Die guten und die besseren Tage

31.07.2025

Melodramen über alkoholsüchtige Männer haben einen festen Platz in der Filmgeschichte – berühmte Beispiele sind „Das verlorene Wochenende“ (1945) von Billy Wilder oder jüngst „Der Rausch“ (2020) von Thomas Vinterberg. In der Tragikomödie DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE von Elsa Bennett und Hippolyte Dard steht eine alkoholkranke Frau im Mittelpunkt. Für diese Art Betroffenheitskino haben wir im Deutschen den Begriff „gut gemeint“!

Nach dem Tod ihres Mannes ist das Leben von Suzanne (Valérie Bonneton) aus der Bahn geworfen – sie wird zur heimlichen Alkoholikerin. Nach einer durchzechten Nacht kommt sie zu spät zur Arbeit und kippt in der Schneiderwerkstatt um. Nachdem sie abends ihre drei Söhne ins Bett gebracht hat, greift sie zur sorgfältig versteckten Wodkaflasche. Am nächsten Morgen will sie ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Als sie vor Fahrtbeginn noch einmal kurz aussteigt, vergisst sie die Handbremse zu ziehen: Der Wagen mit den Kindern rollt bergab und kracht in ein anderes Auto.

Wegen dieses Vorfalls verliert sie das Sorgerecht, und das Gericht verdonnert sie dazu, sich in einer Entzugsklinik behandeln zu lassen, bevor sie ihre Kinder wiedersehen darf. Dort angekommen, erlebt sie strenge Regeln: Handyverbot, Ausgang nur mit Erlaubnis, bei der Rückkehr Alkoholtest, Teilnahme an Therapiesitzungen und einem Kursus: Sie wählt Sport und Technik und lernt dabei den sympathischen Sportlehrer Denis (Clovis Cornillac) näher kennen. Er ist seit zwölf Jahren trocken.

Im Kursus freundet sie sich vor allem mit der jungen, aufbrausenden Alice (Sabrina Ouazani), der alternden Filmdiva Diane (Michèle Laroque) und mit Chantal (Sophie Leboutte) an, die sich bereits in ihrem elften Entzug befindet. Alice ertränkt ihren Kummer, ihre Mutter nie kennengelernt zu haben, mit Hochprozentigem, Diana trinkt mit viel Champagner gegen ihren verblassenden Ruhm an.

Denis hat den verwegenen Plan, seine „Mädels“ für die nur Frauen vorbehaltene Dünen-Rallye in der marokkanischen Wüste anzumelden. In neun Wochen ist es so weit, und die Frauen finden Gefallen an der Idee. Sie steigen todesmutig ins Training ein: Sie lernen, wie man Zelte aufbaut, Öl wechselt und Reparaturen durchführt, den Kompass nutzt und wie die Mechanik des Autos funktioniert. Und sie müssen draußen übernachten – in Marokko kann es nachts sehr kalt werden.

Nach einem Rückfall wegen eines Gerichtsbeschlusses – sie darf ihre Kinder auch „clean“ nur unter Aufsicht am Wochenende besuchen – wird Suzanne nach einer Flucht von Denis in ihrem Haus bewusstlos gefunden. Eigentlich wäre das der sofortige Abbruch des Klinikaufenthalts – doch Denis schafft es, dass sie bleiben darf.

Und so machen sich Suzanne, Alice, Diane, Chantal und Denis zum Fährhafen auf. Dort rastet Chantal total aus und muss zu Hause bleiben. Und so landen nur noch drei Frauen in Marokko: Suzanne als Fahrerin, Alice als Navigatorin und Diane, die sich um die nötigen Stempel bei den Kontrollpunkten kümmert. Dieses Wüstenabenteuer hat das Regieduo routiniert und eher lustlos abgehandelt: Reifenwechsel, wobei der Ersatzreifen schon mal den Hang runterrollt, das im Sand steckengebliebene Auto ausbuddeln und jede Menge Irrfahrten. Und dann kippt der Wagen auch noch um…

Hier wurde ein wichtiges Thema verschenkt. DIE GUTEN UND DIE BESSEREN TAGE bieten größtenteils langweiliges Problemkino. Zu allem Überfluss dürfen die Patientinnen bei ihren kurzen Statements direkt in die Kamera schauen – ein inzwischen ziemlich betagtes Stilmittel. Da hilft es auch nichts, dass die renommierte französische Schauspielerin Valérie Bonneton hier einen überzeigenden Auftritt abliefert.

Trailer

ab12

Originaltitel

Des jours meilleurs (Frankreich 2025)

Länge

105 Minuten

Genre

Tragikomödie

Regie

Elsa Bennett, Hippolyte Dard

Drehbuch

Elsa Bennett, Hippolyte Dard, Louis-Julien Petit

Kamera / Bildgestaltung

Thomas Lerebour

Darsteller

Valérie Bonneton, Michèle Laroque, Sabrina Ouazani, Clovis Cornillac, Sophia Leboutte, Myriem Akheddiou, Laurence Cottet, Manuel Ginion, Corentin Camus, Felix Briand, Isabelle de Hertogh, Stéphanie Chamot, Christelle Delbrouck, Ingrid Hedersheidt

Verleih

Happy Entertainment (MT Trading UG)

Filmwebsite

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