„Love is a Battlefield“ schmetterte schon Pat Benetar im Jahre 1983 – und auch Danny DeVito zeigte uns mit „Der Rosenkrieg“ (1989), dass im Krieg und in der Liebe alles erlaubt ist! Michael Douglas und Kathleen Turner lieferten sich damals einen erbitterten Scheidungskrieg. Nun schickt Jay Roach („Bombshell – Das Ende des Schweigens“) die britischen Top-Stars Olivia Colman und Benedict Cumberbatch mit DIE ROSENSCHLACHT ins tragikomische Ehegefecht!
In der Einstiegsszene sehen wir die Roses bei der Paartherapie, die auf ein bitterbös-britisches Gagfeuerwerk zusteuert. In der Haut der Therapeutin möchte da wirklich niemand stecken. Beziehungstechnisch ist nicht mehr viel zu retten, aber der Humor ist Theo (Benedict Cumberbatch) und Ivy (Olivia Colman) noch geblieben in DIE ROSENSCHLACHT. Sarkasmus pur! So kann es gerne weitergehen…
Zunächst sind sie eine Bilderbuchfamilie: Theo ist ein Star-Architekt und Ivy glänzt in der Küche mit ihren Kreationen. Auch Nachwuchs ist bald da. So weit, so gut! Ivy eröffnet direkt am Wasser ein kleines Restaurant – und nennt es: „We‘ve got Crabs“. Theo ist zwar von der Namensgebung nicht sonderlich begeistert („Crabs“ bedeutet zwar „Krabben“, kann aber auch als „Filzläuse“ übersetzt werden, eine parasitäre Infektion, die durch intimen Kontakt übertragen wird), lässt seine Göttergattin aber gewähren. Er widmet sich lieber seinem Prestigeprojekt: Ein Glaspalast in Form eines Schiffes als neues Heim für ein maritimes Museum. Doch bei der feierlichen Eröffnung zieht ein Sturm auf – und das Gebäude fällt zusammen wie ein Kartenhaus!
Während Theo einen Shitstorm im Internet erdulden muss und beruflich kein Bein mehr auf den Boden bekommt, startet Ivy in DIE ROSENSCHLACHT dank einer famosen Restaurant-Kritik so richtig durch. Sie scheffelt Kohle und expandiert geschäftlich, während er sich als Hausmann um die Kinder kümmert. Theo trainiert seinen Sohn und seine Tochter, bald gehen diese gemeinsam auf ein Sportinternat. Ihm fällt die Decke auf den Kopf, er ist zunehmend verstimmt. Da ermöglicht Ivy dem depressiven Gatten, dass er sein Traumhaus an der Küste Nordkaliforniens konzipieren kann, im Wald gelegen und auf einer Klippe über dem Wasser thronend.
Nach Fertigstellung wird das „perfekte Zuhause“ zur Theaterbühne in DIE ROSENSCHLACHT: Es ist hyper-modern eingerichtet und architektonisch state of the art. Zeitgemäß digital vernetzt natürlich, trägt es aber auch Wesenszüge von HAL aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ in sich. Freund:innen und Kolleg:innen versammeln sich zur Feier des Tages am Essenstisch im Haus der Roses. Die Besetzung ist dabei transatlantisch, neben der britischen Oscar-Gewinnerin Oliva Colman (beste weibliche Hauptrolle 2019 in „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“) und ihrem zumindest oscar-nominierten Landsmann Benedict Cumberbatch („The Imitation Game“, „The Power of the Dog“) glänzen „Saturday Night Live“-Ikone Kate McKinnon und Andy Samberg („Palm Springs“, „Die Fotografin“) als ebenbürtige amerikanische Spielpartner und stranges Couple Amy und Barry.
Das Haus spielt eine weitere Hauptrolle. Es gibt Theo zwar neue Kraft, zerstört aber auch die Ehe vollends (und entwickelt ein Eigenleben). Bei der Dinner-Party wird nicht nur feinstes Gourmet-Essen serviert, sondern auch die Sprüche sind allererste Sahne. Ivy lässt mal eben nonchalant folgenden Satz fallen: „Manchmal hat er den Schwanz in mir – und ich merke es nicht einmal!“. Eat this! Später landen Krabben in der Badewanne, es wird die Haut von den Zehen geraspelt und ins Essen gemischt, es fliegen die Fetzen und emotionale Landminen kommen zum Einsatz!
Im dreckigen Scheidungskrieg hat Ivy die toughe Eleanor an ihrer Seite (stark gespielt von Allison Janney, die für „I, Tonya“ mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet wurde), während Theo von Barry vertreten wird, der eigentlich kein Scheidungsanwalt ist. Geld als Streitwert ist den beiden nicht so wichtig. Ivy und Theo kämpfen erbittert um das Haus in DIE ROSENSCHLACHT. Aus Prinzip schon. Nicht, dass Ivy es nötig hätte…
Regie bei der Neuinterpretation des modernen Filmklassikers „Der Rosenkrieg“ führte Jay Roach, der bereits 2000 mit „Meine Braut, ihr Vater und ich“ ein starkes Familienaufeinandertreffen am Essenstisch inszenierte (auch sein „Dinner für Spinner“ von 2010 passt da thematisch). Das Drehbuch schrieb der Australier Tony McNamara, mit dem Roach bereits für „Trumbo“ zusammenarbeitete, und der spätestens mit dem oscar-nominierten Skript für „Poor Things“ bewies, dass er ein Ausnahmetalent ist.
Das Update von „Der Rosenkrieg“ ist feministischer gestaltet (sie macht hier Karriere) und bis in die Nebenrollen divers und migrantisch vielfältig besetzt. Das transatlantische Schauspielbündnis liefert zudem the best of both worlds, auch was den Humor betrifft. DIE ROSENSCHLACHT ist nuanciert-sarkastisch und wirkt fast theaterhaft, während der Klassiker mehr Punch hatte – und irgendwie noch fieser war! Beide Versionen basieren indes auf dem gleichnamigen Roman „The War of the Roses“ aus dem Jahre 1981 von Warren Adler.
The Roses (USA 2025)
106 Minuten
Tragikomödie
Jay Roach
Tony McNamara, basierend auf dem Roman von Warren Adler
Florian Hoffmeister
Benedict Cumberbatch, Olivia Colman, Andy Samberg, Allison Janney, Belinda Bromilow, Ncu! Gatwa, Sunita Mani, Zoë Chao, Jamie Demetriou, Kate McKinnon
Walt Disney Studios Motion Pictures Germany GmbH