Die Top 30 des Jahres 2014 – Teil 1

Ganze 232 Filme habe ich mir im vergangenen Jahr im Kino angeschaut. Hinzu kommen noch einmal 26 Filme auf der Berlinale und 34 Filme auf dem Filmfest Hamburg. Jetzt ist es wieder an der Zeit, noch einmal die besten Filme Revue passieren zu lassen. Starten möchte ich mit den Plätzen 30 bis 21. 

Who Am I 18Platz 30

Who Am I – Kein System ist sicher

Ein deutscher Film macht in dieser Auflistung den Anfang. In den meisten Filmen, in denen es um Hacker geht, können Menschen mit auch nur den geringsten IT-Kenntnissen in der Regel nur mit dem Kopf schütteln. Wie schön, dass WHO AM I endlich einmal anders ist. Sicherlich gibt es auch hier und dort ein paar kleine Unstimmigkeiten und manchmal gelingt es den Hacker ein wenig zu leicht, in fremde Netze einzudringen, aber im großen und Ganzen ist der Film IT-mässig stimmig. Auch die Idee, das anonyme Zusammentreffen der Hacker in irgendwelchen dunklen Kanälen in einem U-Bahn-Waggon darzustellen, ist eine fantastische Idee! In Kombination mit jeder Menge großartiger deutscher Schauspieler wie Tom Schilling, Elias M’Barek, Wotan Wilke Möhring, Antoine Monot, Jr. und Hannah Herzsprung legt Regisseur Baran bo Odar hier einen Film vor, der wirklich Spaß macht.


 

Das Salz der ErdePlatz 29

Das Salz der Erde

Ein Dokumentarfilm über einen Fotografen? Kann das funktionieren? Aber ja doch, wenn der Regisseur Wim Wenders heißt. Gemeinsam mit Juliano Ribero Salgado, dem Sohn von Sebastião Salgado, als Co-Regisseur malen die beiden Filmemacher das Bild eines Menschen, wie es eindrucksvoller kaum sein könnte. Ausgehend von einigen Werken Salgados taucht der Film tiefer in die Materie ein und zeigt uns ein Bild der Menscheit, das mitunter kaum grausamer sein könnte. Wer so viel Elend auf der Welt gesehen hat und daran nicht zugrunde gegangen ist, der muss wahrlich ein besonderer Mensch sein.

Sachlich und mit ruhiger Stimme führt uns Wenders selbst durch den Film, der ihm offenkundig sehr wichtig gewesen ist. Das wirklich Eindrucksvolle an DAS SALZN DER ERDE ist jedoch die Reise an sich, die der Film unternimmt. Durch die Schönheit von Salgados aktuellem Projekt “Genesis” versöhnt sich er Zuschauer am Ende nach all den Grausamkeiten menschlicher Existenz wieder ein wenig mit der Welt. So bleibt Salgado am Ende nicht nur “irgendein” Fotograf, sondern ein Mensch, den man zu schätzen lernt. Wann hat ein Dokumentarfilm zuletzt eine solche Leistung vollbracht?


 

X-Men - Days of Future Past 46Platz 28

X-Men: Zukunft ist Vergangenheit

Die Inhaltsangabe klingt erst einmal ein wenig dürftig, doch X-MEN: ZUKUNFT IST VERGANGENHEIT ist alles andere als das. Bryan Singer, der nach den ersten beiden Teilen erstmals wieder auf dem Regiestuhl Platz nimmt, gelingt es, DEN Blockbuster schlechthin zu drehen. X-MEN: DAYS OF FUTURE PAST, wie der Film im Original heißt, verbindet geschickt beide X-Men-Generationen zu einem bombastischen Meisterwerk, das gleich in den ersten Minuten mächtig auf die Tube drückt.


