Generation Beziehungsunfähig

Kinostart: 29.07.2021

ab12 OT: Generation Beziehungsunfähig (Deutschland 2021)
Länge: 84 Minuten
Genre: Drama / Komödie
Regie: Helena Hufnagel
Drehbuch: Hilly Martinek, Helena Hufnagel
Darsteller: Frederick Lau, Luise Heyer, Henriette Confurius, Tedros Teclebrhan, Klaus Steinbacher, Verena Altenberger, Maximilian Brückner, Victoria Trauttmansdorff, Kida Khodr Ramadan
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Ein Film, zwei Meinungen! Helena Hufnagels Film GENERATION BEZIEHUNGSUNFÄHIG hat unsere Redaktion ein wenig gespalten. Während mein Kollege Jan-Barra Hentschel schwer genervt war, konnte ich dem Film wesentlich mehr abgewinnen, genau genommen war ich sogar schwer begeistert. Daher haben wir uns entschieden, statt einer klassischen Filmkritik ein Pro und Contra zu bringen. Beginnen wir mit der Sicht meines Kollegen:

Contra von Jan-Barra Hentschel

Im Februar 2016 veröffentlichte Michael Nast sein Sachbuch „Generation Beziehungsunfähig“, das sich millionenfach verkaufte. Eine Verfilmung bot sich sofort an, doch es dauerte bis 2020, bis das Drehbuch von Hilly Martinek („Honig im Kopf“) und Regisseurin Helena Hufnagel so weit gediehen war, dass die Besetzung stand und man auf den Set konnte. Nach wenigen Wochen kam Covid-19 dazwischen, und das Drehbuch musste notgedrungen umgeschrieben werden. Diese chaotische Entstehungsgeschichte merkt man dem fertigen Film an: Hier stimmt nicht viel!

Der Möchtegern-Schriftsteller Tim (Frederick Lau) sonnt sich nach dem Erfolg seines Buches über die Beziehungsunfähigkeit seiner Generation in seinem Ruhm. Als er von seiner Agentin erfährt, dass der Rest der Auflage geschreddert wird, ist er zu Recht sauer und behauptet frech, dass er an einem neuen Buch arbeitet: über die Liebe.

Die Älteren von uns kennen noch den Spruch aus den 60er-/70er-Jahren: „Wer zweimal mit derselben pennt…“. Genauso verhält sich Tim: eine Frau für eine Nacht, aber keine feste Bindung. Sein Geld verdient er als Autor in einer Kölner Influencer-Agentur, wo die schöne Charlie (Henriette Confurius) ihn jeden Tag cool abblitzen lässt. Bei einem nächtlichen Noteinkauf an der Tankstelle schnappt ihm die geheimnisvolle Ghost (Luise Heyer) den letzten Becher mit seinem Lieblingseis vor der Nase weg und haut auch noch mit seinem Mietauto ab. Doch sein Ehrgeiz ist gepackt. Bei einem Treffen bei Freunden trifft er sie wieder, und sie haben tollen Sex. Doch Beziehung: nein, danke!

So geht es dann die nächsten 80 Minuten (länger ist der Film nicht): Sie trifft mich, sie trifft mich nicht! Matthias Reim lässt grüßen. Beziehungskomödien sind seit den 60er-Jahren ein Lieblingsthema der deutschen Regisseurinnen und Regisseure. Doch so schlecht war bislang keine! Frederick Lau spielt wieder mal sich selbst, und zwei unserer tollsten jungen Schauspielerinnen – Luise Heyer und Henriette Confurius – werden hier gnadenlos verheizt. Schade!

Pro von Michael Spangenberg

In der heutigen Zeit von Tinder & Co. scheinen die Menschen irgendwie zu verlernen, sich auf eine echte Beziehung einzulassen. Durch das ständige Überangebot diverser Apps und Webdienste tendieren sie vermehrt zu One-Night-Stands und halten versprochene Sätze wie „ich melde mich“ schon aus Prinzip nicht ein. Offenbar schwingt dabei immer die Angst mit, dass es ja vielleicht noch eine Bessere oder einen Besseren geben könnte, den man gegebenenfalls verpassen könnte. Also ist das Dating an sich schon so etwas wie das Endstadium, wie Henriette Confurius in ihre Rolle als Charlie im Film an einer Stelle feststellt. 

Diesem Phänomen geht Helena Hufnagel in ihrem neuen Film nach. Dabei liefert sie eine messerscharfe Analyse des Dilemmas ab, in dem sie die Rollen einfach einmal umdreht und den bei den Frauen beliebten Typen mit einem ebenbürtigen Gegner konfrontiert. Für diese Rollen hätte sie kaum eine bessere Besetzung finden können, als Frederick Lau und die wunderbare Luise Heyer, die sie bereits in ihrem Film „Einmal bitte alles! besetzt hatte. 

Ohne es explizit anzusprechen, zeigt Hufnagel durch die Blume, dass ihre beiden Hauptfiguren vor etwas davonlaufen. Denn das Einlassen auf eine Beziehung würde für beide auch bedeuten, dass sie sich ihren Dämonen stellen müssten. Frederick Lau spielt süffisant seine Rolle des Machos, der eigentlich viel lieber romantisch wäre, und Luise Heyers Probleme liegen gar noch wesentlich tiefer. Ich habe den beiden ihre Figuren zu jedem Zeitpunkt abnehmen können und war wirklich überrascht von so viel Tiefgang in einer deutschen Komödie. Für mich eine der stärksten deutschen Komödien der letzten Jahre.

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Filmplakat

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