Falling

Kinostart: 12.08.2021

ab12 OT: Falling (Dänemark, Großbritannien, Kanada 2020)
Länge: 113 Minuten
Genre: Drama
Regie: Viggo Mortensen
Drehbuch: Viggo Mortensen
Darsteller: Lance Henriksen, Viggo Mortensen, Terry Chen, Laura Linney, Sverrir Guðnason, Hannah Gross, Bracken Burns, Gabby Velis
Verleih: Prokino Filmverleih GmbH

Wir kennen ihn alle als Aragorn aus Peter Jacksons Tolkien-Trilogie „Der Herr der Ringe“. Der schon dreimal für den Oscar nominierte Schauspieler Viggo Mortensen hat jetzt mit „Falling“ nach eigenem Drehbuch sein Regiedebüt vorgelegt – und fasziniert mit einem sehr persönlichen Film und einer eigenwilligen Bildsprache. 

Auf den ersten Blick wirkt „Falling“ extrem autobiografisch, doch Mortensen hat bislang in allen Interviews vehement bestritten, dass dies das Porträt seines Vaters sei. Es gibt zwar ein paar Bezugspunkte – so etwa die beginnende Demenz, mit der viele Verwandte Mortensens zu kämpfen hatten -, doch ansonsten ist „Falling“ das fiktive Psychogramm eines wütenden, alten, homophoben, zutiefst reaktionären Mannes.

Willis (Lance Henriksen) lebt als verbitterter Farmer auf seiner abgelegenen Ranch im Mittleren Westen. Seine Frau hat ihn früh verlassen, sein Kinder leben im fernen Kalifornien. Bei beginnender Demenz muss er akzeptieren, dass er den Hof nicht mehr allein bewirtschaften kann. Notgedrungen verlegt er seinen Alterswohnsitz nach Kalifornien, um bei seinem verhassten Sohn John (Viggo Mortensen), der mit seinem Mann Eric (Terry Chen) und Adoptivtochter Monica offen homosexuell lebt, zu wohnen. Gleich bei seiner Ankunft ist die Stimmung im Keller, als Willis ein Obama-Plakat entdeckt (der Film spielt im Jahr 2009, also noch vor Trump): „Wie ich dich kenne, hast du diesen Schwarzen gewählt.“ Als seine Tochter Sarah (Laura Linney) mit ihrer Tochter für eine Gartenparty zu Besuch kommt, hebt das nicht gerade die Stimmung. John begleitet seinen Vater zu einer Untersuchung beim Proktologen (ein Gastauftritt von Regisseur David Cronenberg), die Willis nur widerwillig über sich ergehen lässt.

Wie konnte es zu diesem Zerwürfnis kommen? Was folgt, ist eine sensible Verzahnung mehrerer Zeitebenen. In fließenden Übergängen zeigt uns Mortensen den ehrgeizigen jungen Farmer Willis (Sverrir Gudnason), der seinen kleinen Sohn unbedingt zu einem „echten“ Kerl erziehen will. So zwingt er ihn, seine erste Ente zu schießen: Der kleine John sieht dabei aus wie ein Häufchen Elend. Irgendwann erträgt seine Frau Gwen (Hannah Green) ihren Macho-Ehemann nicht mehr, und haut mit ihrem Sohn ab.

Poetische Naturaufnahmen der verschiedenen Jahreszeiten im Mittleren Westen sind wunderbar in die Geschichte integriert, Kameramann war der Däne Marcel Zyskind. Mortensen hat bestätigt, dass ihm als Vorbild die Bildsprache des Japaners Yasujiro Ozu diente – der visuelle Stil ist wirklich atemberaubend.

„Falling“ ist nicht nur ein sehr persönlicher Film über eine schwierige Beziehung zwischen Vater und Sohn. Er ist gleichzeitig ein sehr politischer Film über das liberale Kalifornien und den konservativen Mittleren Westen. Hier leben die Männer, die sieben Jahren später Donald Trump gewählt haben.

Ein beeindruckendes, wenn nicht sogar grandioses Regiedebüt eines großen Schauspielers!

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