Regisseur Rod Blackhurst („Blood for Dust“, 2023) slashert sich in seinem dritten fiktionalen Langfilm „Dolly“ im ranzigen 16-mm-Grindhouse-Look saftige 83 Minuten durch die deutschen Kinos.
Wenn Stifler romantisch sein will, kann es nur schiefgehen. Chase (Sean William Scott, „American Pie“, 1999) will seiner Lebensabschnittsgefährtin Macy (Fabianne Therese, „Southbound“, 2015) bei einer Wandertour durch die Wälder Tennessees die große Frage stellen und um ihre Hand anhalten.
Ein Nein der Angebeteten wäre in diesem Szenario das kleinste Problem für Chase. Die Turteltauben werden jedoch von einer monströsen Gestalt (Max Lindsay) mit Puppenmaske unsanft in ihren Plänen gestört. Nachdem die Ausgeburt der Höhle namens Dolly das Paar in ihre Gewalt gebracht hat, beginnt ein Mix aus Hinhaltetaktik und einer abartigen Version eines Vater-Mutter-Kind-Spiels.
Blackhurst gelingt mit „Dolly“ ein audiovisueller Liebesbrief an den Grindhouse- und Exploitation-Film der 70er/80er-Jahre, doch leider scheitert sein Werk an den übergroßen Vorbildern „Blutgericht in Texas“ und „Das letzte Haus links“, die für die 600.000 US-Dollar teure Produktion unerreichbar scheinen.
Zwar drückt „Dolly“ einen förmlich kompromisslos in die siffige, eklige Hinterwäldler-Märchenwald-Kulisse, dennoch fehlt es Blackhurst am nötigen Fingerspitzengefühl der Horroraltmeister, um seine klassische Jumpscare-Parade mit genügend widerwärtiger Atmosphäre zu garnieren.
Die FSK-18-Freigabe hält, was sie verspricht. Drastische Härte wird anhand von starken praktischen Gore-Effekten auf die Leinwand gezaubert. Zudem ist der in Slashern als Waffe der Wahl unterrepräsentierte Spaten eine willkommene, blutrünstige Abwechslung und bringt ordentlich Freude für Fans besonderer Kills.
Seinen Kurzfilm „Babygirl“ hat der Regisseur drei Jahre später zum Spielfilm „Dolly“ ausgedehnt. Und ja, „Dolly“ ist keine neue Horrorsensation: Dafür sind die Plotholes zu groß und die Dialoge zu schwach geschrieben. Trotzdem lief der Film über mehrere Genre-Festivals, darunter die Fantasy Filmfest White Nights und das Bruggore. Wer sich dort zu Hause fühlt, dürfte auch im Kino seinen Spaß haben — alle anderen verlassen den Saal eher angeekelt.
Goriges Kinoerlebnis mit leichter Verdummungsgefahr, dafür umso mehr Gewalt, Blut und widerlich viel Fun für Genre-Liebhaber der absonderlich besonderen Art.
Am 11.06.2026 könnt ihr im Kino überprüfen, ob „Dolly“ euer Püppchen ist oder ihr eher der Baby-Born-Typ seid.