Friedas Fall

16.04.2026

In ihrem beeindruckenden Langfilm-Debüt FRIEDAS FALL greift die Regisseurin Maria Brendle ein historisches Thema auf, das auch in der heutigen Zeit nichts von seiner Relevanz eingebüßt hat.

Im Jahre 1904 wird im schweizerischen Kanton St. Gallen die verscharrte Leiche eines Jungen gefunden. Schnell stellt sich heraus, dass offenbar die eigene Mutter ihr Kind getötet hat. Doch was hat die geständige Näherin Frieda Keller (Julia Buchmann) zu dieser unsäglichen Tat gebracht?

Für den Staatsanwalt Walter Gmür (Stefan Merki) ist die Sache klar, also fordert er die Todesstrafe. Friedas Pflichtverteidiger Arnold Janggen (Max Simonischek) hingegen versucht sie vor dem Galgen zu bewahren und plädiert auf Unzurechnungsfähigkeit. Durch seine Recherchen wird zwar aufgedeckt, wer der Vater des Jungen ist, doch die Gesetze zu dieser Zeit räumen einer unehelichen Frau keinerlei Rechte ein, selbst wenn es sich um eine Vergewaltigung handelt. Und so beginnt Erna Gmür (Rachel Braunschweig), die Frau des Staatsanwalts, durch ihre Nähe zu Frieda ihre Auffassung von Moral und Gleichheit zu hinterfragen. Auch Gesine Janggen (Marlene Tanczik), die Frau des Verteidigers, setzt sich entschlossen für Friedas Rechte ein und drängt ihren Ehemann dazu, für die Gleichstellung der Frau vor Gericht zu kämpfen.

In der Öffentlichkeit sorgt der Fall ebenfalls für Aufsehen, und es bilden sich erste Proteste, die das patriarchalische Rechtssystem infrage stellen. Inmitten dieses Tumults setzt sich ausgerechnet der Staatsanwalt für Friedas Gnadengesucht ein und enthüllt damit ein heuchlerisches System, das Männer schützt und Frauen für Taten zur Verantwortung, auf die sie zumindest in Teilen keinen Einfluss haben.

Die deutsch-schweizerische Regisseurin Maria Brendle, die vor vier Jahren mit ihrem Kurzfilm „Ala Kuchuu“ für einen Oscar nominiert war, legt mit FRIEDAS FALL ihr Spielfilm-Debüt vor und beeindruckt damit auf ganzer Linie. Es gelingt ihr, die Figur der Mörderin Frieda Keller darzustellen, ohne ihre Tat zu rechtfertigen oder verurteilen. Ihr Fokus lag ganz klar darin, aufzuzeigen, dass Recht und Gerechtigkeit zwei vollkommen unterschiedliche Dinge sind. Und mit dieser Aussage ist ihr Film aktueller denn je, obwohl er vor mehr als einem Jahrhundert spielt.


FRIEDAS FALL ist für mich nicht nur eine cineastische Erfahrung, sondern ein Aufruf zur Empathie und Veränderung im Streben nach einer gerechten und gleichberechtigten Gesellschaft. Die Allianz von starken weiblichen Nebenfiguren veranschaulicht die Wichtigkeit weiblicher Solidarität und engagierter Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung.

Regisseurin Maria Brendle

Der im Film thematisierte Prozess hat das schweizerische Rechtssystem nachhaltig verändert. Er befeuerte die Diskussion um die Todesstrafe und das Handeln in psychischen Ausnahmesituationen. Der Fall gilt als wegweisend in der schweizerischen Geschichte für die Gleichstellung und die Rechte der Frau. Genau das macht FRIEDAS FALL eben auch heute noch so relevant in einem nach wie vor patriarchalisch ausgeprägten System. Zwar ist die Rolle der Frau heute nicht mehr mit 1904 zu vergleichen, die aktuellen Geschehnisse und Diskussionen lassen aber keine andere Schlussfolgerung zu, als dass es immer noch ein langer Weg bis zur vollständigen Gleichheit ist.

Aber nicht nur thematisch, auch inszenatorisch überzeugt FRIEDAS FALL auf ganzer Linie. Besonders Julia Buchmanns Verkörperung der Frieda Keller ist mehr als beeindruckend. Unterstützt wird sie dabei von Hans Syzs starker Kameraarbeit, die die Umstände genauso sachlich einfängt, wie das Drehbuch von Michèle Minelli, Robert Buchschwenter und Maria Brendle die Geschichte erzählt.

FRIEDAS FALL ist ein kleiner, aber äußert feiner Film, den man auf gar keinen Fall im Kino verpassen sollte. Und falls der Film in eurem Lieblingskino nicht laufen sollte, hilft oftmals eine kleine Nachfrage vor Ort…

Trailer

ab16

Originaltitel

Friedas Fall (Schweiz, 2025)

Länge

107 Minuten

Genre

Drama / Historie

Regie

Maria Brendle

Drehbuch

Michèle Minelli, Robert Buchschwenter, Maria Brendle

Kamera / Bildgestaltung

Hans Syz

Darsteller

Julia Buchmann, Rachel Braunschweig, Stefan Merki, Max Simonischek, Marlene Tanczik, Liliane Amuat, Johannes Hegemann, Peter Hottinger, Aaron Hitz

Verleih

Arsenal Filmverleih GmbH

Filmwebsite

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