Body-Switch-Komödien nach der Buchvorlage von Mary Rodgers haben stets Konjunktur: Die Boomer liebten „Ein ganz verrückter Freitag“ (1977) mit einer blutjungen Jodie Foster, die Generation X wurde mit dem zeitgemäßen Update „Freaky Friday – Ein voll verrückter Freitag“ (2003) und It-Girl Lindsay Lohan prächtig unterhalten, und nun ist die Gen-Z mit FREAKIER FRIDAY an der Reihe.
Die Geschichte von FREAKIER FRIDAY setzt 22 Jahre nach „Freaky Friday – Ein voll verrückter Freitag“ ein: Anna Coleman (Lindsay Lohan), damals noch die Teenagerin, die in der Garage mit ihrer Band Pink Slip gerockt hat, ist nun selber Mutter (und hat dafür ihre Musikkarriere hintangestellt). Diesmal ist Tochter Harper (Julia Butters) die rebellische Teenagerin. Ausgerechnet die britische Highschool-Zicke Lily (Sophia Hammons) wird nun Teil ihrer Familie, da Mutter Anna sich Hals über Kopf in deren Vater Eric Reyes (Manny Jacinto) verliebt hat, der als Chefkoch sein eigenes Restaurant betreibt.
Harper ist ganz die Mutter: Morgens ist sie kaum aus dem Bett zu bekommen. Und auch wenn sie schon extrem spät dran ist, findet sie noch Zeit, mal eben Surfen zu gehen. Gut dass Mutter / Oma Tess (Jamie Lee Curtis) mit anpackt – als Psychologin hat sie gerne ein Mitspracherecht. Anna ist sowieso mit ihrem Job als Managerin des jungen Popstars Ella (Maitreyi Ramakrishnan) ziemlich ausgelastet. Und dann muss ja auch noch die Hochzeit mit Eric vorbereitet werden.
Diesmal macht die Patchwork-Familie auf einer Pre-Wedding-Party Bekanntschaft mit Madame Jen (Vanessa Bayer aus „Saturday Night Live“), die hinter einem Zigarettenautomaten zum Vorschein kommt – und als Wahrsagerin (neben vielen anderen Jobs, die sie ausübt) Harper und Lily etwas zuflüstert. Damals waren es noch die Glückskekse im Restaurant von Pei-Pei (Rosalind Chao) und ihrer Mutter (Lucille Soong), die zum Körpertausch von Anna und Tess geführt haben. Große Effekte gibt es in beiden Varianten nicht.
Am nächsten Morgen kommt das große Erwachen in FREAKIER FRIDAY mit viel Geschrei: Neben Anna und Harper haben auch Annas Mutter Tess und Lily den Körper getauscht. Dabei hat Lily wohl die Arschkarte gezogen: Sie steckt nun im Körper der uralten Tess, und muss mit deren Gebrechen umzugehen lernen (die Knochen machen nicht mehr mit, und in der Seniorenabteilung im Supermarkt ist sie zunächst arg geschockt: Windeln für Erwachsene und andere Rentner-Produkte stehen da zur Auswahl).
Als wäre das noch nicht genug, taucht auch noch Annas ehemaliger Highschool-Schwarm Jake (Chad Michael Murray) auf. Der ist nun Inhaber eines Plattenladens, und er fährt immer noch ein dickes Motorrad. Das Absteigen von ebendiesem und das Abnehmen des Motorradhelms mit anschließendem Hin- und Herschwingen der Haarpracht ist genauso ikonisch wie im Original. Harper (im Körper ihrer Mutter Anna) und Lily (im Körper von Harpers Oma Tess) wollen die Hochzeit boykottieren und Anna wieder mit Jake verkuppeln. Im Laden flüstert Tess (also Lily), versteckt hinter Plattencovern von weiblichen Popstars, Anna (also Harper) zu, was dann aber in Flirtversuchen zum Fremdschämen mündet.
