Gegen den Strom

Kinostart: 13.12.2018

ab6 OT: Kona fer í stríð / Woman At War (Island / Frankreich / Ukraine 2018)
Länge: 101 Minuten
Genre: Komödie
Regie: Benedikt Erlingsson
Drehbuch: Benedikt Erlingsson, Ólafur Egill Egilsson
Darsteller: Halldóra Geirharðsdóttir, Jóhann Sigurðarson, Davíð Þór Jónsson, Magnús Trygvason Eliassen, Ómar Guðjónsson, Jörundur Ragnarsson, Juan Camillo Roman Estrada, Charlotte Bøving, Björn Thors
Verleih: Pandora Film GmbH & Co. Verleih KG

Halla (Halldóra Geirharðsdóttir) ist Chorleiterin, eine unabhängige und warmherzige, eher in sich gekehrte Frau. Doch hinter der Fassade einer gemächlichen Routine führt sie ein Doppelleben als leidenschaftliche Umweltaktivistin. Bekannt unter dem Decknamen „Die Bergfrau” bekämpft sie heimlich in einem Ein-Frau-Krieg die nationale Aluminiumindustrie. Erst mit Vandalismus und letztlich mit Industriesabotage gelingt es ihr, die Verhandlungen zwischen der isländischen Regierung und einem internationalen Investor zu stoppen.Doch dann bringt die Bewilligung eines fast schon in Vergessenheit geratenen Adoptionsantrags Halles gradlinige Pläne aus dem Takt. Entschlossen plant sie ihre letzte und kühnste Aktion als Retterin des isländischen Hochlands. 

Kritik

Dass die Isländer einen äußerst schrägen Humor haben, solltet hinreichend bekannt sein. Das ändert sich zum Glück auch nicht mit GEGEN DEN STROM, der bereits das Filmfest Hamburg eröffnete und bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck für Furore sorgte.

Ein Film wie GEGEN DEN STROM kommt natürlich nicht von ungefähr, schließlich ist den Isländern ihre Natur besonders heilig. Wo könnte ein Drama rund um eine Umweltaktivistin also besser spielen, als auf dem Inselstaat im Norden. Für seinen zweiten Film wählt der Regisseur Benedikt Erlingsson zudem eine wesentlich zugänglichere Erzählweise. Während er in seinem Erstlingswerk VON MENSCHEN UND PFERDEN noch extrem reduzierte und gewöhnungsbedürftige Szenen aneinander reihte, entspricht GEGEN DEN STROM schon wesentlich mehr den Sehgewohnheiten des Arthouse-Zuschauers. 

Trotzdem lässt sich Erlingsson sein skurrilen Momente nicht nehmen, wobei sie den Film hier wunderbar unterstützen. Die Idee, die kleine Band, die auf dem Soundtrack zu hören ist, immer mal wieder mitten in den Szenen zu platzieren, ist absolut großartig und sorgt immer wieder für Gelächter im Publikum. 

Als GEGEN DEN STROM Ende September das diesjährige Filmfest Hamburg eröffnet hat und dann auch noch den Art Cinema Award gewann, war noch gar nicht klar, welchen unglaublichen Siegeszug der Film nur vier Wochen später bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck an den Tag legen würde. Ganze vier Trophäen heimste Erlingssons Film bei der Preisverleihung im Lübecker Theater ein, darunter den NDR Filmpreis, den baltischen Preis für einen nordischen Film, den kirchlichen Preis „Interfilm“, sowie den Publikumspreis der „Lübecker Nachrichten“. Und da der Regisseur verhindert war und lediglich Videobotschaften senden konnte, musste einer seiner Hauptdarsteller, Juan Camillo Roman Estrada, gleich mehrfach auf die Bühne kommen. 

Jetzt kommt GEGEN DEN STROM endlich auch regulär in die Kinos und er sei jedem Cineasten ans Herz gelegt, der eine ehrliche Geschichte mit einer tollen Botschaft, verpackt in eine komödiantische Darstellung mag. Nicht zu vergessen natürlich die unbeschreiblich schönen Aufnahmen der isländischen Natur. Mehr geht nun wirklich nicht… 

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