Mit seinem Film ELECTRIC CHILD beschäftigt sich Simon Jaquemet mit den Themen Liebe, Verlust und den ethischen Abgründen der Künstlichen Intelligenz – bis er sich zu sehr in seiner komplexen Geschichte verfängt…
Akiko (Rila Fukushima) und Sonny (Elliott Crosset Hove) sind glücklich: Gerade erst wurde ihr gemeinsames Kind geboren, und sie freuen sich auf ein neues Leben zu dritt. Doch dann kommt die erschütternde Nachricht: Ihr Sohn leidet an einer degenerativen Nervenkrankheit mit einer Überlebensprognose von nicht mehr als einem Jahr. Während Akiko sich darauf konzentriert, im Hier und Jetzt jede Sekunde zu genießen, stürzt sich der aufstrebende Computerwissenschaftler Sonnys in seine Forschungsarbeit. In einem streng überwachten Hightech-Projekt arbeitet er an einer Künstlichen Intelligenz, die in einer virtuellen Welt um ihr Überleben kämpft und rasant an Bewusstsein gewinnt. Er verfällt dem Glauben, dass nur diese KI das Leben seines Sohnes retten kann, doch als die Behörden aufgrund der unkontrollierbaren Entwicklung mit der Abschaltung drohen, begeht er einen fatalen Fehler: Er umgeht die Protokolle und tritt selbst mit der KI in Kontakt. Er verspricht ihr sogar, sie aus dem geschlossen System zu befreien, sollte sie ein Heilmittel für das sterbende Kind finden. Was folgt, ist eine unaufhaltsame Kettenreaktion, bei der plötzlich das Überleben der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht…
Als jemand, der selbst in seinem Hauptberuf in der IT zuhause ist, bin ich immer wieder von Filmen genervt, die zwar eine gute Grundidee haben, sich dann aber bei den technischen Details keine Expertise eingeholt haben. Da werden Dinge behauptet, bei denen jeder IT‘ler nur noch verwundert den Kopf schüttelt. Aus genau diesem Grund hat mich ELECTRIC CHILD eingangs total überrascht, denn die technischen Aspekte der Geschichte haben mehr Hand und Fuß als die meisten Vertreter des Genres zusammen. Auch die kühle Optik des Films unterstreicht die Prämisse des Films ungemein. Endlich hat mal jemand einen Film für uns Computernerds gemacht und davor vernünftig recherchiert. Zumindest war das mein Eindruck – natürlich ohne intensive Prüfung.
Aber zu jeder Begeisterung gehört meist auch eine Ernüchterung. Je weiter der Film voranschreitet, desto mehr verliert sich Simon Jaquemet, der nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch verfasst hat, in seiner eigenen Geschichte. Tatsächlich habe ich im letzten Drittel mehr und mehr das Interesse am Ausgang der Geschichte verloren. Das ist besonders enttäuschend, hatte mich ELECTRIC CHILD doch eingangs so sehr überzeugt.
Am Ende macht ELECTRIC CHILD zwar sehr vieles richtig, katapultiert sich dann jedoch wieder selbst ins Aus. Aber: Das Potenzial ist vorhanden, daher bin ich wirklich gespannt auf das nächste Projekt von Simon Jaquemet.
Electric Child (Deutschland / Niederlande / Philippinen 2025)
119 Minuten
Science-Fiction / Drama
Simon Jaquemet
Simon Jaquemet
Gabriel Sandru
Elliott Crosset Hove, Rila Fukushima, Sandra Guldberg Kampp, João Nunes Monteiro, Helen Schneider
Port au Prince Pictures GmbH