Währenddessen muss Anna (im Körper von Harper) zurück an die Highschool, wo sie beim Nachsitzen ihrem alten Lehrer Mr. Bates (Stephen Tobolowsky) wieder begegnet. Und Lily (im Körper von Tess) beginnt eine große Umstyling-Aktion, die in einem Fotoshooting mit aufgespritzten Lippen mündet (sprechen ist da kaum noch möglich, was für den ein oder anderen Lacher sorgt). Und dann ist da ja auch noch Popstar Ella, die nach einer in die Brüche gegangenen Beziehung nun in der Krise steckt.
Regisseurin Nisha Ganatra („Late Night“) möchte bei FREAKIER FRIDAY den Körpertauschspaß anscheinend potenzieren. Nicht nur, dass es schwer ist, hier noch den Überblick zu behalten. Nein, auch ansonsten hat Ganatra den Turbo eingeschaltet, um die Gen-Z zu erreichen: Anna (im Körper von Harper) und Tess (im Körper von Lily) fahren stundenlang E-Scooter und stopfen Pommes, Churros und andere Leckereien in sich rein, während Lily (im Körper von Tess) und Harper (im Körper von Anna) mit vollem Karacho im Cabrio von Jake durch die Stadt brettern.
Konnte in „Freaky Friday – Ein voll verrückter Freitag“ noch die Pop-Punk-Ästhetik überzeugen, so ist bei FREAKIER FRIDAY alles viel bunter und schriller, fast ideal für einen generationsübergreifenden Mädelsabend. Musik spielte damals schon eine Hauptrolle, diesmal versteht es Ganatra geschickt, die Story von Gen-Z-Popstar Ella einzuweben, die Fan von Annas Band Pink Slip ist (was am Ende schön emotional aufgelöst wird). In „The High Note – Glaub an deinen Traum“ hat die junge Filmemacherin bereits eine ähnliche Geschichte inszeniert. Mit der Komposition der Filmmusik wurde hier wie dort Amie Doherty beauftragt.
Das Beste an FREAKIER FRIDAY ist allerdings, dass fast der gesamte Cast des Originals wieder am Start ist, so auch Mark Harmon („Navy CIS“) als Ryan (Mann von Tess), der schon damals einiges erdulden musste. Die Newcomerinnen Julia Butters als Harper („Die Fabelmans“, „Once Upon a Time in Hollywood“) und Sophia Hammons als Lily (aus dem Halloween-Franchise „Under Wraps“ auf Disney+) bringen frischen Wind in die Geschichte (und überzeugen mit Charme und Talent), während Jamie Lee Curtis („Everything Everywhere All At Once“, „The Last Showgirl“) und Lindsay Lohan (Comeback 2022 mit dem Weihnachtsfilm „Falling for Christmas“ auf Netflix nach zehn Jahren ohne Hauptrolle in einer Major-Produktion) gerade in den letzten Jahren einen Karriere-Boost erleben.
Im direkten Vergleich hat FREAKIER FRIDAY leicht das Nachsehen gegenüber „Freaky Friday – Ein voll verrückter Freitag“, der von Mark Waters mehr auf den Punkt inszeniert war. Das Freakquel liefert zwar viel Fanservice, ist oftmals aber zu albern und walzt die Gags zu lange aus. Hysterisch geschrien wird in beiden Filmen allerdings zur Genüge! Das aus dem Munde eines Mannes der Generation X. Die Gen-Z darf das gerne anders einschätzen. Insgesamt ist dies übrigens bereits der siebte Disney-Film auf Basis des Fantasy-Romans „Verrückter Freitag“ (1972) von Mary Rodgers.
Freakier Friday (USA 2025)
111 Minuten
Komödie
Nisha Ganatra
Jordan Weiss
Elyse Hollander, Jordan Weiss, basierend auf dem Buch “Freaky Friday” von Mary Rodgers
Matthew Clark, ASC
Jamie Lee Curtis, Lindsay Lohan, Julia Butters, Chad Michael Murray, Vanessa Bayer, Mark Harmon, Sophia Hammons, Manny Jacinto, Maitreyi Ramakrishnan, Rosalind Chao
Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH