Gagarin – Einmal schwerelos und zurück

15.08.2024

Sozialkritische Filme aus den Slum-Vororten von Paris – aus der sogenannten Banlieue – zählen seit Jahren zum festen Bestandteil des französischen Kinos. „Gagarine“ gehört in dieses Genre – doch der Film ist ganz anders.

Der erste Mann im Weltall, Juri Gagarin, eröffnete Mitte der 60er-Jahre höchstpersönlich eine Plattenbau-Siedlung an Rand von Paris und taufte sie mit seinem Namen. Mit diesem Wochenschau-Bericht beginnt „Gagarine“. Inzwischen droht der heruntergekommenen Siedlung der Abriss, die maroden Gebäude sind nicht mehr sicher. Doch ein 16-Jähriger, der Farbige Yuri (Alséni Bathily), hält einsam die Stellung. Heimlich hat er seine Wohnung in eine Raumstation verwandelt, in der er vom Leben als Astronaut träumt.

Die aus dem Hochhaus geworfenen Ex-Bewohner solidarisieren sich mit dem „letzten Mohikaner“ – doch alle Proteste helfen nichts: Das Sprengkommando rückt an. Was bis jetzt wie eine bissige Sozialstudie wirkte, bekommt plötzlich einen genialen Schlenker. Der Film endet in einer surrealistischen Apokalypse, die wahrscheinlich jeden Zuschauer umhaut. Dem Regieduo Fanny Liatard und Jérémy Trouilh ist ein denkwürdiges Finale gelungen, das lange nachwirkt. Davon lebt das Kino: von Filmen, die uns immer noch überraschen können.

Trailer

Im Rahmen der Berichterstattung
ab12

Originaltitel

Gagarine (Frankreich 2020)

Länge

98 Minuten

Genre

Drama

Regie

Fanny Liatard, Jérémy Trouilh

Drehbuch

Fanny Liatard, Jérémy Trouilh, Benjamin Charbit

Darsteller

Alséni Bathily, Lyna Khoudri, Jamil McCraven, Finnegan Oldfield, Farida Rahouadj, Denis Lavant

Verleih

Film Kino Text – Jürgen Lütz eK

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