2023 | Kritik
overview

Slow

 Litauen / Spanien / Schweder 2023 |  108 Minuten |  Drama
FFHH | 2022 | Kritik
overview

America

 Deutschland / Israel / Tschechoslowakei 2022 |  127 Minuten |  Drama
FFHH | 2023 | Kritik
overview

Sultanas Traum

 Spanien / Deutschland 2023 |  87 Minuten |  Abenteuer / Animation / Drama
FFHH | 2023 | Kritik
overview

Poor Things

 USA 2023 |  141 Minuten |  Drama / Komödie / Fantasy
FFHH | 2023 | Kritik
overview

Im letzten Sommer

 Frankreich 2023 |  104 Minuten |  Drama / Thriller
FFHH | 2023 | Kritik
overview

Priscilla

 USA 2023 |  113 Minuten |  Biographie / Drama
FFHH | 2023 | Kritik
overview

Perfect Days

 Japan 2023 |  124 Minuten |  Drama
FFHH | 2023 | Kritik
overview

All Eure Gesichter

 Frankreich 2023 |  118 Minuten |  Drama
FFHH | 2023 | Kritik
overview

How to Have Sex

 Großbritannien / Griechenland 2023 |  91 Minuten |  Drama