Die wilde Nordsee

19.03.2026

Wenn wir an faszinierende Unterwasserwelten denken, dann fallen uns meistens nur die leuchtenden Korallenriffe fern unserer Heimat ein. Die niederländische Doku DIE WILDE NORDSEE zeigt uns jetzt in faszinierenden Bildern, wie viele Wunder das Meer direkt vor unserer Haustür zu bieten hat…

Zur Nordsee hatte ich schon immer eine besondere Bindung. Geboren in und aufgewachsen vor den Toren Bremerhavens zog es mich und meine Freunde schon immer bei jeder Gelegenheit an den Deich und somit ans Wasser. Später durfte ich sogar einige der Leuchtfeuer und Leuchttürme in der Wesermündung besuchen, bevor es mich zum Studium nach Hamburg verschlagen hat – immerhin ebenfalls am Wasser. Auch bei meinen Reisen nach Schottland war ich auf der North Coast 500, einer eindrucksvollen Tour rund um die nördliche Spitze Schottland (von Inverness bis Inverness) in der Lage, Papageientaucher, Delfine und andere Tiere der Nordseeküste live und in Farbe zu erleben. Doch was sich unterhalb der Wasseroberfläche abspielt, blieb mir bislang verborgen.

Das hat sich jetzt geändert, denn mit der Dokumentation DIE WILDE NORDSEE führt uns der niederländischer Filmregisseur und Cutter Mark Verkerk genau dorthin. Gemeinsam mit dem Naturfilmer Peter van Rodijnen zeigt er uns die vielen Lebewesen, die in den Tiefen der Nordsee zu Hause sind. Vom winzig kleinem Plankton über Krebse, Quallen und kleinen Fischen bis hin zu Haien und Walen bietet die Nordsee ein erstaunlich lebensfreundliches Bild – und obwohl die Bedingungen dafür nicht gerade förderlich sind: Strömungen, kaltes Wasser und ein eingeschränktes Sichtfeld machen das Filmen unter Wasser nicht gerade zum Kinderspiel. Doch van Rodijnen gelingt es trotzdem, faszinierende Bilder zu finden, die ich persönlich so nicht erwartet hätte.

Regisseur Mark Verkerk belässt es jedoch nicht bei der Unterwasserwelt, er wagt zusammen mit dem zweiten Kameramann Dick Harrewijn auch den Blick in andere Gefilde und zeigt uns, wie sehr alles voneinander abhängt. Wie beispielsweise die Überfischung durch den Menschen zu einem Rückgang der Population der Papageitaucher geführt hat, wie sich der Lärm beim Bau von Windkraftanlagen auf die Tierwelt auswirkt oder wie der Küstenhochwasserschutz die Routen der Wanderfische beeinflusst. Gleichzeitig zeigt er aber auch Verständnis für diese Eingriffe des Menschen auf die Natur, denn wer isst nicht gerne Fisch, wer freut sich nicht über klimafreundliche Energieerzeugung.

Wer das Vorbild von van Rodijnen ist, zeigt DIE WILD NORDSEE überdeutlich. In einer fiktionalisierten Einleitung ist der Naturfilmer als kleiner Junge zu sehen, der gebannt vor dem Fernseher einer Naturdoku von Jacques-Yves Cousteau folgt, einem bahnbrechenden französischen Meeresforscher, der die Meeresdokumentation durch den Einsatz handgehaltener Unterwasserkameras revolutionierte, was immersive Einblicke ermöglichte. Wie sehr van Rodijnen Cousteau verehrt, ist deutlich erkennbar, da er DIE WILDE NORDSEE immer wieder mit Cousteau-Zitaten unterfüttert.

Einzig und allein der von Peter van Rodijnen selbst auf Deutsch eingesprochene Off-Kommentar bremst DIE WILDE NORDSEE ein wenig aus, wirken die Texte noch stellenweise etwas platt. Aber das ändert selbstverständlich nichts an den imposanten Bildern, für die allein sich das Lösen eines Kinotickets lohnt.

Trailer

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Originaltitel

De wilde Noordzee (Niederlande 2024)

Länge

93 Minuten

Genre

Dokumentation

Regie

Mark Verkerk

Drehbuch

Mark Verkerk

Kamera / Bildgestaltung

Peter van Rodijnen (Kamera im Wasser), Dick Harrewijn (Kamera an Land)

Verleih

mindjazz pictures UG

Filmwebsite

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