 

Philomena 15Platz 27

Philomena

Judi Dench ist immer eine sichere Bank, und da die britische Schauspielerin immer ein gutes Händchen bei der Auswahl ihrer Rollen hatte, ist allein das eigentlich schon ein Kinobesuch wert. Doch PHILOMENA ist weit mehr als das: ein wunderbares Skript, dass eine bewegende Geschichte erzählt und nahezu perfekt zwischen Tragik und Komik changiert. Wenn Philomenas Leichtgläubigkeit und Naivität auf den Zynismus des Jornalisten Martin Sixsmith (gespielt von Jeff Coogan, der auch das Drehbuch mit verfasst hat) trifft, dann ergibt das wunderbare Dialoge, die auf den Punkt genau zugespitzt sind. Am Ende dieses Roadmovies, das die Protagonisten von Wales über Irland bis nach Washington D.C. führt, verlässt der Zuschauer gerührt und mit einem wohligen Gefühl das Kino. Das gelingt nicht vielen Filmen.


 

Jack und das Kuckucksuhrherz 31Platz 26

Jack und das Kuckucksuhrherz

Es gibt sie noch, diese kleinen, feinen Animationsfilme für Erwachsene, die sich fernab vom ewig gleichen Disney- und Pixar-Universum bewegen. JACK UND DAS KUCKUCKSUHRHERZ ist genau so ein Film. Man sieht ihm in jeder Sekunde seiner 93 Minuten an, dass hier jemand mit unglaublich viel Liebe zum Detail am Werk war. Mit seiner Mischung aus Drama und Musical erzählt der Film auf eine skurrile Art und Weise, die ein wenig an Tim Burtons NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS erinnert, eine Geschichte, die kaum phantasievoller sein könnte. Die Regisseure Mathias Malzieu und Stéphane Berla feuern ein regelrechtes Feuerwerk an Ideen ab und machen JACK UND DAS KUCKUCKSUHRHERZ so zu einer kleinen, aber feinen Perle der Arthouse-Animation.


 

Can A Song Save Your LifePlatz 25

Can A Song Save Your Life?

Im Jahre 2006 kam ein kleiner, aber feiner Musikfilm in die Kinos: ONCE. Darin erzählte der Regisseur und Drehbuchautor John Carney die zu Herzen gehende Geschichte zweier Musiker in den Straßen von Dublin. Jetzt kehr er mit CAN A SONG SAVE YOUR LIFE genau dorthin zurück. Nein, nicht nach Dublin, sondern zum Musikfilm mit Herz.

Gleich mit der Eröffnungssequenz ist klar, dass den Zuschauer auch hier wieder ein kleines Meisterwerk erwartet. Keira Knightley sitzt allein mit ihrer Gitarre auf der Bühne eines kleinen Clubs, während Mark Ruffalo ausgebrannt an der Bar sitzt. Schnell erkennt er die Magie ihres Songs und beginnt sich vorzustellen, wie sich dieser in einer vollen Bandbesetzung anhören würde. Die Art und Weise, wie Carney die Gedanken im Kopf des Musikmanagers zum Leben erweckt, zeigt wundervoll, dass er das Wesen eines Songs verstanden hat.

Letztendlich kann sich CAN A SONG SAVE YOUR LIFE vielleicht nicht auf dem extrem hohen Niveau von ONCE halten, trotzdem ist hier ein Film entstanden, den niemand, der auch nur das geringste musikalische Interesse hat, verpassen sollte. Bleibt nur zu hoffen, dass sich John Carney nicht wieder acht Jahre Zeit lässt für seinen nächsten Musikfilm.


 

Einer nach dem Anderen 12Platz 24

Einer nach dem Anderen

Auf der diesjährigen Berlinale wurde EINER NACH DEM ANDEREN gefeiert, wie kaum ein anderer Film. Kein Wunder, schließlich legt Regisseur Hans Petter Moland einen tiefschwarzen Film vor, der vor irrwitzigen Szenen nur so strotzt. Stellan Skarsgård geht in seiner Rolle als Schneeräumer auf Rachefeldzug vollends auf, was er auch deutlich in der Pressekonferenz zum Film auf der Berlinale zeigte. Dort witzelten er und Moland herum, dass sie ursprünglich vorgehabt hätten, mit einem echten Schneepflug auf dem roten Teppich vorzufahren. Leider jedoch habe ihnen die Filmfestleitung dieses aus Gewichtsgründen untersagt. Das Bild wäre aber sicherlich ein wahrlich Großes gewesen.

