EIFF 2016 – Tag 4

Endlich! Am vierten Tag war es soweit. Ich habe meinen (bisherigen) Favoriten gefunden. MOON DOGS heißt er und hat mich von der ersten bis zur letzten Minute mitgerissen. Außerdem gab es THE LOVE WITCH und THE OLIVE TREE zu sehen, sowie FIRST BORN. Für letzteren gilt jedoch noch ein Embargo bis zur Premiere. Allerdings darf ich dafür jetzt nach der Premiere meine Kurzkritik zu STARFISH nachschieben. 

 

Starfish

STARFISH

Großbritannien 2016, 92 Minuten
Regie: Bill Clark
Besetzung: Joanne Froggatt, Tom Riley, Ellie Copping, Michele Dotrice, Phoebe Nicholls

Über Nacht zieht sich der verheiratete Tom ein seltene Krankheit zu, die dazu führt, dass er binnen kürzester Zeit Arme, Beine und Teile seines Unterkiefers verliert. Krampfhaft versucht seine Frau Nicola, die Familie zusammenzuhalten und mit der neuen Situation klarzukommen.

De Film basiert auf einer wahren Begebenheit. Das wird besonders am Ende deutlich, als die Original-Familie lächelnd in die Kamera winkt. Der Weg dorthin ist für den Zuschauer jedoch äußerst beschwerlich. Ärgerlich ist dabei, dass der Regisseur Bill Clark seinen Zuschauern offenbar nicht zutraut, selbst Emotionen zu empfinden. Mit der Holzhammermethode wird daher beinahe jede einzelne Szene extrem überdramatisiert, sei es auf schauspielerischer Ebene oder durch die Bildsprache. Ein wenig mehr Zurückhaltung hätte diesem Film mehr als gut getan. (2/5)

 

The-Love-Witch

THE LOVE WITCH

USA 2016, 120 Minuten
Regie: Anna Biller
Besetzung: Samantha Robinson, Gian Keys, Laura Waddell, Jeffrey Vincent Parise, Jared Sanford, Robert Seeley

Obwohl die junge und liebeshungrige Hexe Elaine einen Liebestrank nach dem anderen braut, zeigen diese niemals die gewünschte Wirkung. Statt eines treuen und liebenden Mannes häufen sich die Leichen.

Regisseurin Anna Biller legt mit THE LOVE WITCH einen Film vor, der vollkommen im Stil der Sexploitation-Filme der 60er Jahre gedreht wurde – inklusive irrwitziger Dialoge und Darstellungen. Das macht unwahrscheinlich viel Spaß und wirkt einfach fantastisch. (3.5/5)

 

The-Olive-Tree

THE OLIVE TREE (EL OLIVIO)

Spanien / Deutschland 2015, 98 Minuten
Regie: Icíar Bollaín
Besetzung: Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs, Manuel Cucala, Miguel Ángel Aladrén

Eine junge, entschlossene Farmerin macht sich auf den Weg durch halb Europa, um den von ihrem Großvater so heiß und innig geliebten Olivenbaum zurück zu bekommen. Dieser steht inzwischen in der Lobby eines deutschen Energieunternehmens und fungiert als dessen Logo.

Aus Spanien kommt dieser liebeswerte, kleine Film, der mit einer ganz wunderbaren Geschichte aufwartet. Charmant gespielt erzählt der Film von Familien und dem Zusammenhalt genau derer. Dass der Film hier in Edinburgh gezeigt wird, ist eigentlich kein Wunder, schließlich leben die in Madrid geborene Regisseurin Icíar Bollaín und der schottische Drehbuchautor Paul Laverty in dieser Stadt. Doch das sollte nicht der einzige Grund sein, schließlich ist der Film schlichtweg wunderschön. (4.0/5)

 

 

Moon-Dogs

MOON DOGS

Großbritannien 2016, 90 Minuten
Regie: Philip John Besetzung: Jack Parry-Jones, Tara Lee, Christy O’Donnell, Denis Llawson, Shauna Macdonald

Zwei Stiefbrüder, die sich sonst nicht allzu viel zu sagen haben, machen sich auf den Weg von den Shetland Insels nach Glasgow. Während ihres Roadtrips treffen sie auf die freigeistige Caitlin, die die Beziehung der beiden nachhaltig verändert.

Endlich! Da ist er, mein bisheriger Lieblingsfilm. Der Film, für den ich mir die volle Wertung aufgespart habe. Regisseur Philip John, der nach diversen Episoen von Downton Abby oder Outlander hier sein Spielfilmedbut vorliegt, erzählt eine eher untypische Coming-of-Age-Story. Das liegt in erster Linie am wundebaren Soundtrack von Anton Newcombe, der hier bewusst nicht auf glattgebügelte Mainstream-Popsongs setzt, sondern verwobenen, teils sphärische Klänge einsetzt, die aber trotzdem irgendwie im Ohr bleiben. Hinzu kommt, dass John die schottische Landschaft zwischen den Shetland Inseln und Glasgow fast magisch in Szene setzt. MOON DOGS ist ein unfassbar wunderbarer Film, der den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minuten auf eine eindrucksvolle Reise mitnimmt. Ganz großes Kino! (5.0/5)

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