Doch zurück zum Film. Hans Petter Molands Inszenierung wirkt, als wären die Coen Brothers auf Tarantino getroffen und hätten einen Mordsspaß gehabt – im wahrsten Sinne des Wortes. Die kalte, fast unwirtliche Landschaft bildet einen wunderbaren Kontrast zu den Mordfällen, so dass viele der wunderbar eingefangen Bilder schon fast surreal wirken. EINER NACH DEM ANDEREN ist kompronisslos gutes skandinavisches Kino, an dem man sich gar nicht genug sattsehen kann.


 

Pride 08Platz 23

Pride

Im seinem zweiten Film erzählt Regisseur Matthew Warchus (Simpatico) die wahre Geschichte eines einmaligen Aktes der Toleranz und verknüpft dabei äußerst geschickt historische Fakten mit einer wunderbaren Wohlfühl-Dramaturgie. Die Geschichte geht zu Herzen und verursacht beim Zuschauer durchaus hin und wieder Tränen der Rührung.

Man könnte dem Regisseur vorwerfen, dass er die dunklen Kapitel der Schwulenbewegung wie AIDS oder Übergriffe zugunsten der Feelgood-Atmosphäre ausspart, aber das würde dem Film nicht gerecht werden. Schließlich geht es hier in erster Linie um die Annäherung zweier auf den ersten Blick völlig unterschiedlicher Gruppen und den Abbau von Vorurteilen. Und genau das gelingt dem Film auf eine fantastische Art und Weise.


 

Nightcrawler 28Platz 22

Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis

Selten hat man Jake Gyllenhaal so diabolisch gesehen, wie hier in NIGHTCRAWLER, dem Regiedebut des Drehbuchschreibers Dan Gilroy (Das Bourne Vermächtnis). Während sich die Figur von Gyllenhaal anfangs nur wie ein Schmarotzer an die Szene der Unfallreporter hängt, übertritt er schon wenig später beinahe sämtliche Grenzen. Gilroy ist mit NIGHTCRAWLER nicht nur das Portrait eines Mannes gelungen, der für den eigenen Erfolg vor nichts zurückschreckt, sondern zudem eine Analyse unserer voyeuristischen Gesellschaft, die solche Auswüchse überhaupt erst zulässt.

Erfreulich ist auch, dass der Film endlich einmal wieder die wunderbare Rene Russo auf die großen Kinoleinwände bringt, die mit ihrem Spiel irgendwo zwischen Dominanz und Unsicherheit für das richtige Profil der Nachrichtenchefin sorgt. So ist NIGHTCRAWLER ein eindrucksvoller Film mit einem unglaublichen Jake Gyllenhaal, der hier die Performance seines Lebens abliefert.


 

Hoehere Gewalt 06Platz 21

Höhere Gewalt / Force Majeure

Der schwedische Regisseur Ruben Östlund legt mit HÖHERE GEWALT einen Film vor, der es in sich hat. Nicht umsonst wurde der Film sowohl in Cannes, als auch beim Filmfest Hamburg vom Publikum, wie auch von der Presse, begeistert gefeiert. Östlund analysiert darin die Rolle des Mannes als Familienoberhaupt, aber auch die gesellschaftlichen Erwartungen in eben diese. Wie ein Schleier legt sich die feige Tat des Familienoberhauptes über die Beziehung – Nichts ist mehr so, wie es eins war. Dabei zwingt der Film den Zuschauer, sich selbst einmal mit der Situation auseinanderzusetzen. Wie hätte man selbst reagiert in einer solchen Situation?

Zum Glück vertieft sich Östlund nicht in extrem tiefe, psychiologische Begutachtungen, sondern lockert die Stimmung auch mal durch kleine humoristische Einlagen und sogar ein UFO (!) auf. Das gibt dem Zuschauer immer mal wieder eine kleine Verschnaufpause und macht HÖHERE GEWALT so zu einem extrem sehenswerten Film.


 

» Hier gibt es die Plätze 20 bis 11

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